STAND
AUTOR/IN

Sie suchen noch nach Ausflugszielen für das Wochenende? Dann sind Sie bei uns genau richtig! Unsere aktuellen Ausflugstipps sind auch für trübes und regnerisches Wetter geeignet.

Nach einer kurzen Pause ist der trübe Herbst wieder zurückgekehrt. Wenn sich nun der ein oder andere Regenschauer ankündigt, zieht es einen dabei eher nach drinnen. Deshalb haben wir für Sie Ausflugstipps zusammengestellt, die Sie bei jedem Wetter genießen können.

Für alle, die es eilig haben, gibt es hier unsere Tipps im Überblick.

„Türkenbeute“ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe

Diesen Samstag startet die Ausstellung „Kaiser und Sultan“ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe. Gezeigt wird nicht nur die so genannte „Türkenbeute“, die Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden in den Kriegen gegen die Osmanen erbeutet hatte, sondern auch weitere Stücke, die seine Familie über mehrere Generationen zusammengetragen hat. Die Exponate aus dem 17. Jahrhundert gehören zu den ältesten Sammlungsbeständen des Landesmuseums.

„Kaiser und Sultan. Nachbarn in Europas Mitte 1600–1700“

Eiserne Kriegskasse (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Uli Deck)
Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums: „Es ist einer der ältesten Sammlungsbestände, die wir überhaupt haben. Badische Familiengeschichte ist der Ausgangspunkt. Der ,Türkenlouis‘, Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, hat auf dem Balkan gekämpft, 1691 die Schlacht von Slankamen gewonnen. Die Familie hat dieses Ereignis über Generationen gefeiert – und auch weitere Stücke gesammelt. Das ist ein Bestand, der wirklich in die Tiefe der badischen Geschichte führt.“ - Auf dem Bild: Eiserne Kriegskasse von 1687 . Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Exotische Trophäen aus einer glorreich gewonnenen Schlacht. So wurden die prunkvollen Sättel, Waffen und Rüstungen, die Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden aus den sogenannten „Türkenkriegen“ mit nach Hause brachte, in seiner Heimat jahrhundertelang stolz präsentiert. - Auf dem Bild: Polnische Husarenrüstung mit Sturmhaube aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Auch als die Markgrafen schon längst abgedankt hatten, wurde an dieser Art der Geschichtsschreibung nicht viel verändert. Erst in jüngster Zeit hat man damit begonnen, einen anderen Blick auf die Sammlung zu werfen, generell auf die Epoche des 17. Jahrhunderts im südosteuropäischen Raum. - Auf dem Bild: Edelsteinbesetzter Prunksattelder aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt. Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien und Serbien grenzten direkt an das Osmanische Reich und hatten damit auch die Funktion einer Verbindungsbrücke zwischen Okzident und Orient, erklärt Schoole Mostafawy, Kuratorin der Ausstellung: „Diese Verbindung zwischen den Kulturen wird sichtbar. Zum Beispiel in einem Pfeil-Köcher, der mit orientalischen Arabesken verziert ist, aber in der Mitte eine lateinische Inschrift trägt. Oder an einem osmanischen Streitkolben von 1625, hergestellt in Siebenbürgen, der zum Zepter umfunktioniert wurde und Teil der Kron-Insignien der Badischen Markgrafen, der späteren Großherzöge wurde (s. Bild).“ Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellung zeigt auch, wie fasziniert man hierzulande von der osmanischen Kultur war - nicht umsonst spricht man von der „Turkomanie“. An den mitteleuropäischen Höfen verkleidete man sich mit Turbanen, wallenden Gewändern und Schnabelschuhen. Man übernahm erst zögerlich, dann immer begeisterter das Kaffeetrinken. - Auf dem Bild: Osmanisches Zelt, („Das blaue Zelt“) aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Doch der Transfer beschränkte sich nicht nur auf Wissen und Luxusgüter, betont Museumsdirektor Eckart Köhne: „Es sind auch Menschen hin- und hergewechselt. Wo heute Flüchtlinge unterwegs sind, war es damals genauso. Das Habsburger Reich war damals sehr restriktiv, hat gegenreformatorisch den Katholizismus zu stärken versucht. So sind damals viele Protestanten geflohen, von West nach Ost, weil sie im osmanischen Reich einen toleranteren Herrscher vorgefunden haben.“ - Auf dem Bild: Ungarische Prunkbrigantine, ca. 1670 st. Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
An Multimediastationen kann man die Geschichte von Flüchtlingen, ihre Routen und Beweggründe nachvollziehen. Die Brücke ins Heute schlagen: viele Fluchtursachen sind die gleichen geblieben: Bedrohung durch Kriege, mangelnde Bildungschancen, politische Verfolgung und wirtschaftliche Not. - Auf dem Bild: Osmanisches feuervergoldetes Streitbeil von Ende des 16. Jahrhunderts. Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Die aktuelle Ausstellung im Badischen Landesmuseum möchte sich bewusst von früheren Ausstellungen über diese Epoche und die sogenannten „Türkenkriege“ absetzen. Noch eindringlicher wäre das sicher gelungen, wenn nicht doch wieder so viele Waffen, Rüstungen und Schlachtengemälde gezeigt worden wären. Wenn man ein neues Narrativ für dieses Kapitel europäisch-osmanischer Geschichte finden möchte, muss man wohl auch neue Ausstellungsformate finden. - Auf dem Bild: Turbanumwundener Helm von Ende des 17. Jahrhunderts. Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Doch der Anfang ist gemacht: in der Ausstellung des Badischen Landesmuseums wird deutlich, warum es sich gerade auch mit Blick auf unsere Gegenwart lohnt, von den gegenseitigen positiven Einflüssen zu sprechen- aber auch davon, wie kostbar und zerbrechlich der Frieden in dieser Region ist. - Auf dem Bild: Osmanischer Teppich (Vorläufer der Siebenbürger Teppiche) aus dem 17. Jahrhundert. Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen

Azteken im Linden-Museum Stuttgart

Wenn Sie sich für fremde Kulturen und Geschichte begeistern, dürfte Sie die Ausstellung „Azteken“ im Stuttgarter Linden-Museum interessieren. Rund 150 herausragende Leihgaben aus europäischen und mexikanischen Museen können in dieser besonderen Ausstellung gesehen werden Sie findet noch bis zum 3. Mai 2020 statt.

Ausstellung Wiedereröffnung am 12.5.: „Azteken“ im Linden-Museum Stuttgart

Azteken-Ausstellung im Linden-Museum Stuttgart (Foto: SWR, Silke Arning)
Die Stuttgarter Ausstellung bemüht sich dagegen um einen differenzierteren Blick. Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
„Man hat sehr viel geopfert. Aber 80 Prozent waren Pflanzen und Tiere“, so die Direktorin des Stuttgarter Linden-Museums, Inès de Castro. „Natürlich gab es auch Menschenopfer und wir wollen das auch überhaupt nicht verschweigen. Aber wir sollten uns eine breite Sichtweise angewöhnen.“ Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem Selbstopfer eines Gottes beginnt die fünfte und letzte Ära der Azteken. Von der Vorgeschichte, der Entstehung der Welt, erzählt der berühmte Sonnenstein der Azteken. Ein animierter 3D-Druck des Originals, das mit seinen 24 Tonnen einfach zu schwer für einen Transport nach Deutschland war, setzt die Gründungsmythen der Azteken sehr lebendig in Szene. Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Ein Kosmos, der aus 2.000 Göttern bestand - oder einem Gott in 2.000 Variationen, mit sehr komplizierten Namen. Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Doris Kurella, die Kuratorin der Ausstellung, hat den Tempelbereich mit seinen sakralen Bauten modellhaft und ästhetisch sehr gelungen nachgezeichnet. Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen

Naturhistorisches Museum Mainz

Urzeitlichen Tieren kann man im Naturhistorischen Museum Mainz auf die Spur gehen. Erst kürzlich wurde es nach einer langen Renovierung wiedereröffnet. Dabei beeindruckt es mit über 2.000 faszinierenden Original-Fundstücken und fast lebensechten Rekonstruktionen ausgestorbener Tierarten.

Bundesbank-Bunker in Cochem

Ein Stück bundesdeutscher Geschichte, das lange Zeit ein wohl gehütetes Geheimnis war, kann man in Cochem an der Mosel entdecken. Dort liegt der ehemalige Bundesbank-Bunker. Dieser hätte die Bundesrepublik mit einer Notstandswährung versorgt, falls zur Zeit des Kalten Krieges die D-Mark durch den damaligen Gegner entwertet worden wäre. Es werden täglich mehrere Führungen durch die Anlage angeboten.

Donaueschinger Musiktage

Auf den Donaueschinger Musiktagen präsentieren dieses Wochenende über 200 Künstlerinnen und Künstler die Klangwelten der Neuen Musik. Karten sind für einige Veranstaltungen noch online oder vor Ort erhältlich. Das Eröffnungskonzert wird zudem von SWR Classic als Livestream im Internet übertragen.

Theater-Premieren im Südwesten

An diesem Wochenende feiern ebenso gleich mehrere Bühnenstücke ihre Premiere im Südwesten. Im Theater Freiburg startet Elfriede Jelineks Werk „Wut“, in welchem sie die Facetten dieses menschlichen Gefühls ergründet. Dazu kommt eine Inszenierung von E.T.A. Hoffmanns Buch „Der Sandmann“. Das Staatstheater in Karlsruhe zeigt „den Faust“ als Oper von Charles Gounod. Doch auch andere Vorstellungen warten auf Sie!

Bühne Diese Bühnen-Premieren im Südwesten sind die Highlights im Herbst

Theater-, Oper- und Konzertpremieren im Herbst 2019 (Foto: Imago, Carsten Thesing)
„Stuttgart 21“ wird von der Baustelle zur Bühne – auf der düstere Musik gespielt wird. Schorsch Kamerun formt mit Künstlerinnen aus Stuttgart und Stuttgarter Philharmonikern „die riesige Umgrabung“ zu einer klanglichen Rückkopplung um. Der Musikabend „Motor City Stuttgart“ am 19. September im Schauspiel Stuttgart erinnert an den dystopischen Apparatesound von „Detroit Techno City“. Schorsch Kamerun ist bekannt als Sänger der Hamburger Band „Die Goldenen Zitronen“. Imago Carsten Thesing Bild in Detailansicht öffnen
„Pasionaria“ – das soll ein futuristisch-dystopischer Bühnenplanet sein. Auf ihm bewegen sich künstliche Wesen, die menschliches Leben zwar perfekt imitieren können, jedoch alles vermissen lassen, was Menschen ausmacht: innere Empfindung, Eros und Hingabe, Leiden, Trauer und Schmerz. Ein Programm des weltweit bekannten spanischen Choreografen Marcos Morau und seiner Tanzkompanie La Veronal am 27. September im Theater Freiburg. Imago Martin Müller Bild in Detailansicht öffnen
Das Theater Konstanz bringt mit „Junge Hunde“ am 28. September einen Coming-of-Age Roman von Christoph Nix auf die Bühne und schildert den Weg eines jungen Menschen während der 68er-Zeit in den linken Widerstand. Ein Stoff, mit dem das Theater die aktuelle Frage neu beantworten möchte, wann der Widerstand des einzelnen beginnen sollte. Felix Kästle Bild in Detailansicht öffnen
Ein neuer Ingmar-Bergman-Abend von Regisseurin Anna Bergmann zur Eröffnung der Spielzeit am Staatstheater Karlsruhe: „Passion – Sehnsucht der Frauen“ am 5. Oktober. Diesmal verwebt die Karlsruher Schauspieldirektorin die Geschichten aus Ingmar Bergmans Filmkomödie „Sehnsucht der Frauen“ (1952) mit Szenen aus seinen Filmen „Wie in einem Spiegel“ (1961) und „Eine Passion“ (1968) zu einem dichten Kammerspiel. Geheimnisse aus der Vergangenheit der Frauen verbinden sich mit gegenwärtigen Ereignissen. epd Pressebild Wentzell Bild in Detailansicht öffnen
Elfriede Jelinek will ergründen, woher die namenlose Wut kommt, die plötzlich aus Menschen herausbricht und sich scheinbar gegen alles und jedes richten kann. Wut auf „die da oben“, die Wut der abgehängten Kleinbürger auf die elitären Großbürger. Und natürlich empfindet man irgendwann auch Wut auf all die Wütenden, die alles in Frage stellen, Demokratie und Liberalität. Woher kommt die plötzliche, narzisstische Selbstermächtigung der sich ohnmächtig Fühlenden? Am 18. Oktober im Theater Freiburg. Karl Schöndorfer Bild in Detailansicht öffnen
Das Staatstheater Karlsruhe setzt seine Reihe großer französischer Opern fort. Nach den Trojanern und dem Propheten folgt jetzt mit der Premiere des „Faust“ von Gounod am 19. Oktober eine Oper, die für das Ensemble Paraderollen bietet. Die Musikalische Leitung hat wie bei Gounods „Roméo et Juliette“ Daniele Squeo. Die Regie führt der britische Regisseur Walter Sutcliffe. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Ständig sucht der Mensch nach Erlösung von der ewigen Frage nach dem Sinn des Daseins. In einer Zeit des „medialen Dauerfeuers“ scheint die Diktatur der einfachen Antworten dafür besonders gute Gelegenheiten zu bieten. Ein interessanter Ausgangspunkt für die Inszenierung von Becketts Klassiker „Warten auf Godot“ am 19. Oktober am Mannheimer Nationaltheater in der Regie von Sandra Strunz. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Die großen Phantasiestoffe von E. T. A. Hoffmann sind ein Schwerpunkt am Theater Freiburg. Nach der Aufführung von „Der goldne Topf“ und der Offenbach-Oper „Hoffmanns Erzählungen“ während der vorausgegangenen Spielzeiten wird am 19. Oktober der flämische Regisseur Stef Lernous den schwarzen Roman „Der Sandmann“ auf die Bühne bringen, den Sigmund Freud als exemplarische Studie über Verdrängung kindlicher Traumata und das allmähliche Abgleiten in den Wahnsinn deutete. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und ein schönes Wochenende!

STAND
AUTOR/IN