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Salafistische Strategien Wie Eltern reagieren sollten

Was tun, wenn sich das Kind Extremisten anschließt? Viele Eltern meinen, hart durchgreifen zu müssen. Aber das ist oft genau die falsche Reaktion.

Mutter und Sohn

Eltern brauchen Geduld und sollten das Gespräch suchen, wenn das Kind sich immer weiter abkapselt.

Zunächst einmal ist Radikalität an sich nicht negativ zu bewerten, meint der Erziehungswissenschaftler Jens Ostwaldt vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg. Radikalität sei eine jugendliche Eigenschaft. Und die Gesellschaft brauche diese radikalen Kräfte, die gegen den Strom denken. Aber dennoch sollten Eltern alarmiert sein, wenn ihr Kind sich von heute auf morgen verändert.

Auch der plötzliche Verzicht auf Suchtmittel kann auf eine Radikalisierung hindeuten

Der plötzliche Verzicht auf Suchtmittel kann auf eine Radikalisierung zum religiösen Extremismus hindeuten.

Diese Anzeichen können eine Hinwendung zum Salafismus andeuten:


  • Jemand stellt plötzlich den Alkohol- und Zigarettenkonsum ein
  • Jemand räumt sein Zimmer regelmäßig auf
  • Das Vokabular verändert sich und bewegt sich im Spannungsfeld: gut – böse, Muslim – Nicht-Muslim
  • Jemand interessiert sich plötzlich für religiöse Themen
  • Jemand verhält sich auf einmal sehr versöhnlich gegenüber den eigenen Eltern

Diese ersten Anzeichen empfinden Eltern oft als positiv und meinen, ihre Kinder kämen zur Vernunft oder würden erwachsen. Aber genau das ist die Gefahr. Eltern sollten nicht abwarten, bis der eigene Sohn einen Rauschebart trägt und die Tochter sich in einen Tschador hüllt. Was also ist zu tun?

Wie man die Strategie der Salafisten durchkreuzt

Salafisten prägen neu angeworbenen Glaubensbrüdern und -schwestern ein: Euer Umfeld wird euch bekämpfen, da ihr als Muslime auf dem richtigen Weg seid. Alle Ungläubigen seien blind und böse, weil sie die Wahrheit nicht erkannt haben.

Ein frisch rekrutierter Salafist wird also erwarten, dass ihn seine Eltern abweisen oder beschimpfen. Experten geben Eltern den Rat, die Erwartung ihrer Kinder zu enttäuschen und sich sehr verständnisvoll zu zeigen. Der oder die Jugendliche wird irritiert sein und das kann zum Nachdenken anregen. Weitere hilfreiche Maßnahmen sind laut Experten:

  • Mit Sohn oder Tochter im Gespräch bleiben
  • Präsenz zeigen: ein starkes familiäres und soziales Umfeld ist oft eine attraktive Alternative
  • Interesse zeigen: mit wem gibt sich der Jugendliche ab, wo hält er sich auf?
  • Eine Beratungsstelle aufsuchen

Außerdem ist Geduld gefragt. Die Jugendlichen haben sich oft über einen längeren Zeitraum radikalisiert. Genauso lang dauert es, aus salafistischen Kreisen wieder herauszukommen.