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Aktionswoche "Recht auf Familie" Sehnsucht nach den Kindern.

"Recht auf Familie – Integration braucht Familienzusammenführung" – so lautet das Motto der aktuellen Aktionswoche, die von der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg gemeinsam mit den Kirchen organisiert wurde. Derzeit ist das Recht auf Familienzusammenführung bis März 2018 ausgesetzt – und zwar für jene Geflüchteten, die den sogenannten subsidiären Schutz haben. Wie es weitergeht, hängt von der künftigen Bundesregierung ab. Was es für die Betroffenen bedeutet, darüber berichtet Anna Koktsidou. Sie hat in Stuttgart eine Frau aus Syrien getroffen:

Kanaria Abdul Kader blickt auf ihr Handy

Aus Syrien geflohen: Kanaria Abdul Kader

Kanaria Abdul Kader ist in Sicherheit. Weit weg von den Raketen und den gefährlichen Kontrollen, denen sie tagtäglich ausgesetzt war. Seit Herbst 2015 lebt sie mit ihrer 19-jährigen Tochter Salam in Deutschland. Doch ihr Mann und ihre anderen beiden Kinder sind nach wie vor in Syrien. Sie sei wegen ihrer Kinder aus Syrien geflohen, berichtet Abdul Kader. Doch ihre anderen Kinder kann sie nicht nachholen.

Darf ihre Familie nicht nachholen

Kanaria Abdul Kader hat sogenannten subsidiären Schutz erhalten – und damit darf sie ihre Familie nicht nachholen. Das zu akzeptieren, fällt ihr schwer. "Jemand hat Fehler gemacht und ich bezahle." Der Fehler, auf den sie sich bezieht: die Fingerabdrücke, die ihrer Tochter bei der Registrierung abgenommen wurden, waren zu undeutlich; die Prozedur musste nach ein paar Monaten wiederholt werden. In der Zwischenzeit beschloss die Bundesregierung, den Schutz für Syrer einzuschränken – und auch den Familiennachzug.

Wohnung und Job

Ob und wann Kanaria die 15-jährige Tochter und den achtjährigen Sohn in Deutschland umarmen kann, weiß sie nicht. Sie weine, wenn sie andere Kinder in der U-Bahn sehe, erzählt Kanaria Abdul Kader. Sie mache alles, was nur gehe, um sich in Deutschland zu integrieren. Die Syrerin hat Deutschkurse besucht, ein Praktikum absolviert, mit Hilfe von Ehrenamtlichen eine Wohnung gefunden und auch einen Job.

Umstellung im Job

Kanaria ist Bauingenieurin und arbeitet inzwischen in einem Unternehmen für Asphaltprüfung. Anfangs war das nicht einfach, die Geräte sind hier anders, als sie gewohnt war. Vieles ist hier digitalisiert. Doch mittlerweile kommt sie ganz gut zurecht. "Wir haben in Syrien nur drei Geräte, aber hier in Deutschland gibt es viele, vielleicht 15 Geräte in diesem Labor." Dank des Praktikums könne sie inzwischen alle Untersuchungen durchführen, erzählt sie.

Tochter geht aufs Gymnasium

Auch ihre Tochter Salam hat in der Schule schnell Fuß gefasst, nach zwei Jahren ist sie schon auf dem Gymnasium  - und hat Pläne für ein Studium. "Ich möchte Astrophysik oder Astronomie studieren, weil ich Physik und Mathe mag", erzählt die 19-Jährige. Aber die Situation belastet auch Salam. Lernen fällt der schüchternen jungen Frau manchmal schwer. Insbesondere, wenn Nachrichten  kommen, und es sind oft schlechte Nachrichten – wieder eine Bekannte tot oder ein Nachbar. Sie kann das nicht mehr hören und sehen, sagt sie. Zu groß sei die die Angst um die eigenen Angehörigen, erzählt Salam.

Kinder brauchen ihre Mutter

Zurück nach Syrien kann Kanaria nicht. Es ist nicht nur der Krieg; Kanaria drohen drei Jahre Haft, weil sie ihren Arbeitsplatz unerlaubt verlassen habe. So wird ihre Flucht von den syrischen Behörden ausgelegt. In Deutschland hat sie gegen ihren Asylbescheid Widerspruch eingelegt. Sie muss warten. Eine Ungewissheit, die sie verzweifeln lässt. "Was kann ich machen? Ich kann nicht nach Syrien zurück und meine Familie kann nicht nach Deutschland kommen und ich kann nicht ohne meine Kinder leben und meine Kinder brauchen ihre Mutter!"

Autorin: Anna Koktsidou, Online: Utku Pazarkaya

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