Bitte warten...

Antisemitismus Solidaritätsaktion: Tropfen auf den heißen Stein

Für den Publizisten Michel Friedman sind die Solidaritätsbekundungen gegen Antisemitismus nur ein "symbolisches Signal". Wenn Zentralratspräsident Schuster Juden in Deutschland rate, nicht mehr ihr Religionssymbol zu tragen, dann sei das ein Offenbarungseid für Deutschland.

Symbolbild: Mann mit Kippa vor dem Brandenburger Tor

Die Jüdische Gemeinde rief unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus auf.

Michel Friedman nannte im Radioprogramm SWR Aktuell die Demonstrationen, bei denen Juden und Nicht-Juden bewusst eine Kippa tragen sollen, einen "Tropfen auf dem heißen Stein". Es gehe nicht nur um das Tragen der Kippa. "Wenn Zentralratspräsident Schuster Juden in Deutschland rät, nicht mehr ihr Religionssymbol zu tragen, dann ist das ein Offenbarungseid für Deutschland im Jahr 2018: Juden können anscheinend in Deutschland ohne Angst nicht mehr Juden sein und ihre jüdischen Riten leben. Hier wird das Grundrecht der Religionsfreiheit gestört."

Polizeischutz ist Alltag

Nach Ansicht von Friedman ist der Judenhass in Deutschland ein altbekanntes Problem: "Seit Jahrzehnten gibt es keine jüdische Institution, Schulen, Kindergärten, Synagogen, die ohne Polizeischutz täglich Erfahrung haben, dass sie bedroht sind. Seit Jahrzehnten wissen wir auch aus dem Alltag, in den Vereinen, im Job, in der Familie, dass es Judenfeindlichkeit in Deutschland gibt."

Kritik an der AfD

Friedman kritisierte in diesem Zusammenhang auch das Aufkommen der AfD: "Seit einigen Jahren gibt es eine Partei, mittlerweile auch im Bundestag, die die Erinnerungskultur ändern will. Es gibt judenfeindliche Bemerkungen bis an der Spitze dieser Partei. Sie repräsentiert über zehn Prozent der deutschen Bevölkerung."

Judenhass

Die meisten Gewalttaten kämen, so Friedman in SWR Aktuell Radio, aus der rechtsextremen deutschen Szene: "Hinzugekommen sind jetzt Bedrohungspotenziale von einem Teil der muslimischen Community, die wenn sie aus arabischen Kulturen kommen, den Judenhass letztendlich mit der Erziehungsmuttermilch getrunken haben."

Nicht neu

Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden betonte aber, dass nichts von alledem neu sei: "Jeder, der so tut, als ob er sich darüber wundert, dass es Judenhass in Deutschland gibt, der wundert mich. So blind und taub können nur diejenigen sein, die ein wirklich gesellschaftspolitisch wichtiges Problem verdrängen wollen."

Solidaritätskundgebungen

In Berlin hat die Jüdische Gemeinde für Mittwochabend zu einer Kundgebung "Berlin trägt Kippa" aufgerufen. Gut eine Woche nach einem Angriff auf einen jungen Israeli in Berlin sind auch in mehreren anderen Städten Solidaritätsaktionen geplant.