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Blickpunkt Europa - Teil 2 "Mehr Stärken als Schwächen"

Was Nicht-EU-Ausländer von Europa halten

Bei der Europawahl am 26. Mai sind in Deutschland rund 65 Millionen Menschen wahlberechtigt. Davon sind knapp 4 Millionen weitere EU-Bürger. Doch was halten Nicht-EU-Ausländer von Europa?

Flüchtlinge mit Kopftuch oder Kappe vor der Europaflagge mit Grenzsoldaten

Mehr Stärken als Schwächen hat Europa nach Meinung vieler Nicht-EU-Bürger.

Mohannad ist überglücklich, dass er in Europa Schutz gefunden hat. Der 24-jährige Iraker ist vor der Terrormiliz Islamischer Staat geflüchtet. Seit 2016 lebt er in Deutschland. Hier fühlt er sich wohl. "Freiheit überall, auch wenn man die Regierung kritisiert." Dass man seine Meinung ohne Angst vor Verhaftung oder Gewalt äußern kann, findet er unglaublich. "Deswegen denke ich, Europa ist das Traumland", sagt Mohannad.  

Menschenwürde – Menschenrechte

Das kann Merve genauso unterstreichen. Die 27- jährige Türkischstämmige ist in Deutschland aufgewachsen und angehende Juristin. Sie interessiert sich für das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit. Ihrer Meinung nach gibt es einen zentralen Wert, der Europa ausmacht: den Schutz der Menschenwürde und der Menschenrechte "Das ist für mich ein sehr sehr hohes Gut", betont Merve.

Merve vor weißer Wand

Merve

Auch Mohannad ist vom Rechtsstaatsprinzip, insbesondere in den westlichen europäischen Ländern, geradezu begeistert. Die Regierungen sind keine Halbgötter. Sie versuchen das Beste für die Bürger, betont er.  

Auf gleicher Augenhöhe?

Doch neben Lob gibt es auch Kritik, nämlich beim Umgang mit Flüchtlingen. Wosi ist 2016 aus Äthiopien geflüchtet. Als Kind einer Äthiopierin und eines Eritreers war er oft Repressalien in beiden Ländern ausgesetzt.  In Deutschland erhielt er Asyl. Doch so sehr Wosi die entgegengebrachte Hilfe in Europa schätzt, so sehr spürt er auch den rauen Wind, der afrikanischen Flüchtlingen entgegenweht. Er beklagt, dass es keine Gleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weißen gibt, besonders in der Arbeitswelt und in den Schulen.

Wasi vor Baustelle

Wasi

Man würde meistens auf Schwarze von oben herabschauen, ihnen nicht auf Augenhöhe begegnen, ihnen nicht zutrauen, dass sie wie Europäer anpacken können. Für ihn gibt es eine helle und eine dunkle Seite von Europa. Auf der einen Seite sei da zum Beispiel die Religionsfreiheit, die er sehr schätze, auf der anderen werde es Frauen mit Kopftuch schwer gemacht, eine Stelle zu bekommen.

Auf die Qualifikation kommt es an

Dieser Punkt ist auch für die türkischstämmige Rechtsreferendarin Merve ein Aufreger. Sie selbst trägt kein Kopftuch, aber sie findet, alle Menschen müssen gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt haben. "Wenn diese Frau oder dieser Mann qualifiziert genug ist und alle Anforderungen erfüllt, dann spielt die Hautfarbe keine Rolle, dann spielt die Religion keine Rolle, das Aussehen, die sexuelle Orientierung oder was auch immer - all das darf keine Rolle mehr spielen", sagt Merve.

2:31 min

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Mohannad in einem Flur

Mohannad

"Ja, es gibt viel Licht und Schatten und Europa ist nicht perfekt", sagt der Iraker Mohannad, "aber es hat mehr Stärken als Schwächen." Insbesondere westeuropäische Länder würden viel tun, um gegen Diskriminierung jeglicher Art vorzugehen. Mohannad weiß noch nicht, ob er hier endgültig Asyl bekommt. Das hofft er sehr. Denn er würde gerne seine Zukunft in Europa, in Deutschland, gestalten: "Ich kann alles träumen. Es ist anders als in meinem Heimatland."