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Wirkung von Unkrautvernichtern auf Insekten Glyphosat kann für Bienen tödlich sein

Das Herbizid Glyphosat kann einer neuen Studie zufolge die Abwehrkräfte von Honigbienen schwächen. Glyphosat könnte damit eine Mitschuld am Bienensterben haben.

Glyphosat schädigt Bienen direkt

Trotz seines schlechten Images galt Glyphosat bislang als ein vergleichsweise insektenschonendes Unkrautvernichtungsmittel. Denn es greift ein Enzym an, das es nur in Pflanzen und Bakterien gibt. Der Hersteller Monsanto argumentiert deshalb, dass es Tiere nicht schädigen könne. Doch auch Darmbakterien sind Bakterien, und eine neue Studie stellt nun fest: Die Darmflora der Bienen wird tatsächlich durch Glyphosat angegriffen. Die Zahl der Bakterien geht unter der Einwirkung von Glyphosat zurück.

Der Unkrautvernichter Glyphosat kann somit das Verdauungssystem der Bienen schädigen. Sie werden dadurch anfälliger für tödliche Infektionen, argumentieren Erick Motta und Kollegen von der University of Texas in Austin.

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Die farbigen Markierungen wurden in der Studie genutzt, um einzelne Bienen zu identifizieren.

Die farbigen Markierungen wurden in der Studie genutzt, um einzelne Bienen zu identifizieren.

Zuckerlösung mit Glyphosat

Die Forscher haben mehrfach Arbeitsbienen aus Bienenstöcken genommen und markiert. Sie wurden mit entweder mit Zuckerlösung – oder in zwei Varianten mit Zuckerlösung mit 5 bzw. 10 mg Glyphosat pro Liter – gefüttert. Nach fünf Tagen kamen die Bienen zurück in ihren Stock. Je 15 Bienen einer Versuchsgruppe wurden vor der Entnahme und dann 3 Tage nach der Rückkehr in den Stock untersucht. Mit Bienenlarven gab es ein ähnliches Experiment. Die Wirkung von Glyphosat wurde dabei auf jene Darmbakterien nachgewiesen, die ein Enzym enthalten, das dieses Mittel angreift. Bakterien, die ein anderes Enzym enthalten, waren nicht betroffen.

Glyphosat schwächt Abwehrkräfte von Bienen

Mehr noch: die Forscher haben anschließend diese Bienen auch mit einem verbreiteten opportunistischen Krankheitserreger infiziert - also einem Bakterium, das unter normalen Umständen nicht tödlich ist - und festgestellt: 90 Prozent der Bienen, die Glyphosat ausgesetzt waren und deren Darmflora dadurch verändert war, sind gestorben. Andere ohne diese Belastung nur zu 50 Prozent.

Die Autoren sehen darin einen klaren Beleg, dass der Wirkstoff die Abwehr der Tiere gegen Krankheitserreger herabsetzt. Das sei – neben z.B. dem verringerten Nahrungsangebot durch Blühpflanzen – ein weiterer Grund für das weltweite Bienensterben.

Monsanto bestreitet schädliche Wirkung von Glyphosat auf Insekten

Monsanto sagt dazu, es sei einfach nicht wahr, dass Glyphosat eine negative Wirkung auf Honigbienen habe. In 40 Jahren habe keine Feldstudie einen Zusammenhang zwischen dem Produkt und dem Bienensterben belegt.

Andere Wissenschaftler bemängeln, die Glyphosat-Konzentrationen, mit denen die Bienen gefüttert worden sind, seien zu hoch. Die Autoren betonen aber, dass Bienen im freien Feld solchen Wirkstoffgehalten durchaus ausgesetzt seien. Ob die Studie auf andere Tiere übertragbar ist? Die Forscher nehmen das zunächst für Wildbienen und Hummeln an, die eine ähnliche Darmflora haben.