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Flüchtlinge im Mittelmeer Seenot-Kapitän: EU soll handeln

Die Europäische Union muss sich nach vier Jahren ergebnisloser Diskussion auf einen Verteilmechanismus von Geflüchteten einigen. Das fordert Friedhold Ulonska, der schon neun Mal als Kapitän für die Hilfsorganisation Sea-Watch und Sea-Eye im Einsatz war - zuletzt vor drei Wochen.

Der Unternehmensberater aus Rottenburg am Neckar sagte dem SWR, die Menschlichkeit und das Völkerrecht gebiete eine schnelle Lösung. Gerade im Sommer gebe es viele Flüchtlinge im Mittelmeer. Viele von ihnen würden von der libyschen Küstenwache aufgegriffen und in das nordafrikanische Land zurück gebracht, wo ihre Bootsüberfahrt begann.

Nicht nach Libyen übergeben

Nach dem Aus der staatlichen Seenotrettung gebe es nur noch privat betriebene Schiffe, die aber oftmals behindert würden. So komme es vor, dass die Küstenwache Libyens Seenot-Retter aufforderten, die Menschen an Bord zu übergeben. Dem komme man natürlich nicht nach, so Ulonska.

5:13 min

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Interview mit Friedhold Ulonska

Ebertz, Magdalena

Trotz Verschärfungen - die Rettung geht weiter

Mit Blick auf die erneut verschärften Sicherheitsgesetze Italiens sagte Ulonska, diese änderten an der Arbeit der privaten Seenotretter zunächst einmal nichts. Allerdings steige das Risiko, mit absurd hohen Strafen belegt zu werden, sollte man italienische Häfen anlaufen. Sollte auf einem Schiff eine Notsituation eintreten, sei es aber auch künftig wichtig, sich über lokale Regelungen hinwegzusetzen und den nächst gelegenen, sicheren Hafen anzulaufen.

Mehr Entschlossenheit

Von der Bundesregierung wünscht sich Friedhold Ulonska mehr Entschlossenheit in der EU. Das gelinge bei anderen Themen schließlich auch, Deutschland müsse ein Zeichen setzen und auch ohne Einigung auf EU-Ebene erst einmal mehr im Mittelmeer gerettete aufnehmen. Das Innenministerium sei da im Augenblick sehr zurückhaltend.

Engagement fortsetzen

Ulonska freut sich, dass trotz der verschärften Gesetze der Mittelmeeranrainer sich immer mehr Freiwillige bei privaten Seenotrettungs-Organisationen meldeten. Auch er selbst, so Friedhold Ulonska, werde, so lange es irgendwie gehe, sein Engagement für Geflüchtete in Seenot fortsetzen.

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