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100 Millionen Euro für Insektenschutz Wunschzettel einer Wildbiene

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will 100 Millionen Euro für den Insektenschutz bereitstellen. SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk hat sich Gedanken gemacht, was sie sich als Wildbiene alles wünschen würde.

100 Millionen Euro – also, ich als Wildbiene hätte schon Ideen, was mit dem Geld passieren könnte:

Zum einen wünsche ich mir die totale Überwachung – Big Brother auf dem Acker und der Blumenwiese – damit ihr Menschen im Detail erfahrt, wo es noch wie viele Insekten gibt und wie es uns geht – von Grashüpfern über Schmetterlinge, Käfer und Fliegen bis zu Bienen und Ameisen. Zählt uns – aber bitte fangt in der Zwischenzeit auch schon mal mit konkreter Hilfe an:

Pollen und Nektar als Futter

Meine Kolleginnen und ich brauchen Pollen und Nektar als Futter – Je mehr blühende Wildpflanzen, desto besser für uns – egal, ob auf dem Acker, im Park oder in Gärten in der Stadt. Ich zum Beispiel liebe Borretsch.

Wenn die Wiesen zu stark gedüngt werden, hat es Borretsch aber schwer. Zuviel Gülle kann ich darum nicht leiden. Mein Schmetterlingskumpel, der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, übrigens auch nicht.

Wildbienen

Auch Herbizide können Insekten schaden.

Landwirtschaft muss umweltverträglich sein

Von Pestiziden halte ich natürlich gleich gar nichts. Ich kenne persönlich Honigbienen, die gestorben sind, weil Glyphosat ihre Immunabwehr geschwächt hat.

So – das heißt, das meiste Geld muss dafür fließen, dass die Landwirtschaft naturverträglicher wird – dafür braucht’s Forschung und Förderprogramme. Bitte, liebe Politiker, steckt Geld in den ökologischen Landbau – und sorgt dafür, dass es sich auch für konventionelle Bauern rechnet, mehr für uns Insekten zu tun – mit extensiv genutzten Wiesen, mit Brachen, Hecken, Bäumen und blühenden Ackerrandstreifen.

Glyphosat

Das Pflanzengift Glyphosat hat einen schädlichen Einfluss auf das Verdauungssystem von Bienen.

Wildpflanzen als Insektenfutter

Und wie wäre es mit ein paar Millionen für Landwirte, die ihre Biogas-Anlagen mit Wildpflanzen betreiben statt mit Mais? Außerdem möchte ich mich noch für meine Nachbarn, die Nachtfalter, stark machen. Unsere Nächte sind viel zu hell – viele Lampen sind leuchtende Todesfallen für Insekten. Wenn schon Straßen-Beleuchtung, dann bitte insektenfreundlich – dafür könntet ihr Politiker ruhig auch einige Millionen springen lassen.

Zu wenig Geld für große Verbesserungen

So allmählich komme ich allerdings ins Zweifeln, ob 100 Millionen reichen. Zur Zeit zahlt ja jeder EU-Bürger 114 Euro jährlich für die Art von Landwirtschaft, die uns Insekten fertig macht – das sind EU-weit fast 60 Milliarden. Da kommen mir 100 Millionen fast ein bisschen kleinlich vor...

Also mein letzter Wunsch: legt noch eine dicke Schippe drauf – und sorgt dafür, dass auch die Gelder aus Brüssel uns Insekten nutzen.

Eine gehörnte Mauerbiene sitzt am  auf einem Balkon auf Vergissmeinnicht-Blüten und sammelt Nektar

Eine gehörnte Mauerbiene sitzt auf einem Balkon auf Vergissmeinnicht-Blüten und sammelt Nektar.