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Echtes Leben Muslimisch, emanzipiert, frei

Frauen im Aufwind

Als muslimische Frau in Deutschland selbstbestimmt leben zu können, dafür kämpfen Gökcen Tamer-Uzun, Aysel Özdemir und Sonja Fatma Bläser. Die drei starken Frauen zeigen, dass Islam und Emanzipation kein Widerspruch sind.  Sie haben eine klare Haltung und kämpfen gegen Vorurteile in und außerhalb ihrer Community. Was treibt sie an?

Gökcen Tamer-Uzun diskutiert mit angehenden Lehrerinnen über die Bedeutung des Schleiers im Islam und die Stellung der Frau. Die Meinungen gehen weit auseinander. Tamer-Uzun bildet Religionslehrerinnen an der pädagogischen Hochschule aus. Als erste Frau hat sie vor 10 Jahren schon das Lehrfach „islamischer Religionsunterricht“ in Baden-Württemberg mitbegründet. Denn der herkömmliche Unterricht an den Moscheen reiche nicht aus. Mit ihren Studierenden besucht sie auch eine Synagoge, weil nur das Wissen über andere Religionen vor Vorurteilen schütze. Viele der Studierenden haben türkische Wurzeln. „Unsere Eltern haben uns religiös erzogen, ohne zu wissen, welche kulturellen Einflüsse dabei eine Rolle spielten.“ Für Gökcen Tamer-Uzun ist Emanzipation, Demokratie und Islam kein Widerspruch. „Ganz im Gegenteil“, sagt die 39-jährige, „die Frage ist nur, ob Frauen oder Männer den Koran interpretieren“. Als Pädagogin und Mutter zweier Töchter ist ihr wichtig, als gläubige Muslimin selbstbestimmt und frei leben zu können.

Das treibt auch Aysel Özdemir an. Die Seelsorgerin kümmert sich im Stuttgarter Klinikum um krebskranke Frauen und Palliativpatienten. Damit betritt die 43-jährige neues Terrain, denn bislang war unter Muslimen die seelsorgerische Tätigkeit Männern, vor allem Imamen überlassen. Die gläubige Muslimin trägt Kopftuch und wehrt sich gegen den Vorwurf, unterdrückt zu sein. Ganz im Gegenteil. Sie kämpft dafür, dass Frauen in ihrer eigenen Community und in der Mehrheitsgesellschaft gleichberechtigt sind. In ihrem Stuttgarter SPD-Ortsverein will sie politisch mitgestalten. Teilhabe kann man nicht nur einfordern, sagt sie, man muss sich dafür einsetzen. Die studierte Lehrerin will sich aber nicht in die Migranten-Schublade stecken lassen und für Integrationsthemen zuständig sein. Das „Wir-Gefühl“ beginne damit, dass wir als Teil dieser Gesellschaft für die Belange aller einstehen.

Der Kampf für Demokratie und Selbstbestimmung verbindet Gökcen Tamer-Uzun, Aysel Özdemir und Fatma Bläser. Die couragierte Deutsch-Kurdin gründete vor Jahren den Verein „Hennamond“. Die Beratungsstelle in Köln-Nippes ist Anlaufstelle für Frauen und Männer, die Rat und Schutz suchen. Viele von ihnen sind Musliminnen, die häusliche Gewalt erfahren oder von Zwangsheirat bedroht sind. „Häufig werde das fälschlicherweise mit dem Koran gerechtfertigt“, sagt die 54-jährige. Mit dieser Haltung eckt sie bei konservativen Eltern und Verbänden an und erhält nicht selten Drohungen per Post und Mail. Sie betreut auch das Projekt „Helden des Alltags“ und spricht mit jungen Gefängnisinsassen der JVA Wuppertal-Ronsdorf über Themen wie Sexualität, Religionsverständnis und Homophobie. Fatma Bläser stammt selbst aus einer konservativen muslimischen Familie und sollte als junges Mädchen gezwungen werden, einen Mann aus der Türkei zu heiraten. „Wir haben versäumt, offen über Probleme zu sprechen, die mit dem Islam gerechtfertigt werden“, sagt Fatma Sonja Bläser, „und müssen lernen, zwischen falsch verstandener Toleranz und der Akzeptanz von Vielfalt zu unterscheiden. 

In der Reportage beobachten wir Fatma Bläser, Gökcen Tamer-Uzun und Aysel Özdemir, die auf unterschiedliche Weise versuchen, als Muslima selbstbestimmt zu leben.

Echtes Leben:
Muslimisch, emanzipiert, frei
Frauen im Aufwind
Ein Film von Susanne Babila

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