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SWR Fernsehen Goodbye Ländle… Wie geht eigentlich Auswandern?

oder: Das Glück gibt’s auch anderswo!

Mit der Sendereihe "Goodbye Ländle" von Martin Klein und Gabriele Damasko hat das SWR-Fernsehen Menschen aus Baden-Württemberg porträtiert, die es gewagt haben, ihre alte Heimat zu verlassen: ein Ulmer Biobäcker in Lima, ein Backnanger Duftdesigner in New York, badische Rinderfarmer in Namibia und zwei Schriesheimer Edel-Gastronomen in Südafrika.

SWR Fernsehen "Goodbye Ländle"

Die Fernsehserie "Goodbye Ländle" porträtiert Auswanderer aus Baden-Württemberg

Wem ging nicht schon einmal durch den Kopf, wie das wohl wäre, wenn man einfach in ein fernes Land auswandern würde? Ganz weit weg, dorthin, wo alles anders ist - viel besser und viel schöner. In einer neuen Serie stellt der SWR Menschen aus Baden-Württemberg vor, die den Entschluss gefasst haben, es zu tun - auswandern aus dem Ländle. Mit ihrem ganzen Knowhow, ihren Träumen und Sehnsüchten von einem anderen Leben, haben sie einen großen Schritt gewagt und sich auf einen Neuanfang eingelassen. Wie geht es dem Biobäcker in Lima, dem Duftdesigner in New York, den Rinderfarmern in Namibia oder dem Sternekoch und seiner Frau in Südafrika? Alle vier waren mutig, neugierig, abenteuerlustig und haben tatsächlich die neue Heimat in der Fremde gefunden. Das SWR-Fernsehen schaut mit ihnen zurück und nach vorn.

Ein Duftdesigner in New York - Von Backnang nach Manhattan

Ulrich Lang, Duftdesigner aus Schwaben, zog von Backnang nach New York

Ulrich Lang, Duftdesigner aus Schwaben, zog von Backnang nach Manhattan

Seine Kreationen heißen "Anvers" oder "Nightscape" und sind Parfüms, die es zu Weltruhm gebracht haben. Geschaffen hat sie Ulrich Lang, Duftdesigner aus Schwaben. Schon als kleiner Junge sog der Backnanger im Friseurladen seiner Oma buchstäblich jeden Geruch in sich auf. Heute ist der 45-Jährige ganz oben angekommen, lebt und arbeitet in New York. Dort hat er sich mit seinen Parfüms in die Championsleague der amerikanischen Edel-Duft-Produzenten hochgearbeitet. Aber auch in Europa sind seine Düfte begehrt. Trotz seiner großen Liebe zu New York und seiner internationalen Karriere, hat Lang seine Backnanger Heimat nicht vergessen. "Je älter ich werde, desto wichtiger werden mir die eigenen Wurzeln", sagt er. "Meine alte Heimat wächst mir jedes Jahr mehr als Herz." Der Kosmopolit kommt deshalb regelmäßig nach Backnang zurück, besucht Eltern und Freunde. Sein Lebensmittelpunkt aber bleibt der Big Apple.


Ein Sterne-Restaurant wandert aus - Von Schriesheim nach Südafrika

Auswandern: von Schriesheim nach Südafrika

Susanne und Jürgen Schneider sind mit ihrem Gourmetrestaurant nach Südafrika umgezogen

"Warum haben wir das nicht schon viel früher gemacht?" fragen sich Susanne und Jürgen Schneider, als sie in Südafrika auf Ihrer Baustelle stehen. Dreizehn Jahre haben der Gourmetkoch und die Weinakademikerin den "Strahlenberger Hof" in Schriesheim geführt - die kulinarische Adresse in der Rhein-Neckar-Region. Zum Jahreswechsel 2012/2013 wird in Schriesheim zum letzten Mal gekocht und ein riesiges Abschiedsfest für die Freunde gefeiert. Der Sternekoch und die Restaurantchefin des "Strahlenberger Hofs" packen Kücheneinrichtung, Gläser, Besteck, Tischwäsche und jede Menge Ideen ein und wagen den Sprung an die Süd-Spitze Afrikas. Damit sind sie das erste Sternerestaurant, das den Kontinent wechselt. Ihre neue Heimat liegt an der Südwestküste Südafrikas, etwa zwei Autostunden von Kapstadt entfernt. Hier wollen die beiden einheimische Feinschmecker überraschen, hier wollen sie nochmal Gas geben. Seit drei Monaten sind die Schneiders jetzt auf ihrer Farm "Springfontein". Das Restaurant, ein 200 Jahre altes Farmhaus, wird gerade umgebaut. Jeder Tag ist für die Beiden immer wieder ein großes Abenteuer. Gekocht hat Jürgen Schneider seit Silvester nicht mehr. Bis zur Restaurant-Eröffnung ist er Bauarbeiter und Farmer. Der Plan: Ab Oktober sollen auf "Springfontein", wo auch hervorragende Weine gemacht werden, wieder Gäste mit regionalen Produkten verwöhnt werden.

Ein Biobäcker in Peru - Von Ulm nach Lima

2008 wanderte der Ulmer Bäcker Nobert Bloch nach Peru aus - genauer gesagt in die Hauptstadt des Landes: nach Lima. Dort gründete er eine deutsche Bäckerei und hatte Glück. Denn die Menschen in Lima rissen ihm Schneckennudeln und Brezeln förmlich aus der Hand. "Wir waren damals die erste Bio-Bäckerei in Peru", sagt Bloch heute stolz. "Das war offensichtlich eine Marktlücke und meine Chance." Sein Geschäft läuft bis heute super. Als er noch in Ulm lebte, lief Blochs Leben gar nicht rund. Da war er Backstubenleiter in einer großen Ulmer Biobäckerei und immer im Stress. Dazu kamen Probleme in der Ehe. Irgendwann wurde es zu viel. Bloch brach zusammen - Diagnose: Burn Out. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte er nur noch ein Ziel: "Bloß weg von hier!". Er kaufte sich ein One-Way-Ticket nach Lima, kroch erst einmal bei Freunden unter und gründete die Bio-Bäckerei. Von da an ging es bergauf. Und heute? "Ich fühle mich hier ausgesprochen wohl", sagt der 52-Jährige, der mittlerweile mit einer Peruanerin verheiratet ist und zwei Kinder hat. "Deutschland vermisse ich selten." Trotzdem kehrte Bloch vor kurzem für ein paar Wochen in seine alte Heimat im Allgäu zurück.

Rinderfarmer in Afrika - Von Südbaden nach Namibia

Mit Ende 40 wagten Angelika und Eugen Gehr noch einmal den ganz großen Schritt. Sie gaben ihr gut gehendes Hotel und Restaurant in Südbaden auf und wanderten nach Namibia aus. In das afrikanische Land waren sie viele Jahre immer wieder in Urlaub gefahren. Immer kamen sie begeistert zurück und dachten: dort könnten wir auch leben. Vor 13 Jahren fassten sie dann den Entschluss und wanderten aus. Heute besitzt das Paar eine große Rinderfarm nördlich von Windhoek. Nebenher brennen die Gehrs noch Schnaps und verkaufen ihn erfolgreich in ganz Namibia. Dabei ist das Ehepaar äußerst kreativ und erfolgreich. Selbst aus Kaktusfeigen und Zitronen fabrizieren sie mittlerweile ihren Klaren und verkaufen ihn an Hotels und Lodges im Land. Das Fleisch, das sie produzieren, wird sogar als Bio-Fleisch nach Europa exportiert. "In Namibia haben wir unser Glück gemacht", sagen die Gehrs heute. "Nach Südbaden kommen wir eigentlich nur noch jedes Jahr Weihnachten, um Familie und Bekannte zu treffen".

Die Sendetermine von "Goodbye Ländle":

Dienstag, 23.7.2013: Ein Duftdesigner in New York - von Backnang nach Manhattan
Mittwoch, 24.7.2013: Ein Sternerestaurant wandert aus - von Schriesheim nach Südafrika
Donnerstag, 25.7.2013: Ein Biobäcker in Peru - von Ulm nach Lima
Freitag, 26.7.2013: Rinderfarmer in Afrika - von Südbaden nach Namibia

Jeweils von 18.15 bis 18.45 Uhr im SWR Fernsehen Baden-Württemberg

Am Vortag in der Landesschau Baden-Württemberg:

Jede der Geschichten wird am Vortag der Ausstrahlung als Kurzportrait in der Landesschau Baden-Württemberg gezeigt: Zum Auftakt der Reihe, am Montag, 22. Juli, ist der Duftdesigner Ulrich Lang Gast in der Landesschau. Im "Zoom" fragen wir: "Auswandern - wie geht das?" Landesschau Baden-Württemberg, Montag bis Freitag, 18.45 bis 19.45 Uhr.