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Salafistische Strategien So funktioniert salafistische Gehirnwäsche

Salafisten radikalisieren sich manchmal zu Dschihadisten. Dann sind sie bereit, als Märtyrer zu sterben. Wie kommt es dazu, dass jemand plötzlich sein Leben opfern möchte?

Salafist Pierre Vogel in Pforzheim

Der Salafist Pierre Vogel gibt sich harmlos. Mit öffentlichen Gebeten und Auftritten versucht er, viele junge Leute zu erreichen.

Salafisten betreiben Gehirnwäsche. Und das auf sehr geschickte Weise. Sie sprechen gerne von der "gespaltenen Zunge des Westens": Der Westen, der den Frieden predigt und zugleich Waffen an Saudi-Arabien liefert. Der Westen, der Menschenrechte propagiert und zugleich Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lässt. Jede Ungereimtheit wird von Salafisten ausgeschlachtet. Die Welt malen sie nur in schwarz und weiß. Gemäß ihrer Logik ist der Westen eigentlich böse, da er alle Muslime vernichten will.

Verletztes Kind im syrischen Bürgerkrieg

Salafisten benutzen Bilder von leidenden syrischen Kindern für ihre Propaganda gegen die westliche Welt.

Islamisten zeigen frisch Angeworbenen Bilder von verletzten oder toten syrischen Kindern. Sie wissen, dass junge Menschen an sich ein sehr ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein haben und Ungerechtigkeit bekämpfen wollen, so Jens Ostwaldt von der Fachstelle zur Prävention von religiös begründetem Extremismus.


Verwandte und Freunde sind oft machtlos

Am stärksten ist das Unrechtsempfinden der Salafisten aber in Bezug auf sich selbst. Nach ihrem Konzept wird ein Salafist deswegen angefeindet, weil er auf dem richtigen Weg ist. Das impfen sie ihren Mitgliedern ein. Je mehr ein Überläufer also von Familie und Freunden verachtet oder beschimpft wird, desto eher fühlt er sich den Salafisten zugehörig. Dieses Denken treibt neue Mitglieder immer weiter in die Arme der Extremisten.

Die Islamisten versprechen angeworbenen Kandidaten einen Neustart im Leben und bringen ihnen Wertschätzung entgegen. Ein Mensch, der zuvor in seinem Leben keinen Sinn mehr gesehen hat, erfährt in Salafistenkreisen wieder seine Bedeutung, seine Wirkungskraft als "apokalyptischer Missionar" oder "hypermaskuliner Held". Ein Höhepunkt der Gehirnwäsche ist die Lektion der erwarteten Win-Win-Situation: im heiligen Krieg als Märtyrer sterben oder als Held zurückkehren.

Der Glaube als letzter Anker

Und was ist mit dem Islam, mit dem Glauben? Laut dem Extremismus-Experten Jens Ostwaldt sind Salafisten oft "religiöse Analphabeten". Dennoch glauben sie beispielsweise an die 72 Jungfrauen nach dem Tod. Sie müssen daran glauben, denn einmal radikalisiert, rutschen sie immer weiter ab ins Bodenlose. "Je tiefer man hineingerät, desto stärker werden die Probleme und desto weniger Lösungen gibt es", so Ostwaldt. Irgendwann kann man nicht mehr aussteigen, denn gesellschaftlich ist man so weit isoliert, dass man außerhalb der Salafisten-Szene keinen Halt mehr findet. Dann ist der Glaube ans Paradies der allerletzte Strohhalm.