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SWR AKTUELL MONDIAL 21.11.2018

Regelwerk für sichere Fluchtbewegungen – Der UN-Migrationspakt
Momentan befinden sich weltweit knapp 70 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie noch nie. Deshalb haben die Vereinten Nationen ein Papier erarbeitet, welches regeln soll, dass Migration so gefahrlos und sicher verläuft wie möglich. „UN-Migrationspakt“ heißt das Schriftstück und soll Anfang Dezember auf einer großen Konferenz in Marokko offiziell beschlossen werden. Doch mittlerweile mehren sich die Staaten, die auf Distanz zum Bestreben der Vereinten Nationen gehen. So haben sich die USA bereits zurückgezogen, Ungarn und Österreich drohen mit dem gleichen Schritt und auch aus der AfD und von Teilen der CDU ist Murren zu hören. Der UN-Migrationspakt, sagen sie, untergräbt die Souveränitätsrechte der einzelnen Staaten und ist deshalb abzulehnen. Doch stimmt das?

Der schwere Weg zurück – Syrer in der Türkei
Die Türkei hat etwas weniger Einwohner als Deutschland, aber sie hat deutlich mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen, genauer gesagt 3,5 Millionen. Nur rund zehn Prozent von ihnen leben in Lagern, der Rest hält sich aus eigener Kraft über Wasser. Das ist nicht immer einfach. Doch die meisten Migranten, deren ursprüngliche Heimatorte oft nur wenige Dutzend Kilometer entfernt sind, wollen sich schon jetzt für eine Rückkehr rüsten und versuchen deshalb einen Beruf zu lernen oder zu studieren. Die Sehnsucht zurückgehen zu können ist groß, doch noch ist es zu früh.

Skepsis gegenüber dem eigenen Heimatland – Die geflohenen Rohingya in Bangladesch  
Die Minderheit der muslimischen Rohingya ist nach Angaben der Vereinten Nationen diejenige Volksgruppe, die weltweit am stärksten verfolgt wird. Mehr als 700.000 von ihnen sind seit August 2017 von Myanmar nach Bangladesch geflüchtet. Seitdem leben sie in einem der größten Flüchtlingslager der Welt. Beide Staaten haben zwar im Januar ein Abkommen unterzeichnet, dass die Rohingya wieder zurück nach Myanmar können und ihnen – wie es heißt – keine Gefahr droht. Aber bislang kein einziger von ihnen dorthin gegangen. Sie haben Angst und Misstrauen ihrem Herkunftsland.

Flucht in die Sackgasse – Wenn Venezolaner nach Kolumbien fliehen
Im südamerikanischen Venezuela werden von Monat zu Monat Hunger, Krankheit und staatliche Repression größer. Denn die pseudo-sozialistische Regierung hat das Land quasi gekidnappt. Sie plündert die reichen Bodenschätze, sorgt aber nicht mehr für die Bevölkerung. Und so sind in den vergangenen fünf Jahren mehr als zwei Millionen Venezolaner ausgewandert. Die meisten von ihnen ins Nachbarland Kolumbien, das aber seine eigenen Probleme mit Flucht und Vertreibung hat: Denn wegen des jahrzehntelangen bewaffneten Konflikts zählt Kolumbien die meisten Binnenvertriebenen der Welt.

Scharnier zwischen zwei Kontinenten – Marokkos Migrations-Dilemma
In Nordafrika spielt das Thema Flucht ebenfalls eine große Rolle. So ist das Königreich Marokko sozusagen eine Drehscheibe in Sachen Migration. Zum einen verlassen viele Marokkaner in Richtung Europa in der Hoffnung auf bessere Jobs und Verdienstmöglichkeiten. Andererseits ist der Staat am Nordwestende des schwarzen Kontinents längst zu einem Einwanderungsland geworden. Denn zahlreiche Migranten aus Zentralafrika kommen hierher. Sei es, um zu bleiben und sich einen Job zu suchen, sei es, um von Marokko aus weiter in Richtung Europa zu gehen. Diese Situation bringt Marokko in eine Zwickmühle. Einerseits wollen sie den afrikanischen Brüdern und Schwestern helfen. Andererseits arbeiten sie bei der Grenzsicherung mit der EU zusammen, die vor allem weitere Zuwanderung aus Afrika unterbinden will – ein Migrations-Dilemma zwischen Afrika und Europa.