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Geschäftemacherei mit Insektensterben

Insektenkundler warnen vor fragwürdigen Produkten Geschäftemacherei mit dem Insektensterben

Die Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen und Nisthilfen ist groß, darum bietet sich für Handel und Hersteller eine Chance, gute Geschäfte zu machen. Insektenkundler aber warnen, denn viele dieser Angebote sind mehr als fragwürdig.

Ein typisches Gartencenter in der Stadt, hier steht an prominenter Stelle ein Plakat mit der Aufschrift "Insektengarten". Und tatsächlich sind einige Pflanzen darin insektenfreundlich, sagt Insektenkundler Andreas Haselböck – etwa die Glockenblumen, der Lavendel und die Katzenminze.

Doch das Problem ist folgendes: Begriffe wie "bienenfreundlich" oder "Hummel-Paradies" sind nicht geschützt – jeder kann damit werben. Viele Produkte im Handel aber halten nicht, was sie versprechen, kritisiert Haselböck.

Gefahr für Insekten durch schlechte Produkte

Das gilt auch für Samentütchen mit exotischen Pflanzen oder die beliebten Insektenhotels. Oft haben die Bohrlöcher der Bretter scharfkantige Ränder, hier könnten sich Wildbienen die Flügel einreißen. Besonders unsinnig ist ein Angebot für eine Wildbienen-Nisthilfe mit Schublade zum Rausnehmen, denn die Nester sind unter Plexiglas und können ohne Luftzufuhr verschimmeln.

Geschäftemacherei mit Insektensterben

Insektenhotels kann man einfach aus Bambusstäben selbst bauen, das rät auch der Fachmann

Ganz ähnlich sieht das Sortiment in anderen Gartencentern aus, oder in Baumärkten und Supermärkten, so Haselböck. Eine besonders absurde Werbung für Blumenzwiebeln - eine sogenannte "Schmetterlings-Oase" - entdeckt Haselböcks Kollege Lars Krogmann beim Surfen im Internet.

Insektenhotels am besten selbst bauen

Darin werden die Pflanzen als Lande- und Ruheplatz angeboten, auf denen Insekten in der Sonne etwas Kraft tanken können. Genauso gut kann man aber auch eine Gartenmauer oder ein Auto als "insektenfreundlich" bezeichnen, auf dem ja auch Insekten landen können. Letztlich ist das nur ein Geschäftemachen mit dem Artensterben.

Was sollen Hobbygärtner also tun? Insektenhotels einfach aus Bambusstäben selbst bauen, rät der Fachmann. Und bei der Auswahl der Pflanzen möglichst ungefüllte Blüten wählen, am besten Bio-Qualität und möglichst heimische Pflanzen. Es gibt zertifizierte Regional-Saatgut-Hersteller, welche nur Saaten aus der heimischen Natur für den heimischen Garten anbieten. Darüber freuen sich die Insekten dann auch wirklich.

So sieht die Welt ohne Insekten aus:

Kein Gekrabbel, kein Gesumme - klingt verlockend? Der Weltbiodiversitätsrat sagt, dass rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind – viele davon Insekten!