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Manche Denkmäler scheinen dafür geschaffen zu sein, nicht nur Aufmerksamkeit zu erregen, sondern auch zu polarisieren. Neuester Gegenstand kontroverser Diskussionen: Das Denkmal Peter Lenks zu "Stuttgart 21", das nun vor dem Stuttgarter Stadtpalais steht. Welche anderen Statuen im Südwesten umstritten waren, sehen Sie hier:

Stuttgart 21-Statue von Peter Lenk (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)
Die Stuttgart 21-Statue "S 21. Das Denkmal – Chronik einer grotesken Entgleisung" wurde in der Nacht auf den 27. Oktober vor dem StadtPalais in Stuttgart aufgestellt. Zentral ist eine Figur, die Ministerpräsident Kretschmann darstellt. Die Statue des Satire-Künstlers Peter Lenk ist neun Meter hoch, zehn Tonnen schwer und dürfte sicher das eine oder andere Gemüt erregen. Sebastian Gollnow Bild in Detailansicht öffnen
1891 wurde Erwin Rommel in Heidenheim geboren. Als Generalfeldmarschall diente Rommel im Zweiten Weltkrieg unter Hitler, bevor der ihn als vermeintlichen Mitschuldigen am Attentat 1944 zum Suizid drängte. Seit 1961 steht in Heidenheim ein Denkmal mit seinem Namen, im Juli 2020 wurde nun etwas ergänzt: Ein zerbrechliches Minenopfer steht mahnend davor. "Die Skulptur soll das Bild Rommels als Kriegshelden relativieren", so der Künstler Rainer Jooß. picture alliance/Christoph Schmidt/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Beim "Deutschen Eck" in Koblenz fließt die Mosel in den Rhein. Auf der künstlich aufgeschütteten, in die Flüsse hineinragenden Landzunge wurde 1891 eine Statue Kaiser Wilhelms des Ersten errichtet, die als Denkmal für die Deutsche Reichsgründung 1871 gelten sollte. Nachdem das Denkmal im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, war der verbliebene Sockel bis 1990 ein Mahnmal. Drei Jahre später wurde die umstrittene Skulpturengruppe wieder dort angebracht. Bild in Detailansicht öffnen
In einer sprichwörtlichen Nacht- und Nebelaktion brachte Peter Lenk 1993 die "Imperia" nach Konstanz. Inzwischen ist die provokante Statue eine der beliebtesten Touristenattraktionen von Konstanz. picture alliance/chromorange/Monika Wirth Bild in Detailansicht öffnen
In Trier wurde zum 200. Geburtstag von Karl Marx eine Statue aufgestellt – und zwar nicht irgendeine, sondern eine geschenkte. Aus China. Unter anderem deswegen war - und ist - das Denkmal des weltberühmten Philosophen umstritten. picture alliance / Peter Schickert Bild in Detailansicht öffnen
Noch ein Werk Lenks, das Aufsehen erregte: Der nackte Papst in einer Touristenberatungsstelle im Konstanzer Bahnhof. Die Figur ist eine Kopie des Papstes, der auch in der einen Hand der "Imperia" sitzt. Nach drei Monaten wurde diese Skulptur allerdings wieder entfernt. picture alliance / dpa / Patrick Seeger Bild in Detailansicht öffnen

Lenk und seine satirischen Kunstwerke

Der Name "Peter Lenk" fällt zwangsläufig, wenn man über kontroverse Denkmäler und Statuen im Südwesten spricht. Sei es die neueste Statue zu "Stuttgart 21" oder die inzwischen bekannte und beliebte "Imperia" in Konstanz. Lenk wurde 1947 in Nürnberg geboren und lebt in Bodmann-Ludwigshafen am Bodensee. Berühmt ist er für seine Plastiken aus Gussbeton, wie eben auch die "Imperia" und das neue Denkmal zu "Stuttgart 21". Mit seinen Kunstwerken porträtiert Lenk von ihm so empfundene gesellschaftliche Missstände.

Denkmäler werden neu bewertet

Doch nicht alle Denkmäler sind wie bei Lenk dazu gedacht, zu polarisieren: Viele Statuen und Denkmäler werden heutzutage kritischer betrachtet als zu ihrem Enstehungszeitpunkt. Beispielsweise beim Denkmal für Erwin Rommel, der zuerst als Kriegsheld gefeiert wurde, dessen Rolle später aber nach Ende des Zweiten Weltkriegs völlig neu bewertet werden musste.

Der "Bildersturm", der teilweise in den USA und England stattfand, hat auch in Deutschland Diskussionen entfacht - welche Kritik auch am "Bismarckturm" in Stuttgart geübt wird und welche Lösungen Josef Klegraf vom Verein "Zeichen für Erinnerung" für sinnvoll hält, können Sie hier hören.

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