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Überblick Problematische Weltanschauungsgruppen

Unter den neureligiösen Bewegungen, früher "Sekten" genannt, gibt es harmlose wie auch sehr konfliktträchtige Gruppierungen, auch in Baden-Württemberg.

Schriftzug Scientology am Scientology-Zentrum an der Heilbronner Straße in Stuttgart

Scientology-Zentrum an der Heilbronner Straße in Stuttgart

Eine "Sekte" ist eine Minderheit, deren Lehre von der einer größeren Religion abweicht. Mehr bedeutet das Wort eigentlich nicht. Doch weil manche Kirchenleute früher meinten, sie hätten die Wahrheit gepachtet, bekam das Wort einen abwertenden touch. Deshalb sagt man inzwischen "Weltanschauungsgemeinschaften" oder "neu-religiöse Bewegungen". Drei der konfliktträchtigsten in Baden-Württemberg sind:

Scientology

Die Organisation zählt zu den vielen Psychogruppen, die angeblich helfen, ein besserer Mensch zu werden. Der US-amerikanische Gründer L. Ron Hubbard wollte schon in den 1950ern mit seiner sogenannten "Dianetik" – einer Art Psychotechnik - die Welt retten. Er spann ein internationales Netz an Trainingszentren, das Deutschland 1970 erreichte.

Die Organisation finanziert sich - neben Spenden - indem sie ihren Ortsgruppen Rechte und Lizenzen für Kursmaterialien verkauft. Ein System kostspieliger Aufbaukurse führt Mitglieder in Abhängigkeit. Kritik am autoritären Führungskader ist tabu. Aussteiger berichten über Ausbeutung und Einschüchterung. Scientology wird seit über 20 Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die Mitgliederzahl sinkt seit Jahren, in Baden-Württemberg liegt sie nur noch bei rund 900. Trotzdem hat die Organisation letztes Jahr in Stuttgart ein neues Zentrum eröffnet.

Die Zeugen Jehovas

Mit dem "Wachturm" in der Hand stehen sie in Fußgängerzonen und an Haustüren. Die Zeugen Jehovas, so nennen sie Gott, sind zur Missionierung verpflichtet. Schließlich erwarten sie bald das Jüngste Gericht und müssen Seelen retten. Für die Guten beginnt dann das tausendjährige Reich Christie auf Erden.

Die Wachturm-Gesellschaft - mit Sitz an der amerikanischen Ostküste ist fast 140 Jahre alt und straff hierarchisch organisiert. Sie hat Niederlassungen in zahlreichen Ländern. Der Wachturm wird in über 200 Sprachen übersetzt und zählt als auflagenstärkste Zeitschrift der Welt. Die Organisation erwartet blinden Gehorsam.

In Deutschland weist sie knapp 170.000 Mitglieder aus, in Baden-Württemberg fast 30.000. Hier haben die Zeugen Jehovas - wie in fast allen Bundesländern - inzwischen Körperschafts-Rechte erstritten.

Shinchonji

1984 in Südkorea gegründet zählt die autoritäre Organisation zu den Neu-Offenbarungsgruppen. Das heißt: sie beruft sich auf neue Mitteilungen Gottes. Bestehende Bibeltexte könne nur der Gründer "Man-Hee Lee" vollständig verstehen.

Ihm folgen knapp 200.000 Anhänger in unterschiedlichen Ländern. In Deutschland sind es nur rund 1000 – in Stuttgart etwa 20 Mitglieder. Doch die missionieren mit aggressiven Methoden. Sie unterwandern Kirchengemeinden und laden Leute unter falschem Vorwand zu Gesprächsgruppen ein, ohne sich als Shinchonji zu outen. Deshalb warnen Experten ausdrücklich vor der Organisation, die herkömmliche Kirchen als satanisch bezeichnet.

Autorin: Nela Fichtner, Online: Utku Pazarkaya