Bitte warten...

Islam Kopftuchverbot für Schulkinder?

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU) hat die Prüfung eines Kopftuchverbots für Kinder an Schulen gefordert. Das vom österreichischen Parlament beschlossene Kopftuchverbot für Grundschulkinder ruft in Deutschland geteilte Reaktionen hervor.

Eine Schülerin mit Kopftuch

Diskussion um Kopftuch in der Grundschule (Symbolbild)

"Dass kleine Mädchen Kopftuch tragen ist absurd - das sehen auch die meisten Muslime so", sagte Widmann-Mauz der "Bild"-Zeitung. "Alle Maßnahmen, die Mädchen davor schützen, vom Elterngespräch bis zum Verbot, sollten geprüft und angegangen werden."

Zuspruch von Eisenmann

Ministerin Dr. Susanne Eisenmann

Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat die Forderung nach einem Kopftuchverbot an Grundschulen begrüßt. "Ich halte es für äußerst bedenklich, wenn junge Mädchen ein Kopftuch in der Grundschule oder gar in der Kita tragen. Deshalb halte ich ein Verbot zumindest bis zur Religionsmündigkeit für sinnvoll", sagte die CDU-Politikerin.

Verbot rechtlich schwierig

"In der Praxis wäre ein solches Verbot aufgrund der Schulpflicht allerdings rechtlich schwer durchsetzbar, da wir die Kinder ja nicht einfach vom Unterricht ausschließen können." Wichtiger sei es deshalb, dass die Schulen in solchen Fällen das Gespräch und den Konsens mit den Eltern suchten. Dem Ministeriums sei bislang kein Trend bekannt, dass junge Mädchen immer häufiger bereits im Kindergarten oder in der Grundschule ein Kopftuch tragen.

Verbotsdebatte überflüssig

Manne Lucha, Sozial- und Integrationsminister Baden-Württemberg

Manfred Lucha, Sozial- und Integrationsminister Baden-Württemberg

"Ich halte nichts von solchen Verbotsdiskussionen", erklärte der baden-württembergische Sozialminister, Manne Lucha.(Grüne). "Wir sollten uns in dieser Debatte jetzt nicht von der rechts-außen Regierung Österreichs treiben lassen", so Lucha in einer Mitteilung. Die wirklich wichtigen Fragen der Integration seien Zugang zu Sprache, Arbeit und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Landesregierung kümmere sich darum. "Das Problem von Kopftuch tragenden Mädchen in Kindergärten oder Grundschulen stellt sich in Baden-Württemberg derzeit überhaupt nicht, insofern halte ich die Verbotsdebatte zum heutigen Tag für überflüssig", so Lucha.

Bedenken

Es gibt aber auch Bedenken. "Das pauschale Verbot eines Kopftuches, wie wie in Österreich, benachteiligt auch die Mädchen, die sich freiwillig für das Tragen eines Kopftuches als Zeichen ihrer Religion entschieden haben“, sagte Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er verwies auf "das im Grundgesetz verankerte Recht, seine Religion frei ausüben zu können".

Verbot - das letzte Mittel

Prof. Dr. Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte

Beate Rudolf, Direktorin des Instituts für Menschenrechte

Das Deutsche Institut für Menschenrechte etwa lehnt ein generelles Kopftuchverbot ab. "Schulen müssen Orte der religiösen Toleranz sein", sagte dessen Direktorin Beate Rudolf. Zwar gebe es Einzelfälle, in denen Mädchen das Kopftuch unter Zwang der Eltern, des Umfelds oder auf Druck anderer Schülerinnen und Schüler tragen, doch das sei kein Grund für ein generelles Verbot. "Ein Verbot im Einzelfall muss das letzte Mittel sein, vorher müssen alle pädagogischen Mittel ausgeschöpft sein", sagte Rudolf.

Eltern erreichen

Für die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor ist ein Verbot der falsche Weg. Damit polarisiere man nur und zwinge die Kinder zu einer Entscheidung zwischen Elternhaus und Schule, sagte die Wissenschaftlerin im Deutschlandfunk. Besser wäre es, die Eltern mit pädagogischen Mitteln zu erreichen und zum Beispiel Moscheevereine einzuladen, die gegen Kopftücher für junge Mädchen argumentierten, so Kaddor.

Religionsfreiheit

Symbole der Weltreligionen

Religionen (Symbolbild)

Die evangelische Kirche verteidigt das Recht auf Religionsfreiheit. Der Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hans Michael Heinig, sprach sich ebenfalls gegen ein Verbot aus. "Ich halte ein pauschales Verbot religiöser Bekleidung bei Minderjährigen für offensichtlich verfassungswidrig", sagte er. Ein Eingriff in die Religionsfreiheit sei nur durch höherrangige Verfassungsgüter zu rechtfertigen. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag werde durch ein Kopftuch aber nicht gefährdet.