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Diskriminierung Internationaler Roma-Tag

Die Minderheit der Sinti und Roma ist in Deutschland seit 600 Jahren belegt. Unter den Nationalsozialisten wurde sie fast vollständig vernichtet: eine halbe Million Sinti und Roma fiel dem systematischen Völkermord zum Opfer, nur zehn Prozent von ihnen überlebten. Heute erleben Sinti und Roma immer noch Diskriminierungen zum Beispiel in der Bildung oder auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt.

Mahnmal vor dem Reichstag in Berlin für die ermordeten Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus

Mahnmal vor dem Reichstag in Berlin für die ermordeten Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus

Es sind Ausgrenzungen, die prägen: ein Sinto zu sein, bedeutet: immer wieder angepöbelt zu werden. Schon als Schüler hat Aaron Weiss diese Erfahrung gemacht: "'Scheiß Zigeuner', 'Kanake', 'Wohnwagenschieber', das waren Begriffe die ich tagtäglich gehört habe." Auch Natalie Reinhardt kennt das. Die Schulzeit war für sie als Sinteza oft demütigend. "Ich bin übelst beschimpft worden als 'dreckige Zigeunerin'. Wenn ich krank war, meinte der Rektor, 'ja, ja, die hat die Zigeunergrippe', weil er mir zu häufiges Fehlen und absichtliches Fehlen unterstellt hat. Das waren üble Antiziganismen."

Stereotype und Vorurteil sind hartnäckig.

Es zeigt sich: nur wenig ist bekannt über die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland. Wer weiß denn schon, dass sie seit Jahrhunderten hier leben, dass sie während des Nationalsozialismus verfolgt wurden, in Zwangs- und Konzentrationslagern interniert waren? Dass nur wenige überlebten. Natalie Reinhardt ist damit aufgewachsen. "Aus meiner Kindheit kann ich mich noch daran erinnern, wie die älteren Leute im Sommer kurzärmlich da saßen und diese tätowierte Nummer auf dem Arm hatten. Ja, da fragt man dann als Kind nach, 'was ist das, was bedeutet das?'. Es ist ein schreckliches Bild in meiner Erinnerung, diese Nummer auf dem Arm." Diese Geschichten sind immer mit dabei, wenn es um das Heute geht.

In Deutschland leben vier anerkannte nationale Minderheiten: die deutschen Dänen, die friesische Volksgruppe, die Sorben und Wenden sowie die deutschen Sinti und Roma. Allen gemeinsam ist, dass sie eine eigene Sprache, Kultur und Geschichte besitzen und schon seit Jahrhunderten in Deutschland heimisch sind. (Quelle: Staatsministerium Baden-Württemberg)

Sinti-Powerclub

Selbst aktiv werden – das ist Natalie Reinhard wichtig: beispielsweise hat sie in ihrer Heimatstadt Ravensburg den Sinti-Powerclub aufgebaut. Ein Treff, der junge Menschen stärken soll, um in Schule oder Ausbildung erfolgreich zu sein. Solche Projekte gibt es mittlerweile viele; die Hildegard-Lagrenne-Stiftung des Sinti- und Roma-Verbandes unterstützt sie und vergibt auch Stipendien, zum Beispiel an Studenten oder sie hilft bei der Finanzierung von Lernmaterialien für die Ausbildung.

Es braucht einen langen Atem, um etwas zu verändern.

Winfried Kretschmann und Daniel Strauß (Vors. LV dt. Sinti und Roma) unterzeichnen den Staatsvertrag.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (l.) und Daniel Strauß, Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, haben am 28. November 2013 einen gemeinsamen Staatsvertrag unterzeichnet.

In Berlin erinnert inzwischen ein kleines Denkmal an die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Mehrere Bundesländer, darunter Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, haben Verträge mit den Verbänden der Sinti und Roma unterzeichnet. Gefördert werden Bildung, Sprache, Forschung. Denn: es ist noch einiges zu tun, so der Vorsitzende des baden-württembergischen Landessverbandes der Sinti und Roma, Daniel Strauß: "Wir haben ein Grundgesetz, wir haben eine hervorragende Menschenrechtserklärung, aber in der Realität ist es noch nicht in der Bevölkerung angekommen. Da brauchen wir tatsächlich noch eine gewisse Zeit und Arbeit."

Autorin: Anna Koktsidou, Online: Utku Pazarkaya