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SENDETERMIN Sa, 19.5.2012 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen BW

Den sanften Riesen auf der Spur Eine Pfälzerin erforscht Berggorillas in Uganda

Seit vier Jahren arbeitet Nicole Seiler für das Max-Planck-Institut in Leipzig an einem Langzeitprojekt mit Berggorillas. Die Forscherin aus dem südpfälzischen Leimersheim war selbst mehr als ein Jahr lang in Uganda, um das Verhalten der Tiere aus nächster Nähe zu beobachten.

"Hinter Affen herlaufen, das sei doch kein Beruf", sagen immer wieder Menschen zu ihr. Doch das sieht Nicole Seiler ganz anders – schließlich gehe es um die Erforschung und den Schutz unserer nächsten Verwandten und um das Erbe der Menschheit.

In Uganda war die Zoologin mit ihren Forscherkollegen täglich vier Stunden im Regenwald unterwegs – immer auf den Spuren einer 17köpfigen Berggorilla-Gruppe. Das Ziel dabei: die Wanderwege der Primaten erkunden, ihre Schlaf- und Essgewohnheiten – eben alles rund um das tägliche Leben der Gruppe.

Weil die Gruppe sich nach einigen Wochen an das Forscherteam gewöhnt hatte, konnte sich Nicole Seiler den beeindruckenden Tieren bis auf wenige Meter nähern. Dass die Berggorillas sich von ihrer Anwesenheit nicht stören ließen und den Menschen mit Ignoranz begegneten, war das beste Zeichen dafür, dass die Tiere die Wissenschaftler in ihrem Lebensraum akzeptiert hatten. Und genau das wollten Nicole Seiler und ihre Kollegen auch: Forschen, ohne das Leben der Tiere zu beeinflussen.

Zur Zeit arbeitet die 30jährige wieder im Leipziger Max-Planck-Institut – sofern ihre 5 Monate alte Tochter, die überall dabei ist, das zulässt. Im Institut werden alle Daten aus Uganda zusammengetragen, analysiert und ausgewertet.

Mittlerweile hat das Berggorilla-Team einen genauen Überblick, wo im Bwindi-Nationalpark wie viele Tiere leben und wie die Populationen sich entwickeln. Diese Grundlagenforschung ist wichtig, um in Zukunft das Gleichgewicht zwischen Tier, Natur und Mensch in dem hochsensiblen Ökosystem zu erhalten. Und auch, um Konzepte für einen naturverträglichen Tourismus zu entwickeln. Zur Zeit wächst die Berggorilla-Population noch, weil die natürlichen Ressourcen das zulassen. Doch irgendwann könnte es im Regenwald zu eng werden für Affen und Menschen – und dann sind gute Lösungsstrategien gefragt.

Schon bald wird Nicole Seiler mit ihrer kleine Tochter wieder im Dienste der Forschung nach Uganda aufbrechen – diesmal vielleicht sogar für zwei Jahre. Dort wird sie ihre Berggorillas endlich wiedersehen – und wieder täglich durch die Bergwälder streifen, um immer neue Daten zu sammeln. Denn noch längst wissen wir nicht alles über diese faszinierenden sanften Riesen.

aus der Sendung vom

Sa, 19.5.2012 | 18:15 Uhr

SWR Fernsehen BW

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