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Zehn Jahre Yasemin Hilfe bei Zwangsheirat und Gewalt in der Familie

Immer wieder sind junge Migrantinnen von Gewalt und Zwangsheirat bedroht. Hilfe bietet in Baden-Württemberg die Beratungsstelle „Yasemin“ – und das seit zehn Jahren.

Frau schaut aus dem Fenster

Suche nach Schutz: anonyme Unterbringung ist oft nötig.

„Yasemin“ ist die einzige mobile Beratungsstelle in Baden-Württemberg für junge Migrantinnen, die Konflikte im Umfeld der Familie haben und teilweise von Zwangsheirat bedroht sind. Mobil heißt: die Beraterinnen gehen auch in Einrichtungen und Schulen, treffen sich mit Betroffenen auch an geheimen Orten. So war es auch bei Malike (Name verändert). Sie ist  ist eine der jungen Frauen, die von Yasemin beraten werden.

Malike lebt anonym in Deutschland. Zu ihrer Sicherheit. Denn seit die heute zwanzigjährige denken kann, sind ihr Vater und ihre Brüder gewalttätig. Im Namen der Ehre. Doch als ihr Vater mit Zwangsverheiratung drohte,  ist sie geflüchtet: „Da habe ich gemerkt: es wird ernst, das kann ich nicht ertragen“, erzählt sie.

Schutz der jungen Frauen wichtig

Wie Malike melden sich jedes Jahr rund 60 bis 70 junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren, die von Zwangsheirat betroffen sind,  bei der Beratungsstelle Yasemin. Sie kommen meist aus islamischen Ländern, wie der Türkei, aus Afghanistan, Ägypten oder Pakistan. Aber auch aus Süditalien oder Griechenland. Doch die Dunkelziffer sei weitaus höher, sagt Bereichsleiterin Aischa Kartal. Auch ihr Name wurde geändert, zum Schutz der Mädchen:  Denn wenn ein Mädchen fliehe, werde alles versucht, um es wieder zu finden: „ Auch über soziale Medien wird gesucht, Bilder auf Facebook gepostet. Das heißt: der sichere Ort muss auch ein sicherer Ort sein“.

Eheringe

Nicht immer ist die Ehe freiwillig.

Bewusstsein für Unrecht gewachsen

Denn sollten die geflüchteten Mädchen von der Familie aufgespürt werden, droht ihnen brutale Gewalt, Entführung in die alte Heimat, oder im schlimmsten Fall sogar ermordet zu werden. Trotz intensiver Aufklärung und Information sei leider die Zahl der Betroffenen nicht geringer geworden, sagt die couragierte Sozialarbeiterin. Aber sie hätten trotzdem in den letzten zehn Jahren viel erreicht: „Das Gute ist: das Bewusstsein ist gewachsen, wir müssen nicht mehr überzeugen, dass es sich um eine Menschenrechtsverletzung handelt. Es ist auch eine große Errungenschaft, dass es ein Thema im Jugendhilfegesetz ist.“

Prävention nötig

Trotzdem: man müsste mehr Präventionsarbeit leisten, so Kartal. Auch in akuten Notfällen biete das Land Baden-Württemberg keine Möglichkeiten, die betroffenen jungen Frauen und Mädchen in anonymen und geschützten Wohnungen kurzfristig unterzubringen. Monika Memmel, Abteilungsleiterin der Dienste für Kinder und Jugendliche der Evangelischen Gesellschaft beklagt: nötig wäre außerdem eine Beratung für betroffene junge Männer. Und trotz der guten Arbeit ist die Beratungsstelle Yasemin bis heute nicht regelfinanziert. Für die Mitarbeiterinnen ist das eine zusätzliche Belastung.

Flucht vor Zwangsheirat

Viele Frauen müssen sich verstecken

Hintergrund

Pro Jahr wenden sich nach eigenen Angaben 180 bis 200 Frauen im Alter von 12 bis 27 Jahre wegen Gewalt an die Beratungsstelle Yasemin. Etwa 60 bis 70 geben an, dass ihnen Zwangsverheiratung droht.

Insgesamt konnten in den letzten Jahren über 2.600 Personen beraten und unterstützt werden. Ähnlich viele Schüler wurden bei Präventionsveranstaltungen erreicht. Rund 4.000 Fachkräfte wie Lehrkräfte und Behördenmitarbeitende wurden zudem bei Informationsveranstaltungen für das Thema sensibilisiert.

Die 1,6 Vollzeitstellen an der Beratungsstelle teilen sich zwei Sozialpädagoginnen, die Migrantinnen, vereinzelt auch Paare und junge Männer, unterstützen.

Yasemin ist ein Angebot der Evangelischen Gesellschaft (eva). Es wird seit 2012 vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg mit rund 130 000 Euro im Jahr gefördert.

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