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Stuttgart-Plieningen Ein Stadtteil hilft Flüchtlingen

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien sind rund 70 000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Sie zu integrieren ist ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen gar nicht zu schaffen. Im Stuttgarter Stadtteil Plieningen scheint der ganze Bezirk  mitzumachen.

Mit einem schüchternen Lächeln zählt Mona Zahlen auf deutsch auf. Die hat sie im Sprachkurs gelernt, in der Flüchtlingsunterkunft in Plieningen. Sie kann auch schon auf einfache Fragen antworten. - Mona kommt aus Syrien. Seit Mitte August ist sie mit ihrer Familie in Deutschland.

"Ich bin froh, dass ich die Sprache lernen kann. Ich will irgendwann einmal die Sprache beherrschen, damit ich mit den Menschen hier sprechen und diskutieren kann; und damit ich mit dem Leben in Deutschland zurechtkommen kann", sagt sie.

Sprache ist sehr wichtig

Die Sprachkurse werden von Ehrenamtlichen angeboten. Monika Elias ist eine von ihnen. Jeden Montagabend ist sie - von Beruf Lehrerin für Französisch und katholische Religion - in der Unterkunft. Flüchtlingen zu helfen - für sie als Christin selbstverständlich:

"Ich möchte gerne zupacken, da wo ich sehe, dass Not ist. Und wenn ich das Gefühl habe, ich habe eine Fähigkeit, dann bring ich die auch gern ein für andere".

Deutschkurse sind nicht das einzige, was die Ehrenamtlichen in Plieningen anbieten. Um die 100 Personen sind sie, eingeteilt in rund zehn Gruppen und ungemein aktiv: Sie organisieren ein Frauencafe an, Hausaufgabenbetreuung, Gartengestaltung, Handarbeitskurse - und sogar gebrauchte Fahrräder.

Flüchtlinge in Plieningen bauen einen Unterstellplatz für Fahrräder

Flüchtlinge in Plieningen bauen einen Unterstellplatz für Fahrräder

"Mit dem Fahrrad kann ich für die Familie einkaufen gehen; hier in der Nähe ist kein günstiger Supermarkt, aber mit dem Fahrrad kann ich das gut erledigen", erklärt der 26-jährige Amar aus Syrien.

Das Fahrrad bringt auch Abwechslung - Amar kann damit die Gegend erkunden. In Damaskus hatte seine Familie ein Geschäft für Dekoration, Amar stand um sechs Uhr morgens auf und arbeitete bis spät in die Nacht. Hier heißt es erst einmal monatelang warten.

Helfen kann jeder

Die Angebote der Ehrenamtlichen sind für die Flüchtlinge sowohl konkrete Hilfe als auch etwas Farbe im eintönigen Alltag. Die Ehrenamtlichen sind zudem das Bindeglied zum Stadtteil, sagt die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel.

Sie koordiniert das Angebot und wirbt selbst unermüdlich um Unterstützung: Lindel geht auf die Bürger zu, gerade auch auf jene, die anfangs skeptisch waren und die Unterkunft ablehnten. Es gibt viele Formen von Hilfe, erzählt sie allen:

"Ich muss mich nicht aktiv engagieren, aber vielleicht grüß ich jemanden freundlich oder helfe ihm im Supermarkt. Lese ihm was vor, was da steht, oder erkläre ihm für was jenes Lebensmittel oder Verpackung gut ist".

Integration ist wichtig

Es können ganz kleine Sachen sein, die aber alle zusammen dazu beitragen, die Flüchtlinge im Stadtteil zügig zu integrieren. Es genügt nicht, ihnen ein Dach über den Kopf zu geben, man muss sie auch akzeptieren, mit ihrer Geschichte - so Monika Elias:

"Mir ist es ganz wichtig, die Menschen spüren zu lassen, wir nehmen euch ernst, einfach den Anderen als Menschen anerkennen und für ihn da sein. Ich denke, die haben so schlimme Erfahrungen gemacht, da ist es wichtig, dass sie hier Hilfe bekommen um anzukommen".