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Landwirtschaft und Garten Diese Nützlinge helfen gegen Blattläuse & Co

Blattläuse, weiße Fliegen oder Käfer wie der Dickmaulrüssler sind ein Ärgernis nicht nur für Hobbygärtner. Nur was tun gegen die Schädlinge? Eine Möglichkeit ist die Giftspritze. Umweltfreundlicher aber ist es, auf Nützlinge zu setzen.

Im Keltenhof in Filderstadt bei Stuttgart steht Betriebsleiter Michael Kompalla in einem Folien-Gewächshaus, vor ihm ein Meer von Veilchen und Stiefmütterchen. Deren Blüten sind essbar und beliebt in der Gastronomie.

Allerdings machen sich auch Läuse gern über die Pflanzen her. Darum setzt der Keltenhof auf biologischen Pflanzenschutz - unter anderem mit Schlupfwespen, die als Puppen in zigarrendicken Röhrchen geliefert werden.

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Umweltfreundliche Landwirtschaft

Mit Nützlingen gegen Schadinsekten

Stefanie Peyk

Michael Kompalla, Betriebsleiter des Keltenhofs, setzt auf Nützlinge zur Schädlingsbekämpfung.

Nachfrage nach Nützlingen steigt

Dafür setzen die Wespen Eier in die Läuse, welche dann von innen aufgefressen werden. Im Augenblick sind keine Nützlinge zu sehen – aber auf einigen, wenigen Blättern finden sich Überreste ihrer Mahlzeiten. Die Nützlinge haben ganze Arbeit geleistet.

Pestizide sind im Vergleich planbarer und günstiger, sagt Michael Kompalla, aber sie mindern die Qualität des Produktes. Die Nachfrage nach Nützlingen steigt, beobachtet auch Ulrich Büsing. Er ist Geschäftsführer eines Nützlings-Versandhandels.

Die Firma beliefert unter anderem Hobby- und Erwerbs-Gärtner – aber auch Sportvereine mit eigenem Rasen. Die Vereine klagen derzeit viel über den Gartenlaubkäfer, dessen Larven die Graswurzeln abfressen. Gegen die Larven helfen Nematoden – kleinste Fadenwürmer. Diese setzen ein Bakterium ab, welches sich in den Larven vermehrt und diese zerstört.

Blattläuse bekämpfen mit Schlupfwespen

Der 8-11 mm große Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola) wird auch Junikäfer oder Kleiner Rosenkäfer genannt. Ihr Körper ist flacher als der des Maikäfers. Die Käfer fliegen Ende Mai bis Ende Juni und fressen tagsüber an Sträuchern und Bäumen (Reifungsfraß der Weibchen). Bekämpfen lassen sich die Larven des Käfers mit Nematoden – kleinsten Fadenwürmern.

Einsatz von Nützlingen in der Landwirtschaft eher gering

Das Unternehmen verkauft zig verschiedene Nützlinge – etwa gegen Blattläuse, Schmierläuse, Woll-Schildläuse, Weiße Fliegen, Minierfliegen, sogenannte Thripse oder Käfer wie den Dickmaulrüssler. Viele Kunden schicken Fotos der Schädlinge, um sich beraten zu lassen.

Gegen Läuse kommen zum Beispiel Schlupfwespen und Florfliegen in Frage. Als Laus-Vertilger besonders beliebt sind Marienkäfer. Sie kommen bis zum Spätsommer zum Einsatz.

Im Ackerbau ist der Einsatz von Nützlingen dagegen noch nicht so verbreitet. Zum Teil ist noch Forschung nötig, die Bauern scheuen die Kosten, und sie haben Sorge, dass manche Nützlinge gleich davonfliegen oder weggeweht werden.

Ein Zweipunkt Marienkäfer (Adalia bipunctata) frisst Blattläuse (Aphidoidea)

Ein Zweipunkt Marienkäfer (Adalia bipunctata) frisst Blattläuse (Aphidoidea)

Schlupfwespen statt Insektizide

Immerhin: Im Maisanbau haben sich Schlupfwespen schon bewährt – gegen den Maiszünsler, einen gefürchteten Schädling. Die Schlupfwespen-Eier werden immer öfter mit Drohnen auf den Feldern verteilt.

Landwirt Heinrich Roder aus dem Landkreis Waldshut ist froh, dass er dank Schlupfwespen auf Insektizide verzichten kann. Ein Stück weit, heißt es vom Naturschutzbund NABU, seien Probleme mit Schädlingen auch hausgemacht. Monokulturen sind für Schädlinge eben ein gefundenes Fressen.

Schlupfwespe (Ichneumon sramentarius) im Flug an der Blüte einer Wasserminze (Mentha aquatica) auf der eine Gewöhnliche Langbauchschwebfliege (Sphaerophoria scripta) sitzt.

Schlupfwespe (Ichneumon sramentarius) im Flug an der Blüte einer Wasserminze (Mentha aquatica) auf der eine Gewöhnliche Langbauchschwebfliege (Sphaerophoria scripta) sitzt.

Tipp für den Garten

Die Gegenspieler von Schädlingen muss man nicht unbedingt immer kaufen, man kann sie auch anlocken. NABU-Fachmann Jochen Goedecke hat einen Tipp für blattlausgeplagte Hobbygärtner: Man nimmt eine Handvoll Stroh, tut das von unten in einen Blumentopf rein und hängt den auf. Das wird einerseits von Marienkäfern genutzt, aber auch von Ohrwürmern, die dann wiederum viele verschiedene Insekten attackieren, also Schädlinge attackieren.

Nützlinge anlocken, das will auch Michael Kompalla vom Keltenhof bei Stuttgart. Neben dem Salatacker legen er und die Mitarbeiter Blühstreifen für Nützlinge an – für die Florfliege zum Beispiel, aber auch für Schlupfwespen und Marienkäfer. Auf dem Keltenhof sind Nützlinge jederzeit willkommen.