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Blickpunkt Europa - Teil 4 Krise und Solidarität

Zuwanderer aus dem Süden Europas

Die Eurokrise hat den Ländern wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal jahrelang zugesetzt. Junge, gut qualifizierte Menschen mussten ihre Heimatländer verlassen, und fanden in anderen EU-Staaten, allen voran in Deutschland, eine Arbeit. Zwei Zuwanderer aus dem Süden Europas, erzählen wie sie die Solidarität und Chancen in der EU sehen.

Ein strahlendes Lächeln, eine optimistische Einstellung: das ist es, was Kyriaki Tzoureki ausmacht. Und der 29-jährigen Krankenpflegerin hilft, denn täglich hat sie mit Leben und Tod zu tun. Die junge Griechin arbeitet auf der Intensivstation eines Stuttgarter Krankenhauses. Für sie ist das, was sie macht, in erster Linie etwas menschliches und dann ein Beruf. "Ich liebe es, dass ich den kranken Menschen helfen kann", sagt Kyriaki Tzoureki.

Krise und Hoffnung

In Griechenland arbeitete Kyriaki Tzoureki in einer Privatklinik, auch dort auf der Intensivstation. Allerdings: für 550 Euro netto im Monat, nicht gerade viel für das Leben in der Großstadt Thessaloniki. Das Gehalt wurde auch nur unregelmäßig ausbezahlt. Längerfristig etwas planen? Fehlanzeige. So kam ein Sonderprogramm der Bundesregierung gerade recht, mit dem junge Menschen in Südeuropa angeworben wurden. Zum Programm gehörte Betreuung, die half, hier anzukommen. Kyriaki konnte Deutsch lernen, die ganze Bürokratie wurde erledigt. Es habe sogar eine psychische Unterstützung gegeben, erzählt Kyriaki Tzoureki. Es war für mich sehr wichtig "einen festen Vertrag und eine Unterkunft zu bekommen", sagt die Krankenpflegerin.

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"Mehr Arbeitsplätze für junge Menschen..."

Kyriaki Tzoureki

Schwache und starke Regionen

Eigentlich ein guter Deal. Europas arbeitslose Jugend aus dem Süden findet im Norden einen Job– und Länder wie Deutschland beheben ihren Fachkräftemangel zum Beispiel in der Pflege. Der Italiener Jacopo Mancabelli hat junge Menschen betreut, die hierherkamen. Für ihn hat diese Lösung zwei Seiten. Zum einen war es eine gute Chance für junge Menschen, die keine Arbeit in Italien oder Spanien hatten. Zum anderen ist es aber ein Nachteil für schwache Regionen, die dann immer schwächer werden und die reichen Regionen eben reicher, erklärt der 27-jährige.

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"Weniger Egoismus..."

Iacopo Mancabelli


Solidarität heißt Gleichgewicht

Denn die jungen, gut ausgebildeten Menschen fehlen wiederum in ihren eigenen Ländern, die zudem ihre Ausbildung bezahlt haben. Mancabelli selbst verließ Italien vor vier Jahren, weil er dort nicht als Lehrer arbeiten konnte. Diese Stellen wurden eingespart. Hier wird sein Diplom nicht als vollwertig anerkannt. Inzwischen ist er in einer interkulturellen Einrichtung tätig und zufrieden damit. Sein Bruder zog nach München, seine Schwester will nach Österreich. Dorthin gehen, wo es eine Zukunft gibt. Solidarität in Europa – das wäre aus seiner Sicht etwas anderes gewesen. "Man müsste mehr investieren, in den Regionen, die schwach sind", sagt Jacopo Mancabelli. Damit die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb Europas geringer werden.

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Krise und Solidarität - Junge Zuwanderer aus dem Süden- Blickpunkt Europa

Koktsidou, Anna

Neue Chancen

Das wäre wünschenswert, sagt auch Kyriaki. Doch trotzdem ist sie froh, dass Europa auch Hoffnungen und Perspektiven bietet. Sie sei sehr dankbar. Sie habe sogar die Stelle bekommen, die sie sich gewünscht hat, sagt Kyriaki Tzoureki und fügt hinzu: "Ich habe in Deutschland die Chance mich weiter zu entwickeln. Ich bin positiv beeindruckt, wie man mir geholfen hat".