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Anonymisierte Bewerbungen Auf Geschlecht oder Herkunft kommt es nicht an?

Wenn „Sandra Bauer“ sich bewirbt, bekommt sie eine Einladung zum Bewerbungsgespräch. Nicht aber „Meryem Öztürk“, trotz gleicher Qualifikationen. Helfen da anonymisierte Bewerbungen?

anonymisierte Bewerbungen, nur in Zusammenhangmit IZA-Studie nehmen

drei Mal die gleiche Frau, doch je migrantischer, desto weniger Chancen

Eine Studie der Universität Linz 2016 in Zusammenarbeit mit dem IZA (Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit) hat es ausprobiert: Ökonomin Doris Weichselbaumer schickte 1500 fiktive Bewerbungen, völlig identisch bis auf den Namen, an verschiedene Arbeitgeber. Einmal war es Sandra Meyer, einmal Meryem Öztürk und einmal Meryem Öztürk mit Kopftuch. Das Ergebnis: die Bewerberin mit türkischem Namen hat Nachteile. Jene mit dem Kopftuch am meisten. Trotz gleicher Qualifikationen, auch deutscher Bildungsbiografie bei allen drei Bewerberinnen.

Sandra Bauer wurde in 18,8 Prozent der Fälle zum Vorstellungsgespräch eingeladen, Meryem Öztürk ohne Kopftuch kam auf 13,5 Prozent und Meryem Öztürk mit Kopftuch auf 4,2 Prozent. Je qualifizierter die Stelle, umso weniger Einladungen für die vermeintlich türkische oder muslimische Bewerberin.  

Helfen anonymisierte Bewerbungen?

anonymisierte Bewerbungen

Stefan Bürkle, Geschäftsführer bei Bürkle und Schöck

Das Unternehmen Bürkle und Schöck in Stuttgart ist von anonymisierten Bewerbungen überzeugt: es hilft, Stereotype zu vermeiden, glaubt der Geschäftsführer des Elektrotechnik- Unternehmens Stefan Bürkle. Das Unternehmen beschäftig ca 150 Mitarbeiter.

Allerdings erfordert ein solches Verfahren auch einige Umstände: denn es muss eine vorgeschaltete „neutrale Stelle“ geben, die die Unterlagen anonymisiert. Also personenbezogene Daten wie Name, Alter, Geschlecht, Familienstand, Herkunft etc. von den restlichen Unterlagen trennt, so dass Personalverantwortliche diese Daten zunächst nicht sehen. Bei Bürkle und Schöck macht das eine Mitarbeiterin.

Erst, wenn man sich entscheidet, jemanden zum Vorstellungsgespräch einzuladen, werden alle Daten offengelegt. Aber auch dann gibt es keinen Rückzieher – jede und jeder, die es bis dahin geschafft haben, werden auch eingeladen.

Nur wenige Unternehmen machen mit

Bürkle und Schöck bildet eine Ausnahme – die meisten Unternehmen scheuen den Aufwand. Unternehmen, die viele Bewerbungen bekommen, müssten extra die neutrale Stelle einrichten. Kritiker bemängeln zudem, man würde die „Katze im Sack kaufen“ oder hätte weniger Möglichkeiten, gezielt zu fördern: Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund zum Beispiel.

anonymisierte Bewerbungen

Emmanuel Zwickl, Azubi bei Bürkle und Schöck

Stefan Bürkle sieht das nicht so: „Fotos oder Schulnoten vermitteln kein objektives Bild“, so Stefan Bürkle. Das Verfahren, wie sie es praktizierten, sei gerechter, ist er überzeugt. Und auch Azubi Emmanuel Zwickl findet es gut. Der 23-jährige macht eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement. „Man macht sich bei seiner Bewerbung viel mehr Gedanken“, ist seine Erfahrung.