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Ausländische Berufsabschlüsse Land will Anerkennungen erleichtern

Das Land Baden- Württemberg baut sein Beratungsangebot für arbeitssuchende Migranten aus. Sozialminister Manne Lucha (Grüne) will die Hürden zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Südwesten weiter abbauen.

Mit Flüchtlingen gegen den Fachkräftemangel

Mit Flüchtlingen gegen den Fachkräftemangel

"Wir wollen, dass die Zuwanderinnen und Zuwanderer im Südwesten jene Potenziale verwirklichen können, die ihnen ihre Abschlüsse bieten", sagte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) bei einem Besuch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Stuttgart, die Zuwanderer bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse berät.

Es gebe eine große Nachfrage nach Beratungen. Das Land bietet dafür in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk "Integration durch Qualifizierung" (IQ), der Liga der freien
Wohlfahrtspflege, der unter anderem die AWO angehört, und einigen Jobcentern Sprechstunden an. Es werden aber auch Unterstützungen bei der Antragsstellung angeboten, sowie Sprachkurse vermittelt. Beratungen gibt es auch für verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen.

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Statistik

Dem Sozialministerium zufolge ließen sich im vergangenen Jahr 8.840 Menschen über die Anerkennung ihres Abschlusses beraten, das waren 1.238 mehr als im Jahr 2016. Eine Statistik darüber, wie viele Beratungen in eine Anerkennung mündeten, lag für 2017 noch nicht vor. Im Jahr davor habe es vor allem viele Anträge in Branchen gegeben, in denen in Deutschland Personalnot herrsche, so das Ministerium.

Anerkennungsverfahren

Nach Angaben des Sozialministeriums wurden 2016 insgesamt 5.275 Anerkennungsverfahren bearbeitet und 4.800 davon abgeschlossen. Die meisten Anträge gab es (rund 1.000) im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, gefolgt von Erzieher (780) und Arzt (680). Auch viele Ingenieure (475) und Lehrer (400) ließen ihre Berufsabschlüsse in Deutschland anerkennen.

Studierende Flüchtlinge

Flüchtlinge lassen sich für ein Studium beraten

Volle Anerkennung

Mehr als 70 Prozent wurden mit einer vollen Anerkennung beschieden, 15 Prozent mit der Auflage einer Ausgleichsmaßnahme. Fünf Prozent wurden als teilweise gleichwertig anerkannt, acht Prozent der Anträge wurden abgelehnt.

Wo tauchen Probleme auf?

Meistens würden für ein Anerkennungsverfahren, die nötigen Dokumente fehlen, so AWO. Dabei handele es sich um Dokumente, die schwer zu bekommen seien. Außerdem dauere die Anerkennung noch immer zu lange, kritisierte der Geschäftsführer der AWO-Baden-Württemberg, Reinhold Schimkowski. Das Sozialministerium plant weitere Stellen für die Prüfung der Anträge.

Arbeitsagentur

Arbeitsagentur

Verschwendung von Potential

Kritik an der Erfassungspraxis von Berufsabschlüssen insbesondere bei Geflüchteten, übte Christian Rauch, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg. Etwa 80 bis 90 Prozent von Flüchtlingen würden als geringqualifiziert "abgestempelt", weil sie weder ein abgeschlossenes Studium noch eine duale Ausbildung vorweisen könnten. Das langwierige Verfahren der Anerkennung schrecke außerdem viele Migranten ab. Statt das wichtige Anerkennungsverfahren zu durchlaufen, würden sie Jobs annehmen, für die sie überqualifiziert seien, um schneller Geld verdienen zu können. Das sei eine Verschwendung von Potenzial, so Christian Rauch, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Baden-Württemberg.