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Studie Forscher: Ankerzentren verschärfen Probleme

Ankerzentren: sie gehören zu den Hauptpunkten des "Masterplans Migration" von Bundesinnenminister Seehofer. Experten hingegen warnen vor Großunterkünften.

Ankunft, Asylentscheidung bis hin zur Abschiebung: In den sogenannten Anker-Zentren soll künftig alles zusammenlaufen. Doch wird das auch funktionieren? Der Mediendienst Integration hat eine Kurzstudie bei mehreren Wissenschaftlern in Auftrag gegeben.

Probleme werden schlimmer

Das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen. "Anker-Zentren werden die Probleme verschärfen, die derzeit bereits in Sammelunterkünften zu beobachten sind. Zudem werden die Folgen weit über die Zentren hinaus spürbar sein: In ihrer näheren Umgebung, aber auch gesamtgesellschaftlich können sie enorme Konflikte hervorrufen."

Konkret bezweifeln die Wissenschaftler, dass in den Ankerzentren die Verfahren beschleunigt würden. "Dies würde nur geschehen, wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehr Personal einsetzen würde und wenn es qualitative Verbesserungen im Verfahren gäbe" , heißt es in der Studie.

Vorurteile werden verstärkt

Zudem befürchten sie, dass die lokale Bevölkerung gegenüber Migranten und geflüchteten Menschen negativ beeinflusst werde. So lieferten Anker-Zentren einen "Nährboden für Vorurteile". Da Flüchtlinge in den Ankerzentren kaum Zugang zu Integrations- und Sprachangeboten hätten und nicht arbeiten dürften, müsse die Integration im Anschluss "nachgeholt" werden, beklagen die Wissenschaftler. Forschungen zeigten zudem, dass die Unterbringung in Sammelunterkünften zu hohen Belastungen führen könne. Denn Asylbewerber fänden dort wenig Rückzugsräume und müssten mitunter lange auf die Entscheidung über den Asylantrag warten.

Heidelberg: positives Beispiel

Die Forscher verweisen darauf, dass in den vergangenen Jahren erfolgreiche Konzepte der Unterbringung in Wohnungen entwickelt worden seien. Solche Möglichkeiten erleichterten den Kontakt zur lokalen Gesellschaft und ermöglichten eine selbstbestimmtere Lebensführung. Als eines dieser Beispiele wurde bei der Vorstellung der Studie das "Ankunftszentrums Patrick-Henry-Village" in Heidelberg genannt.

Weiterhin plädieren die Forscher dafür, die Asylverfahren an die Bundesländer abzugeben. Denn dezentrale Strukturen hätten sich in der Vergangenheit bewährt.

Beteiligt an der Studie waren die Göttinger Migrationsforscherin Sabine Hess sowie die Wissenschaftler Andreas Pott, Hannes Schammann, Albert Scherr und Werner Schiffauer.

"Anker" steht für "Ankunft, Entscheidung, kommunale Verteilung bzw. Rückführung". Ziel ist es, alle relevanten Behörden unter einem Dach zu bündeln, um Asylverfahren zu beschleunigen und abgelehnte Asylbewerber von dort aus direkt rückführen oder abschieben zu können. Erste Einrichtungen wurden Anfang August in Bayern eröffnet.

Geplant ist die Unterbringung von bis zu 1 500 Personen je Zentrum. Erwachsene alleinstehende Asylbewerber sollen bis zu 18, Familien bis zu 6 Monate in den Zentren bleiben, um sicherzustellen, dass beim Verlassen ihr Asylverfahren beendet ist.

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