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Bundestagswahl 2017 Meine Stimme zählt - Eingebürgerte, die zum ersten Mal wählen

Einen deutschen Pass zu haben, bedeutet auch, wählen zu dürfen. Jene, die frisch eingebürgert sind, wählen dieses Mal zum ersten Mal. Was bedeutet diese Premiere für sie?

Anna Labrinakou

Anna Labrinakou ist noch unschlüssig

Es ist das erste Mal für Anna Labrinakou: die 53-jährige hat noch nie an einer Parlamentswahl teilgenommen. Nun muss sie Farbe bekennen und sich auf eine Partei festlegen. Sie informiert sich umfangreich, über die Zeitungen, über das Fernsehen. Sie sei nervös, gesteht sie: „Ich war bis vor kurzem sicher, welche Partei ich wähle, doch jetzt weiß ich es nicht. Das verursacht eine innere Unruhe bei mir. Es ist doch sehr ernst, seine Stimme abzugeben“.

Anna Labrinakou stammt aus Griechenland. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebt hier mit Mann und zwei erwachsenen Töchtern und arbeitet beim Forum der Kulturen, einer interkulturellen Einrichtung in Stuttgart.

Mitbestimmen dort, wo man lebt

Ihren deutschen Pass hat sie erst seit ein paar Monaten. Wie viele andere griechische Migranten hätte sie  all die Jahre in Griechenland wählen können, aber das wollte sie nicht. Sie wollte nicht in einem Land mitbestimmen, in dem sie nicht lebt.  Allerdings: es fehlte immer etwas. Nämlich hier mitbestimmen zu können. Deswegen hat sie sich nach so vielen Jahren einbürgern lassen.

Entscheidend sind die Themen

Integration, Sicherheit, Bildung, das sind die Themen, die Anna Labrinakou interessieren. Außerdem: wie steht eine Partei zur Finanzkrise, welche Position bezieht sie zu Griechenland, welche zu Europa. Und ganz besonders:  wie offen sind Parteien gegenüber Migranten. Da sieht sie noch Luft nach oben:  „Ich fühle mich als Migrantin in keiner Weise von irgendeiner Partei angesprochen.“

Vielleicht würde sich das ändern, wenn immer mehr Migranten wählen gehen, hofft sie. Weil diese dann eine relevante Wählergruppe würden.

Nicht wählen? Kommt nicht in Frage

Dass jemand von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch macht – kann sich Anna Labrinakou nicht vorstellen. Und wer weiß – vielleicht ist es gerade diese eine Stimme, die die Republik verändert, sagt sie lachend: "Wenn es um eine Stimme gehen sollte – dann ist es vielleicht meine!"

Autorin: Anna Koktsidou

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