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Idlib UNO warnt vor humanitärem Albtraum

Die UNO bereitet sich auf bis zu 900.000 Flüchtlinge vor, sollte es zu einer Großoffensive der syrischen Regierungstruppen auf Idlib kommen. In der letzten Bastion der Rebellen leben rund drei Millionen Menschen.

"Wir sind in keiner Weise bereit für das Worst-Case-Szenario", warnte der UN-Hilfskoordinator für Syrien, Panos Moumtzis, in Genf. Sollten drei Millionen Menschen in Richtung der türkischen Grenze streben, würde dies die Hilfsorganisationen überfordern.

Humanitärer Albtraum

Die Hilfsorganisationen der UN und ihre Partner arbeiteten unter Hochdruck, um effektive humanitäre Hilfe leisten zu können, sagte Moumtzis. Die Helfer bereiteten sich auch auf mögliche Einsätze von Chemiewaffen vor. Seit Tagen warnen hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen vor den fatalen Folgen einer Schlacht um Idlib. UN-Generalsekretär António Guterres betonte, eine Bodenoffensive des Assad-Regimes auf Idlib hätte ein Blutbad und ein humanitären Albtraum zur Folge. Eine politische Lösung müsse noch erreicht werden.

Diplomatische Bemühungen

Heiko Maas und Peter Maurer bei einer Pressekonferenz

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer (l.) und Bundesaußenminister Heiko Maas in Berlin

Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) hat seine Sorge vor einer blutigen Eskalation in Idlib bekräftigt. Derzeit würden diplomatische Gespräche geführt und alles getan, um zu verhindern, dass es zu einem humanitären Desaster im syrischen Idlib komme, sagte er nach einem Gespräch mit dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, in Berlin. Maas sagte, Deutschland habe dem IKRK 150 Millionen Euro zugesagt, die auch für die Hilfe im Syrien-Konflikt eingesetzt werde.

Terroristen bestrafen

Außenminister Heiko Maas will sich bei einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Berlin dafür einsetzen, dass eine Großoffensive gegen die letzte syrische Rebellenhochburg Idlib ausbleibt. "Was die islamistischen Terroristen angeht, die es dort gibt: Auch da muss es Möglichkeiten geben, diejenigen, die durch unfassbare Gräuel in den letzten Jahren auch in Syrien und darüber hinaus aufgefallen sind, zu verfolgen und sie auch zu bestrafen." Dies rechtfertigte jedoch nicht, das Leben von drei Millionen Menschen zu gefährden, so Maas.

Die syrische Armee hat Truppen zusammengezogen und bereitet einen Angriff auf die Provinz im Nordwesten des Landes vor, in dem sich neben Zehntausenden Bewaffneten, darunter vielen Extremisten, auch fast drei Millionen Zivilisten befinden. Idlib ist das letzte große Gebiet des Bürgerkriegslandes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Dominiert werden diese von dem Al-Kaida-Ableger Haiat Tahrir al-Scham, der früheren Al-Nusra-Front.

Katastrophale Bilanz

Nach UN-Angaben befinden sich innerhalb Syriens mehr als 6,5 Millionen Menschen auf der Flucht, außerhalb des Landes hätten sich mehr als 5,5 Millionen Syrer in Sicherheit gebracht. Seit Beginn des Syrien-Konflikts 2011 wurden Hunderttausende Menschen getötet.