Der ganz persönliche Abschied

Individuelle Bestattungen in Deutschland

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Eine Beisetzung in Irland hat in den Sozialen Netzwerken für große Aufmerksamkeit gesorgt. Der Verstorbene ließ seine Stimme aus dem eigenen Sarg abspielen – zur großen Überraschung der Trauergäste. Ist das auch in Deutschland denkbar?

Ein ähnlicher Fall wie in Irland sei in Deutschland nicht bekannt. Das teilte uns der Bundesverband Deutscher Bestatter mit. Beim Umgang mit der Gestaltung der eigenen Beisetzung sei aber ein deutlicher Wandel zu beobachten. Immer mehr Menschen wünschten sich eine persönlichere und individuellere Bestattung.

Bestattungen werden individueller

Auch eine zunehmende Loslösung der Bestattungsriten von religiösen Institutionen sei zu beobachten. Neben den traditionellen Erd- und Feuerbestattungen sind Naturbestattungen ein neuer Trend. Statt auf einem Friedhof werden die Verstorbenen auf dem Meer, an einem Berg oder in einem Wald bestattet.

Ist die Zukunft des Sarges bunt?

Um das Tabu-Thema „Tod“ wieder mehr in die öffentliche Debatte zu holen, hat der Bundesverband Deutscher Bestatter gemeinsam mit anderen Partnern die Kampagne „My Coffin“ (Deutsch „mein Sarg“) gestartet. Dabei haben Künstler Särge für ausgewählte Persönlichkeiten gestaltet. In den sozialen Medien haben diese dann mit mit Nutzern darüber diskutiert.

Ob diese Aktion dazu führen könnte, dass mehr Menschen sich in Zukunft für ihre eigene Beerdigung einen solch bunten Sarg wünschen, ist noch nicht abzusehen. Urnen in den verschiedensten Formen und Farben werden jedoch bereits seit einigen Jahren angeboten.

Feuerbestattungen nehmen zu

Die Zahl der Feuerbestattungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Derzeit machen sie zwei Drittel aller Bestattungen in Deutschland aus. Bei der Feuerbestattung ist nicht nur die traditionelle Urnenbestattung möglich. Die Einäscherung kann auch Grundlage für weitere Möglichkeiten sein, wie zum Beispiel die Beerdigung in einem Friedwald.

Letzte Ruhe unter alten Bäumen in Wangen (Foto: SWR)
In Friedwäldern wird die Asche Verstorbener in speziellen Urnen beigesetzt.

In Deutschland gilt der Friedhofszwang. Das heißt, Leichname oder deren Asche müssen auf Friedhöfen beerdigt werden. Ausnahmen sind die Seebestattung oder die Bestattung in einem Friedwald. Auf privaten Grundstücken ist eine Bestattung ebenso wenig erlaubt wie eine Urne in der eigenen Wohnung aufzubewahren.

Ungewöhnliche Bestattungsarten im Ausland

Im Ausland sind die Gesetze zum Teil nicht so streng wie bei uns. Manche Menschen möchten die Zeit vielleicht auf andere Weise überdauern. Sie lassen hierzu ihre Asche zu Diamanten umwandeln. Dieser Prozess ist allerdings nicht in Deutschland möglich, weshalb die Asche Verstorbener zu diesem Zweck oft in die Schweiz überführt wird.

Diamenten, die aus Asche von Verstorbenen gepresst wurden, liegen in einem Bestattungsinstitut in Speyer.  (Foto: SWR, Felicitas Reichold)
Diamanten, die aus der Asche Verstorbener erzeugt wurden. Felicitas Reichold

Auch Luftbestattungen, bei denen die Asche aus einem Flugzeug, Hubschrauber oder Heißluftballon heraus über ein ausgewiesenes Gebiet verstreut wird, sind zwar in anderen europäischen Staaten möglich, jedoch nicht auf dem deutschen Bundesgebiet.

Nach dem Tod noch Raumfahrer sein

Besonders kostspielig ist eine Weltraumbestattung, bei der auch meist nur ein Teil der Asche mit einer Rakete ins Weltall geschickt wird. Auch hier gibt es verschiedene Varianten. Diese reichen von orbitalen Flügen, bei denen die Asche dann meist in der Atmossphäre verglüht, über die Mondbestattung, bis hin zur Sendung der verbannten Überreste in die Tiefe des Alls.

Raketenstart (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die letzte Reise sieht so bisher nur für wenige Menschen aus. Picture Alliance

Oft werden aber auch nur die kostengünstigeren suborbitalen Flüge angeboten, die die Asche nur an den Rand des Weltalls bringen. Außerdem schlagen Raketenstarts auch immer wieder fehl.

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