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Ramadan 2019 Fastenzeit für Muslime

Der Fastenmonat Ramadan hat begonnen. In den kommenden vier Wochen werden viele Muslime zwischen der Morgen- und Abenddämmerung weder essen noch trinken.

In Deutschland leben schätzungsweise fünf Millionen Muslime. Viele fasten im Ramadan. Das bedeutet zu dieser Jahreszeit, Muslime müssen mehr als 17 Stunden ohne Essen und Trinken aushalten - eine Herausforderung. Der Körper braucht einige Tage, bis er sich auf diese Belastung eingestellt hat.

Fasten als Glaubenspflicht

Freitagsgebet in der Sultan Selim Moschee Mannheim zu Beginn des Ramadan

Die Moscheen sind im Monat Ramadan besonders gut besucht

Das Fasten gehört neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, den Almosen und der Pilgereise nach Mekka zu den fünf Säulen des Islam. Der Ramadan steht dabei nicht nur für Verzicht, Selbstbeherrschung und Geduld sondern auch für Dankbarkeit. Dankbarkeit, für das, was man hat und Hilfe für denjenigen Menschen, denen es schlecht geht, die Hunger und Durst leiden.

Zeit der Geselligkeit

Zum Ramadan gehört die Besinnlichkeit, das Gebet und der freundliche und gesellige Umgang mit den Mitmenschen. Streit und böse Gedanken soll man im Ramadan tunlichst meiden. Generell ist der Ramadan eine Zeit für die Familie. Die Menschen versammeln sich bei Sonnenuntergang mit Verwandten, Nachbarn und Freunden zum gemeinsamen Fastenbrechen. Das gesellschaftliche Leben verlagert sich in den Abend hinein.

Fastenbrechen nach Sonnenuntergang

Ramadan - vor dem Fastenbrechen

Ramadan - vor dem Fastenbrechen

Abends werden die Tische oft festlich gedeckt. Man lässt es beim Fastenbrechen aber meist langsam angehen. Viele essen erst einmal eine Dattel und trinken ein Glas Wasser. Beliebt sind auch warme Suppen. Danach sollten andere Speisen langsam gegessen werden. Manche Muslime hoffen im Ramadan auch auf einen Diäteffekt. Es gibt aber auch Muslime, die in dieser Zeit eher zunehmen.

Nur Gesunde dürfen Fasten

In vielen muslimischen Ländern werden im Ramadan die täglichen Arbeitszeiten heruntergeschraubt und die Öffnungszeiten von Ämtern und Behörden verkürzt. Generell gilt: Im Ramadan dürfen nur gesunde Muslime fasten. Kinder, schwangere und stillende Frauen, Reisende, Kranke sowie schwer körperlich arbeitende Menschen sind vom Fastengebot ausgenommen.

Kinderschutzbund

Der Kinderschutzbund (DKSB) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) haben zu Beginn des Ramadan auf mögliche Folgen des Fastens für Kinder und Jugendliche hingewiesen. Familien sollten in ihrem Wunsch unterstützt werden, ihre Religion auszuüben, Risiken für die Gesundheit von Kindern müssten aber im Blick behalten werden. Zu diesem Zweck hat der Kinderschutzbund eine Handreichung mit Empfehlungen für Lehrer, Ärzte und andere Fachkräfte entwickelt.

Zum Eingreifen verpflichtet

Der Kinderschutzbund verwies darauf, dass Schulen und Sportvereine zum Eingreifen verpflichtet seien, wenn sie gesundheitliche Einschränkungen erkennen. In solchen Fällen sei es sinnvoll, dass Eltern und Kinder gemeinsam nach einer Lösung suchten - dass die Kinder etwa nur stundenweise fasten oder nur am Wochenende.

Bischof July wirbt für Toleranz und Respekt

Zum gemeinsamen Eintreten für Respekt und Toleranz hat der evangelische Landesbischof von Württemberg Frank Otfried July Muslime und Christen aufgerufen. In einem in Stuttgart veröffentlichten Gruß an Vertreter muslimischer Verbände und Vereine zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan schreibt July: "Es ist notwendig, dass wir aggressiven Ideologien auch in unserem Land entgegentreten. Hass, Abwertung, gar Terror gegen andere Menschen dürfen keinen Raum haben."

Christchurch, Sri Lanka, Poway

Der Bischof erinnert an die jüngsten Terrorakte gegen Gläubige und ihre Gotteshäuser: an den Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch (Neuseeland), die Anschläge auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag in Sri Lanka sowie an den Angriff auf eine Synagoge in Poway (USA). Christen wie Muslime wüssten, dass sie eine Verantwortung vor Gott, den Menschen und der Schöpfung haben. Das verbinde sie. "Gemeinsam wollen wir für den Frieden und die Achtung eines jeden Menschen eintreten", betont July.

Der Fastenmonat Ramadan startet in diesem Jahr am 6. Mai und endet vier Wochen später am 4. Juni mit dem Ramadan-Fest. Der Ramadan "wandert" gegen den Uhrzeigersinn durch das Jahr. Im kommenden Jahr wird er elf Tage früher sein als in diesem Jahr. Das liegt daran, dass sich der islamische Kalender nach dem Lauf des Mondes richtet und elf Tage kürzer ist als der Sonnenkalender. Der Fastenmonat Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders. Er ist für Muslime heilig, weil in ihm dem Propheten Mohammad erstmals Teile des Korans offenbart worden sein soll. Der Ramadan beginnt, wenn nach Neumond die erste, ganz schmale Sichel am Himmel zu erkennen ist. Diese Sichel ist auch das Zeichen für den Beginn des Ramadan-Festes am Ende der Fastenzeit. In der Türkei wird das Fest "Zuckerfest" genannt.