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Holocaust – Gedenken Wider das Vergessen und Verdrängen

"Neue Formen der Erinnerung an den Holocaust", das fordert der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet. Dieser Teil deutscher Geschichte müsse jeder Generation neu vermittelt
werden, so der CDU-Politiker.

Holocaust-Mahnmal in Berlin

Holocaust Mahnmal in Berlin

Überall wird dieser Tage des Holocaust gedacht. Denn am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz-Birkenau befreit. Dort starben zwischen 1940 und 1945 mindestens 1,1 Millionen Juden. Die Feierstunde im Deutschen Bundestag findet am kommenden Donnerstag statt. Keinen Platz für Hass jeder Art in Europa", forderte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani Mitte vergangene Woche in Brüssel. EU-Abgeordnete und Vertreter jüdischer Organisationen erinnerten gemeinsam an den Holocaust. Zugleich räumte Tajani ein: "Dennoch ist Antisemitismus immer noch ein Problem".

Fehlendes Wissen über jüdisches Leben

Rund 68 Prozent der Befragten in der EU geben zu, sie hätten kein Wissen über jüdische Geschichte und Bräuche wie die großen jüdischen Feste. Nur drei Prozent sagten, sie seien darüber "sehr gut" informiert. Rund 40 Prozent der Befragten denken, dass der Holocaust in der Schule behandelt wird. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet fordert neue Formen der Erinnerung an den Holocaust. Laschet gab zu bedenken: «Die junge Generation heute hat vielfach das Gefühl, dass sie damit gar nichts mehr zu tun hat.» Ihr müsse es anders erklärt werden. Mit Besuchen und Diskussionen sei das möglich. «Und durch Zeitzeugen, die es aber irgendwann nicht mehr geben wird», so der Ministerpräsident. Trotzdem müsse es gelingen, die Erinnerung wachzuhalten. Das sei die Aufgabe für die politische Bildung sowie den Geschichtsunterricht an Schulen.

Jüdisches Leben stärker in den Blick nehmen

Viele Menschen auf einem Platz

Chanukka (oder Lichterfest) in Heilbronn

Der Beauftragte gegen Antisemitismus der Bundesregierung, Felix Klein, sprach im SWR von einem «immerwährenden Auftrag für unser Land», sich immer wieder vor Augen zu führen, «welche furchtbaren Auswüchse diese extreme Form von Antisemitismus in Deutschland» zur Folge hatte. Die besondere Verantwortung heute liege im Umgang mit dieser Geschichte. Das sei «wie mit einer Erbschaft».

Dazu gehört für Klein, im Schulunterricht «Formen des Erinnerns» zu finden, «die junge Leute und auch solche mit Migrationshintergrund ansprechen». Das könnten bestimmte Schicksale im eigenen Lebensumfeld wie Schule oder Betrieb sein. Oder Menschen hätten damals auch Juden geholfen, zu überleben. Zugleich sprach sich der Beauftragte gegen Antisemitismus dafür aus: "Wir müssen viel stärker in der Öffentlichkeit, aber auch im Schulunterricht darauf hinwirken, dass die starken kulturellen Beiträge, die Juden zur deutschen Geschichte gemacht haben, wieder in den Vordergrund gerückt werden und auch das jüdische Leben nach 1945 wieder stärker in den Blick nehmen."

9:01 min

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Holocaust-Gedenktag

Gespräch mit dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung Felix Klein

Fichtner, Nela

Bedrohungspotential

Als Hauptakteure des Antisemitismus sehen Wissenschaftler rechte und linke Extremisten sowie Islamisten. Mit Äußerungen von rechtspopulistischen Parteien habe sich der öffentliche Diskurs nach rechts verschoben.

Das höchste Bedrohungspotenzial sieht der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, auf der rechten politischen Seite. Eine wachsende Judenfeindlichkeit nimmt er zum Teil bei türkischstämmigen Einwanderern in Berlin wahr. Als Grund sieht Schuster die Veränderungen in der Türkei.

0:56 min

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Begegnungen zwischen Muslimen und Juden

Muslimische Studierende besuchen Synagoge in Stuttgart

Susanne Babila


Länderbeauftrage gegen Antisemitismus  

Dieter Burgard

Dieter Burgard, Antisemitismusbeauftragter Rheinland-Pfalz

Als Konsequenz aus dieser Entwicklung hat die Bundesregierung das Amt eines Antisemitismusbeauftragten eingeführt. Seit dem 1. Mai 2018 ist Felix Klein „Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus“. Als erster Antisemitismusbeauftragter eines Bundeslandes nahm Dieter Burgard seine Arbeit in Rheinland-Pfalz auf. Auch Baden-Württemberg reagierte und ernannte den Religionswissenschaftler Michael Blume zum neuen Antisemitismusbeauftragten.

Michael Blume

Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter von Baden-Württemberg

"Der Antisemitismusbeauftragte ist Ansprechpartner für die Belange jüdischer Gruppen, aber auch für den Landtag, für Kommunen, Kirchen- und Moscheegemeinden sowie Bildungseinrichtungen. Ein Teil seiner Aufgabe ist es, die Gesellschaft für aktuelle und historische Formen des Antisemitismus zu sensibilisieren“, heißt es auf seiner Homepage.

Buchtipp

Als Beauftragter gegen Antisemitismus kennt sich Blume nicht nur mit dem Judentum aus. Als Religionswissenschaftler stehen bei ihm auch der Islam und das Christentum im Focus. Blume setzt stets auf interreligiösen Dialog. Seine Ehefrau ist eine Muslimin. Ganz nebenbei erzählt Michael Blume zusammen mit seiner Frau Zehra im neuen Buch von Andreas Malessa über sein politisches wie persönliches Leben. Michael Blume war u.a. für die Aufnahme von rund 1.100 jesidischen Frauen und Kindern, die der IS im Nordirak bedrohte, in Baden-Württemberg verantwortlich. Unter ihnen war auch die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad.

Eine Blume für Zehra

Andreas Malessa

Eine Blume für Zehra. Liebe bis zu den Pforten der Hölle

Verlag:
Droemer Knaur
Länge:
224 Seiten
Veröffentlichung:
01.02.2019
Preis:
18,00 €
Bestellnummer:
978-3-96340-037-7