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Seit Jahren sind Wölfe im Südwesten unterwegs. Sesshaft sind hier nur wenige geworden. Experten rechnen aber damit, dass sich bei uns noch weitere Wölfe ansiedeln werden.

Im 19. Jahrhundert wurde der Wolf in Deutschland ausgerottet. Danach gab es ihn nur noch in Tierparks zu sehen. Erst seit etwa zwanzig Jahren gibt es wieder Wölfe in der freien Wildbahn. Diese leben vor allem in Ostdeutschland und in Niedersachsen. Die Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes verzeichnen für das Jahr 2019: 128 Rudel, 35 Paare und zehn territoriale Einzeltiere. Für das laufende Jahr 2020 sind bisher 56 Rudel, ein Paar und zwei territoriale Einzeltiere erfasst worden (Quelle: DBBW; Stand: Nov. 2020).

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Zwei Wölfe im Schwarzwald heimisch geworden

Junge Tiere können auf der Suche nach einem eigenen Territorium große Distanzen bewältigen. In nur einer Nacht legen Wölfe mitunter mehr als 60 Kilometer zurück.

Laut dem baden-württembergischen Umweltministerium gab es seit August 2020 einige Sichtungen eines Wolfs in der Gemeinde Mundau im Landkreis Neckar-Odenwald. Mitte September hatte ein Wolf dort drei Schafe gerissen. Der männliche Wolf war bis dahin noch nicht in Deutschland erfasst. Er hat das Kürzel GW1832m (GW: Grauwolf; m: männlich) erhalten. Im Oktober wurde erneut die Anwesenheit eines Wolfs in der Gemeinde durch eine Wildtierkamera bestätigt. Ob es sich um denselben Wolf handelt, der die Schafe gerissen hat, ist nicht bekannt. Ungewiss ist auch, ob sich der Wolf weiterhin in der Gegend befindet.

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Dauerhaft niedergelassen haben sich in Baden-Württemberg derzeit nur zwei Wölfe. Über ein ganzes Wolfsrudel ist nichts bekannt.

Ein Wolf lebt im Südschwarzwald, der andere im Nordschwarzwald. Genetische Analysen haben ergeben, dass beide Grauwölfe sind, die aus dem niedersächsischen Rudel Schneverdingen stammen. Vom Rüden GW1129m fand man Mitte Oktober 2020 eine Spur in der Gemeinde Schluchsee.

Im Nordschwarzwald ist schon vor längerer Zeit ein Wolf sesshaft geworden. Der Rüde mit dem Kürzel GW852m sorgte vor zwei Jahren für Unruhe: Das Tier hatte in der Nacht auf den 30. April 2018 bei Bad Wildbad eine Schafherde angegriffen. An den Folgen starben insgesamt 44 Schafe. Danach wurden Stimmen laut, der Wolf müsse getötet werden.

Hilfen für Tierhalter in Schutzgebieten

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller erklärte dazu, dass der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz nicht einfach abgeschossen werden dürfe. „Erst wenn es einem Wolf gelänge, wiederholt ausreichend gesicherte Herden anzugreifen, oder wenn er für Menschen gefährlich zu werden droht, könnte die Ausnahmeregel vom Tötungsverbot im Bundesnaturschutzgesetz greifen“, sagte der Minister.

Streit um Abschuss von Wölfen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Picture Alliance

Die beiden Regionen im Süd- und Nordschwarzwald sind inzwischen zu Wolfsgebieten („Förderkulissen“) erklärt worden. Solche Gebiete werden ausgewiesen, wenn sich ein Wolf nachweislich mindestens sechs Monate in einer Region aufgehalten hat. Nutztierhalter bekommen hier bis zu 100 Prozent der Kosten für Maßnahmen wie Schutzzäune vom Land bezahlt.

Gesa Kluth vom Lupus-Institut für Wolfsmonitoring geht davon aus, dass es im Südwesten durch Zuwanderung bald deutlich mehr Wölfe geben wird. Wo in Baden-Württemberg es Hinweise auf Wölfe gibt, ist auf der Internetseite des Umweltministeriums zu sehen.

Im Herbst 2020 informiert das Umweltministerium Baden-Württembergs in Kooperation mit dem Wildtierinstitut der Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Online-Events über den Wolf im Schwarzwald. Anlass ist die Zuwanderung eines zweiten Wolfes und die Ausweisung eines neuen Wolfspräventiongebietes.

Wo in Rheinland-Pfalz Wölfe leben

Auch in Rheinland-Pfalz sind Wölfe nachgewiesen worden. Nach Angaben der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz gab es 2020 bereits mehrere Nachweise von Wölfen. Zuletzt wurde am 21.10.2020 ein Welpe im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) tot aufgefunden. Mehrere Sichtungen des männlichen Wolfs GW1554m, der vielen unter dem Namen Billy bekannt ist, gab es im Juli im Landkreis Bitburg-Prüm. Ob sich der Wolf dauerhaft dort aufhält, ist noch unklar. Möglicherweise wurde er aber in Frankreich erschossen. Die Westeifel ist seit dem 1. November Wolfspräventionsgebiet.

Im Hunsrück konnte im Mai 2020 ebenfalls ein Wolf nachgewiesen werden. Dies zeigte DNA-Auswertung bei einem Schafriss. Es war der erste Wolfsnachweis in dieser Region. Weitere eindeutig belegbaren Sichtungen oder Nachweise gab es danach allerdings nicht mehr.

2018 siedelt sich das Wolfspaar GW914f und GW1159m im Feldkircher Wald bei Neuwied an. Bilder einer Wildtierkamera aus dem August 2019 zeigen eine Wölfin (Fähe) mit fünf Jungtieren. Im Sommer konnte mehrfach Kot des männlichen Wolfs (GW1159m) im Landkreis Altenkirchen nachgewiesen werden.

Wolfsfamilie (Foto: Umweltministerium Rheinland-Pfalz)
Eine Wildtierkamera hat im Kreis Neuwied eine Wölfin mit fünf Jungen erwischt. Umweltministerium Rheinland-Pfalz

Eine aktuelle Übersicht der jüngsten Spuren gibt es online bei der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz.

Was tun wenn man auf einen Wolf trifft?

Normalerweise sind Wölfe vorsichtige und schreckhafte Tiere, weshalb Begegnungen zwischen Mensch und Wolf eher selten sind. „Wölfe haben eher Angst vor uns als wir vor ihnen“, meint Wolfs-Expertin Kluth. Neugierige Jungtiere können aber schon mal in die Nähe des Menschen kommen und auch in Ortschaften auftauchen.

Falls Sie sich in einem Fahrzeug befinden oder als Reiter unterwegs sind, ist es möglich, dass die Tiere zutraulicher wirken und weniger scheu sind. Sollten Sie einem Wolf begegnen, ist Folgendes zu beachten:

  • Halten Sie Abstand. Gehen Sie nicht auf das Tier zu und bedrängen Sie es nicht.
  • Füttern Sie den Wolf unter keinen Umständen.
  • Laufen Sie nicht hastig weg. Entfernen Sie sich langsam, betont desinteressiert und reden Sie dabei laut.
  • Falls Sie sich unsicher fühlen, bleiben Sie stehen. Lautes Rufen, in die Hände klatschen und sich groß machen vertreibt die Tiere.
  • Tote, kranke oder verletzte Wölfe sollten weder angefasst noch verfolgt werden. Informieren Sie umgehend die Naturschutzbehörde, die Forstverwaltung oder die Polizei.

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