Lebensmittel im Müll (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Arno Burgi)

Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Essen für die Tonne? Was wir dagegen tun können

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Florian Reichinger

Aktuell läuft die bundesweite Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung. Doch wie viel Essen wird weggeworfen? Und was kann man als Einzelperson dagegen tun?

Laut WWF gehen weltweit 2,5 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln jährlich verloren, 1,2 Milliarden Tonnen davon beim landwirtschaftlichen Anbau. 40% der produzierten Menge erreicht nie den Endverbraucher. Für diese ungenutzten Nahrungsmittel wird mehr Land beansprucht als die Fläche der gesamten Europäischen Union. Mehr zur globalen Nahrungsmittelkette hören Sie hier:

Über die Hälfte der Lebensmittelabfälle fallen in Haushalten an

Eine Studie des Thünen-Instituts von 2019, auf die sich auch aktuelle Berichte von UN und Bundesregierung (BMEL) stützen, gibt Einblick in die Lebensmittelverschwendung Deutschlands. Die Menge der Lebensmittelabfälle in Deutschland liegt bei über 11 Millionen Tonnen pro Jahr. Über die Hälfte dieser Abfälle fällt in den Haushalten an. Dahinter kommen in absteigender Reihenfolge die Lebensmittelverarbeitung, der Außer-Haus-Verzehr von Lebensmitteln, die landwirtschaftliche Produktion und zuletzt der Handel.

Die Definition von "verschwendeten" Lebensmitteln ist jedoch alles andere als eindeutig. Es ist zum Beispiel unvermeidbar, dass Bananenschalen im Hausmüll landen, und doch zählen sie oft als Lebensmittelabfall. Unsere Marktcheck-Redaktion spricht gar von einer "fehlenden statistischen Grundlage" – die erhobenen Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Mehr zum Thema Lebensmittelverschwendung und Überproduktion in Deutschland lesen Sie hier:

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Food Waste und Klimaschutz

Der große Bedarf an Wasser und Energie, der Landverbrauch im Anbau und die Transportemissionen sind Klimakiller – Lebensmittelverschwendung beschleunigt den Klimawandel. 10 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen gehen laut WWF 10 Prozent auf das Konto der Lebensmittelverschwendung. Landwirtschaft ist die Ursache für 30 Prozent aller Treibhausgase und für 80 Prozent der globalen Waldabholzung. Deshalb steht Lebensmittelverschwendung in direktem Zusammenhang mit dem Verlust von Biodiversität und dem Abbau ökologischer Ressourcen.

Die Zahlen sind so erschreckend wie frustrierend. Umso wichtiger ist es, fertig produzierte Nahrung nicht in die Tonne wandern zu lassen, um diesem Trend entgegenzuwirken. Doch wie können Einzelpersonen zu weniger Lebensmittelverschwendung beitragen?

3 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

1. Planvolles Einkaufen und Verbrauchen

Um die eigenen Lebensmittelabfälle zu verringern, hilft durchdachtes Einkaufen. Überlegen Sie vor dem Einkauf, was Sie wann verbrauchen werden. Und achten Sie darauf, schneller verderbliche Lebensmittel zuerst zu verbrauchen. Im Supermarkt können Sie auch Produkte mit zeitnahem Mindesthaltbarkeitsdatum kaufen – so retten Sie Lebensmittel, die bereits den Großteil der Reise vom Feld zum Verbraucher hinter sich haben. Auch Supermarkt-Outlets ermöglichen das gezielte Retten von Lebensmitteln beim Einkauf:

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2. Apps gegen Lebensmittelverschwendung

Eine bequeme Variante, Lebensmittel vor der Mülltonne zu bewahren, sind Apps wie "Too Good To Go". Hier kann man bequem per Smartphone sehen, wo es übrig gebliebene Gerichte gibt – und diese direkt beim Restaurant abholen. Wie das im Detail funktioniert, sehen sie hier:

3. Selbst Lebensmittel retten

Es gibt vielvältige Möglichkeiten, gegen Lebensmittelverschwendung aktiv zu werden. Ehrenamtliche Organisationen wie Foodsharing kämpfen seit Jahren gegen die Lebensmittelverschwendung im Handel. Eine Mitgliedschaft ist schnell erworben. Wie der Alltag einer Foodsaverin aussieht, können Sie sich hier ansehen:

Eva, 30, mit einem Korb voller Lebensmittel in der Hand.  (Foto: SWR)
Eva Benz (30) aus Mainz ist Foodsaverin und setzt sich aktiv gegen die Lebensmittelverschwendung in Mainz ein. Sie rettet aussortierte Lebensmittel bei Supermärkten und Gastronomien. Bild in Detailansicht öffnen
Sie verteilt ihre geretteten Lebensmittel an Nachbarn, Freunde und Familie oder auch an sogenannte „Fairteiler“. Das sind offen zugängliche Schränke, an denen sich jeder bedienen kann. Bild in Detailansicht öffnen
Täglich werden viele übriggebliebene Lebensmittel aufgrund kleiner optischer Makel aussortiert. Viele der Lebensmittel sind aber noch gut und können bedenkenlos gegessen werden. Bild in Detailansicht öffnen
„Mich motiviert die Zusammenarbeit mit der Community und der Kontakt mit neuen Menschen. Ich habe durch Foodsharing meine Nachbarschaft kennengelernt. Ich hatte früher keine Nachbarschaft, ich habe früher nur dort gewohnt. Da entsteht ein solidarisches Netzwerk.“ Bild in Detailansicht öffnen

Doch es gibt auch Retter, die auf eigene Faust losziehen. Oft sind Lebensmittelhändler offen für Anfragen. So auch im baden-württembergischen Dorf Nufringen:

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