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SWR AKTUELL MONDIAL 01.08.2018

Ankerzentren starten in Bayern
Asylverfahren in Deutschland dauern zu lange. Zurzeit warten mehr als 50.000 Geflüchtete auf eine Entscheidung ihres Antrags. Die Niederlande und die Schweiz machen vor, dass es auch schneller geht. Die Bundesregierung will das Problem mit den sogenannten Ankerzentren lösen.
In den Ankerzentren sind verschiedene Einrichtungen und Behörden gebündelt: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter, Justiz- und Ausländerbehörden. Die kurzen Wege sollen dafür sorgen, dass die Verfahren schneller abgeschlossen werden.
Kirchliche Organisationen, Flüchtlingshelfer und die Opposition haben die Ankerzentren hingegen als Abschiebelager kritisiert, sie warnen vor einer Ghettoisierung.
Bundesinnenminister Seehofer tut sich schwer die Bundesländer von seinem Konzept der Ankerzentren zu überzeugen. Mit einer Ausnahme: In Bayern haben am Mittwoch sieben Ankerzentren ihren Betrieb aufgenommen.

Neuregelung des Familiennachzugs
Viele Flüchtlinge, die lediglich den sogenannten subsidiären Flüchtlingsschutz erhalten haben, warten sehnsüchtig darauf, Familienangehörige nach Deutschland nachholen zu dürfen. Jetzt haben sie wieder die Möglichkeit. Allerdings dürfen pro Monat nur 1000 Angehörige nach Deutschland kommen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes liegen derzeit 34.000 Termingesuche vor, die nun chronologisch abgearbeitet werden sollen. Ein junger Flüchtling, der jetzt in Stuttgart lebt versucht schon lange, seine Familie nach Deutschland nachzuholen:

Kommentar zum Familiennachzug
Den sogenannten subsidiären Schutz hatten in Deutschland zuletzt vor allem Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak erhalten. Nachdem Anfang 2015 der Familiennachzug für subsidiär geschützte Flüchtlinge in Deutschland erleichtert worden war, beschloss die Bundesregierung im Frühjahr 2016, den Familiennachzug bei subsidiär geschützten Menschen - oft aus Syrien - für mehr als zwei Jahre vollständig auszusetzen. Seit dem 1. August gilt die neue Regelung, nach der pro Monat 1000 Familienangehörige nachziehen dürfen. Ein Kommentar von Marcel Heberlein:

#MeTwo-Debatte über Alltagsrassismus
Gibt es eine Debatte - oder nur einen kurzen Aufschrei? Der Fußballprofi Mesut Özil löste mit seiner Rücktrittserklärung eine Welle aus. Seitdem wird sowohl unter Freunden und Bekannten als auch in journalistischen Artikeln gestritten.
Auf riesige Resonanz stößt derzeit auch der Hashtag „Metwo“. Viele Menschen berichten unter dem Hashtag von Rassismus in Schulen, auf der Straße, im Freundeskreis - und selbst in der Partnerschaft. Der Hashtag „MeTwo“ lehnt sich sprachlich an „MeToo“ an, unter dem vor allem Frauen ihre Erlebnisse von Sexismus und sexueller Gewalt schildern.
Die Aktion „#MeTwo“ des Initiators Ali Can steht für „IchZwei“. Es geht um die Erfahrungen von Menschen die zum Beispiel Deutsche und Muslime sind, oder weiter ihre Herkunftssprache pflegen.
Erschreckend ist, dass viele in ihren Tweets von Diskriminierungserfahrungen in der Schule berichten. Dazu passt eine Studie, der Universität Mannheim. Sie ergab, dass Schüler mit ausländischem Namen bei gleicher Leistung schlechtere Diktat-Noten erhalten.
Konkret erhielten 200 Studenten einer Pädagogischen Hochschule ein Diktat. Während die eine Gruppe ein Diktat von „Max“ benotete, erhielt die andere Gruppe ein identisches Diktat, allerdings von „Murat“. Die Zahl der gefundenen Fehler war dabei gleich, unabhängig davon, ob der Name des Kindes vermeintlich deutsch oder türkisch war. Dennoch leiteten die Beurteiler aus der gleichen Zahl von Fehlern unterschiedliche Noten ab - zum Nachteil des Schülers mit dem türkischen Namen. Nathalie Schlenzka ist Forschungsreferentin bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Wir haben mit ihr gesprochen und sie zunächst gefragt, ob sie dieses Ergebnis überrascht:

Willkommen in Babylon - Sprachverwirrung in Ost-Afrika
Knapp ein Viertel der Menschen in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Das ist ein Ergebnis des Mikrozensus 2017. Von den insgesamt 24 Millionen Mehrpersonenhaushalten in Deutschland wird demnach in 2,5 Millionen vorwiegend eine ausländische Sprache gesprochen. Am häufigsten waren dies Türkisch, Russisch, Polnisch und Arabisch.
Weltweit ist übrigens die Mehrsprachigkeit von Menschen die Regel. Nur eine Minderheit der Menschen beherrscht lediglich eine Sprache. ARD-Korrespondentin Linda Staude berichtet über ihre Erfahrungen in ost- und zentralafrikanischen Ländern: