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Menschen unter uns Heimat in Gefahr

Mieter gegen Investoren

Zwangsräumung der Wohnung, Abriss der Werkstatt, Verlust der Heimat – all das droht langjährigen Mieterinnen und Mietern eines Geländes in Berlin-Tegel. Es wurde mehrmals verkauft. Der aktuelle Besitzer, ein Investor aus Bayern, plant hochpreisige Eigentumswohnungen. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben eine Bürgerinitiative gegründet und wollen um ihre Heimat kämpfen: Dabei geht es nicht nur um ihre eigenen vier Wände, sondern um das 120 Jahre alte, unter Denkmalschutz stehende Gelände; um seltene Tierarten wie Zauneidechsen, die unter Artenschutz stehen und den Schutz eines kleinen Waldes.

Kaum eine Frage polarisiert so sehr wie die nach bezahlbarem Wohnraum. Die Diskussionen bewegen sich zwischen den Extremen „enteignen“ auf der einen und „bauen, bauen, bauen“ auf der anderen Seite. Die Interessen alteingesessener Mieter und von Investoren auf der anderen Seite scheinen sich unversöhnlich gegenüberzustehen.

So ist es auch im Fall von Heinz-Jürgen Korte und Regina Schönfeld. Das Gelände des „Alten Wasserwerks Tegel“ ist ihre Heimat geworden. Der 52jährige wohnt hier nicht nur, sondern bestreitet in der auf dem Gelände untergebrachten Motorradwerkstatt auch seinen Unterhalt. Das Grundstück beherbergt im angrenzenden Wäldchen, den Kleingärten und dem ehemaligen Luftschutzbunker wahrscheinlich seltene Tierarten wie Fledermäuse, Zauneidechsen oder den Girlitz. Die beiden fühlen sich hier verwurzelt, denn sie leben seit mittlerweile 8 Jahren hier. Dabei haben sie hier schon so einiges erlebt: Das Grundstück wurde mehrmals verkauft. Anfangs kämpften die beiden gegen Schimmelbefall in ihrer Wohnung. Nachdem sie die Miete zu sehr gekürzt hatten, drohte ihnen die Zwangsräumung. Nach jahrelangem Rechtsstreit kam es kürzlich zu einem Vergleich. Der neue Investor saniert nun ihre Wohnung, die beiden sind in einer Umsetzwohnung untergebracht, ihr Hab und Gut ist in einem Container verstaut. Doch zur Ruhe kommen die beiden dennoch nicht. Der Grund: Der Werkstatt von Heinz-Jürgen Korte droht der Abriss, weil der Investor auf dem Gelände ausschließlich Wohnungen plant. Dabei steht das Werkstattgebäude unter Denkmalschutz. Der 52jährige weiß, dass er in Berlin wohl nichts Vergleichbares findet. Denn gerade die Gewerbemieten sind in Berlin nicht mehr zu bezahlen, er müsste die Hauptstadt wohl verlassen. Doch er will sich nicht kampflos geschlagen geben. Im Emsland geboren, ist Karl-Heinz Korte bis heute von seinem katholischen Glauben geprägt. Er ist zwar kein Kirchgänger mehr, aber geblieben ist die Motivation, sich für Gerechtigkeit und Soziales einzusetzen. Gemeinsam mit Regina Schönfeld und anderen Mitstreiterinnen der Bürgerinitiative „Altes Wasserwerk Tegel“ kämpft er daher um seine Heimat gegen, wie er findet, die Einzelinteressen eines Investors. Er will das Gelände im Sinne des Gemeinwohls selbst kaufen und gestalten.

Der Film zeigt die Kampf-, aber auch Dialogbereitschaft von Mieterinnen und Mietern, die meinen, die Interessen der Allgemeinheit zu vertreten im Sinne von Natur-, Denkmal- und Mieterschutz. Sie verfolgen den Plan, das Gelände selbst zu kaufen. Wird es ihnen gelingen? Welche Interessen vertritt der Investor? Ist er zu einem Gespräch, gar zum Einlenken bereit?

Menschen unter uns
Heimat in Gefahr
Ein Film von Silke Meyer(rbb)
Sonntag 21.07.2019, 07:00 Uhr, SWR Fernsehen