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Islamischer Religionsunterricht Eine Stiftung statt Modellprojekt?

Wie soll der islamische Religionsunterricht in Baden-Württemberg aussehen? Die Landesregierung organsiert ihn neu über eine Stiftung. Nicht alle Verbände wollen mitmachen.

In Deutschland wird Religionsunterricht eigentlich von den Religionsgemeinschaften und nicht vom Staat erteilt. Damit der Islamische Religionsunterricht zum Regelunterricht werden kann, braucht der Staat einen verbindlichen Ansprechpartner, der als Träger des Unterrichts unter staatlicher Aufsicht fungiert. Die baden-württembergische Landesregierung will deswegen eine Stiftung des öffentlichen Rechts als Schulrat einrichten. In den Verbänden sieht sie keinen einheitlichen Ansprechpartner.

Angedacht ist, dass die Stiftung mindestens fünf Schuljahre bestehen soll. Das Land will dafür jährlich 300 000 Euro aufwenden. In die religiösen Inhalte des Unterrichts wird sich der Staat nach Angaben von Kultusministerin Susanne Eisenmann nicht einmischen.


Dem Vorschlag der Landesregierung folgen allerdings von den islamischen Verbänden in Baden-Württemberg bisher nur zwei: Der Landesverband der Islamischen Kulturzentren Baden-Württemberg und die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland. Die anderen beiden, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) und die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW) lehnen eine Teilnahme ab.

Neutralität gefährdet?

Ditib und IGBW halten dem Land vor, mit der Stiftung eine staatliche Einrichtung zu schaffen. Aus ihrer Sicht verletzt dies die Neutralitätspflicht des Staates und greift in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften ein. Sie wollen nun eine Expertenkommission einberufen, um Alternativen vorzuschlagen.

Angebot bisher erfolgreich

islamischer Religionsunterricht

Bisher als Modellprojekt - Islamischer Religionsunterricht (Archivbild)

Der Islamische Religionsunterricht wird in Baden-Württemberg seit 2005 im Rahmen eines Modellprojekts erteilt. Im Schuljahr 2018/19 nehmen etwas mehr als 6000 Schüler im Land an diesem Unterricht sunnitischer Prägung teil. Die Kinder werden an 86 Schulen von 110 Lehrern unterrichtet. Offenbar kommt das Angebot an: laut Kultusministerin Susanne Eisenmann wollen mehr als 50 Schulen den islamischen Religionsunterricht einführen.

Das vorgeschlagene Modell findet aber auch von der Opposition kritisiert:  Die SPD-Landtagsfraktion warnte vor einem „wackligen Behelfskonstrukt“. Die FDP/DVP-Fraktion forderte, dass gewährleistet werden müsse, „dass der Islamunterricht die freiheitlich demokratische Grundordnung achtet und Integration fördert“. Der Bildungsausschuss des Landtags wird sich nun mit dem Thema beschäftigen.