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Reihe: Flüchtlinge und Bildung Wenn Flüchtlinge studieren wollen

Sprache und Bildung – das ist der Schlüssel zur Integration. Doch das ist ein mühsamer Weg und er braucht seien Zeit. Selbst, wenn junge Menschen in ihren Ländern studierten, heißt es nicht, dass sie hier nahtlos weitermachen können. Ein Studium zu beginnen erfordert Kraft.

Faiz Teyib und Lizyy Jöckel vom Taff (Tamm aktiv für Flüchtlinge)

Faiz Teyib und Lizyy Jöckel vom Taff (Tamm aktiv für Flüchtlinge)

Faiz Teyib hat ein Ziel. Der 20jährige Flüchtling aus Äthiopien will sein Studium in Deutschland fortsetzen. Von klein auf will er Bauingenieur werden. "Es ist mein Traum", sagt Teyib. In seinem Heimatland hat Faiz bereits drei Semester studiert. Bevor er fliehen musste. Aus politischen Gründen, wie er erzählt. Seit einem Jahr lebt er in Tamm bei Ludwigsburg. Die erste Hürde: die Sprache. Für ein Studium sind die Ansprüche sehr hoch, erklärt Lizyy Jöckel vom Freundeskreis. Für ein Studium ist C1-Niveau nötig, erklärt sie. Das bedeutet: höchster Level an Fremdsprachenkenntnissen, also sehr gutes Deutsch. Und das erwirbt man nicht mal eben so. Faiz konnte bisher nur Kurse besuchen, die die Ehrenamtlichen geben.

Irene Tröster

Irene Tröster, Regionale Koordinatorin für das Studium von Geflüchteten im Regierungsbezirk Stuttgart, angesiedelt beim Sozialverband In Via.

Studieren in Deutschland

In Deutschland zu studieren ist für Geflüchtete in der Theorie kein Problem. Die Praxis sieht anders aus. Wird das Abitur nicht anerkannt, muss man für ein Jahr ein sogenanntes Studienkolleg besuchen. In Baden-Württemberg gibt es drei mit rund 60 Plätzen – für 6000 Bewerber. Herauszufinden, wie die Universitäten funktionieren, ist schwer, so Irene Tröster. Sie ist Regionale Koordinatorin für das Studium von Geflüchteten im Regierungsbezirk Stuttgart, angesiedelt beim Sozialverband In Via. Das Hochschulsystem sei in den Herkunftsländern ganz anders, in vielen Ländern beispielsweise zentralistisch angelegt. "Das ist bei uns ganz anders. Jede Hochschule hat ihre eigenen Programme, ihre eigenen Studiengänge. Bei uns gibt es 9.000 Bachelor-Studiengänge in Deutschland. Da ist es schwierig, das passende zu finden", erklärt Tröster.

Welche Fachrichtung?

Die Universitäten bieten mittlerweile vielfältige Programme für Flüchtlinge mit Sprach- und Einführungskursen oder auch persönlicher Betreuung durch andere Studierende. Zum Glück hat Faiz Lizzy Jöckel an seiner Seite – ohne Hilfe kann man sich in diesem Dschungel nicht zurechtfinden, meint sie. "Wir müssen aus der Informationsflut erst mal das herauskristallisieren, was jetzt richtig ist. Wo gibt es Fördermöglichkeiten? Was ist für uns je nach Studienfach möglich?

Faiz Teyib

Faiz Teyib will gerne studieren

Win win-Situation

Eine große Hilfe ist die Koordinationsstelle, von denen das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg insgesamt vier eingerichtet hat. Deren Aufgabe ist die Angebote der Universitäten mit den studierwilligen Flüchtlingen zusammenzubringen. So hat Faiz beispielsweise von einem Kolleg für angehende Ingenieure an der Uni Stuttgart erfahren, das auch Flüchtlinge aufnimmt. Jetzt ist er ein Teil des MINT-Kollegs. Faiz bekommt auch einen Sprachkurs. Es ist für alle Seiten gut, wenn Flüchtlinge, die das Potential für ein Studium haben, unterstützt werden, meint Irene Tröster. "Wenn wir hier Bauingenieure, Elektrotechniker und Maschinenbauingenieure ausbilden oder auch Wirtschaftswissenschaftler, ist es eigentlich die beste Entwicklungshilfe, wenn die hier ausgebildeten Menschen zurückgehen, ihr Land beim Wiederaufbau unterstützen". Wenn nicht – in Deutschland gebe es Fachkräftemangel. Von daher sei es immer eine win win–Situation.

Aber: Geduld ist gefragt. Man muss mit mindestens zwei Jahren rechnen, bis man soweit ist, um studieren zu können, ist ihre Erfahrung. Auch Faiz weiß: es wird ein langer Weg. Aber ein Vortrag an der Uni Stuttgart hat ihn bestärkt, an seinem Traum festzuhalten: "Ich möchte Brücken bauen, Tunnel bauen und so weiter machen."

Text: Anna Koktsidou / Online: Cüneyt Özadali