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Schmetterlingszählung in Bayern Insektensterben: Deshalb ist es wichtig zu handeln

In Bayern hat das Volksbegehren "Rettet die Bienen" die erforderliche Hürde genommen. Die Initiative gehe in die richtige Richtung, sagt Dr. Andreas Segerer. Warum, erklärt der Insektenexperte der Zoologischen Staatssammlung in München im Gespräch. 

Ist das ein guter Tag für die Insekten und den Artenschutz bei uns?

Das ist definitiv ein guter Tag und ein ganz wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, um eine Trendwende im Zusammenhang mit Insektensterben und allgemeiner Umweltbelastungen zu setzen. Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass es ein Insektensterben gibt, und wir wissen über die Ursachen im Detail Bescheid. Das Volksbegehren geht in die richtige Richtung, um ganz zentral neue Weichenstellungen zu setzen.

Erst vor wenigen Tagen wurde eine Studie veröffentlicht, wonach jährlich zwei Prozent der Insekten weltweit verschwinden. Wenn es so weitergeht, dann könnten die Insekten in etwa hundert Jahren ausgestorben sein.

Welche Arten sind besonders bedroht in Deutschland in Europa?

Es geht quer durch die ganze Gruppe von Insekten. Die sogenannten Roten Listen der gefährdeten oder ausgestorbenen Arten werden immer länger. Das gilt auch für alle anderen Tiergruppen, Blütenpflanzen und Großpilze. Ein globales Artensterben von einer solchen erdgeschichtlichen Dimension wie in den letzten zweihundert Jahren gab es zuletzt zur Zeit der Dinosaurier.

Als Schmetterlingsforscher habe ich direkten Einblick und bin sozusagen am Puls des Insektensterbens. Schmetterlinge sind die viertgrößte Tiergruppe der Welt und extrem artenreich. Wie man hier in Bayern feststellen musste bei einer Art Volkszählung der Schmetterlinge, fehlen elf Prozent aller Schmetterlingsarten. Das sind 375 Arten, die ausgestorben oder verschollen sind. Selbst Naturschutzgebiete sind davon nicht ausgenommen.

Schmetterling

Schwalbenschwanz - die Bestände des Schmetterlings sind in den letzten Jahren, wie die vieler anderer Schmetterlinge, stark zurückgegangen.

Wie werden Ökosysteme durch das Insektensterben bedroht?

Die Blütenpflanzen sind natürlich auf Insektenbestäubung angewiesen. Insekten sind außerdem die Gesundheitspolizei für tote Biomasse. Wenn die Insekten weniger werden, gibt es auch weniger Nahrung für einen Großteil unserer Vögel, und tatsächlich haben wir in Bayern ungefähr fünfzig Prozent der Feldvögel verloren.

Was sind denn die Hauptursachen für diesen rapiden Rückgang bei den Insekten?

Der Schlüssel zum Verständnis des Insektensterbens ist, dass Insekten eng an ihre Lebensräume angepasst sind. Doch Landschaften sind mit Monokulturen immer homogener geworden oder werden durch großflächigen Beton verdeckt.

Hinzu kommen die immer stärkeren chemischen Belastungen aus der Landwirtschaft, der Industrie und dem Verkehr. Das ist ein flächendeckendes Problem in ganz Europa.  

Dem entgegen wirken kann man durch die Förderung von kleinbäuerlichen Betrieben, die Reduzierung der chemischen Belastung und mit vermehrtem Ökolandbau. Der Anteil an ökologischer Landwirtschaft soll langfristig auf zwanzig bis dreißig Prozent erhöht werden. Auch Biotope sollen wiedervernetzt werden. Und generell muss man sagen, dass vor allem die kleinbäuerlichen Familienbetriebe bereits einen wesentlichen Beitrag für den Umweltschutz im Sinne des Volkbegehrens leisten.