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Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Welt mit voller Wucht getroffen. Nichts scheint mehr zu sein, wie es vor einigen Monaten war. SWR-Onlineredakteur Michael Glang beschreibt, wie er die Situation erlebt und dabei vor allem vier Gefühle durchlebt: Sorge, Hoffnung, Ärger und Glück. Und welches davon letztlich überwiegt.

Sorge in Zeiten des Coronavirus

Ich bin ein Mensch, der versucht, immer optimistisch an Dinge heranzugehen. Für mich ist es ein neues Gefühl, in ständiger Sorge zu leben. Denn das, was ich morgens nach dem Aufstehen empfinde, ist genau das: tiefe Sorge. Wie entwickeln sich die Zahlen der Infizierten und Toten? Sind meine Freunde und Familie sicher? Nie zuvor habe ich so viel zu einem Thema wie dem Coronavirus gelesen und doch das Gefühl, kaum etwas darüber zu wissen. Und was wir nicht verstehen, das macht uns Angst.

Dazu kommt die Sorge, ob unser Gesundheitssystem der Krise standhält. In Kliniken und in der Pflege sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon jetzt einer enormen Belastung ausgesetzt. Ebenso geht es den Menschen in Supermärkten und überall dort, wo sie unser Leben am Laufen halten.

Hoffnung auf einen Stopp der Corona-Pandemie

Gleichzeitig bin ich immer wieder voller Hoffnung, dass es Wissenschaft und Politik gelingen wird, die Pandemie zu stoppen. Ich bin fasziniert davon, mit welcher Intensität Forscherinnen und Forscher auf der Suche nach einem Impfstoff arbeiten, wie schnell Studien aufgelegt werden und diskutiert werden. Auch, wenn noch unklar ist, wie das Coronavirus letztlich gestoppt werden kann: Ich bin mir sicher, dass es der Forschung in Deutschland und weltweit gelingen wird, diese Pandemie einzudämmen.

Hoffnung verleiht mir auch die Politik. Die beschlossenen Maßnahmen sind einigen zu locker, andere empfinden sie als zu großen Eingriff ins Leben. Ich persönlich finde sie gut. Auch, wenn die Einschränkungen viele Menschen vor Probleme stellen, etwa Eltern und vor allem Alleinerziehende, die weiterhin die Betreuung ihrer Kinder organisieren müssen. Hier stehen die dringlichsten weiteren Lockerungen an. Ob die aktuellen Maßnahmen sinnvoll sind, werden die kommenden beiden Wochen zeigen. Niemand weiß das. Doch mein Gefühl sagt mir: Ja, mit der schrittweisen Rückkehr ins normale Leben wird es funktionieren! Da kommt er dann doch wieder durch, der Optimist.

Diese Dinge ärgern mich

Auch in der aktuellen Situation gibt es Dinge, die mich ärgern. Menschen, die die Verunsicherung der Bevölkerung für sich nutzen wollen. Die Falschmeldungen in sozialen Medien verbreiten und damit dazu beitragen, dass Verschwörungstheorien zum Coronavirus kursieren. Auch Nachrichten von Menschen, die sich über das Kontaktverbot hinwegsetzen, ärgern mich sehr. Mittlerweile muss jedem klar sein, dass die Einhaltung der Regeln maßgeblich dazu beiträgt, die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Wer sich nicht daran hält, sorgt mit dafür, dass unser Leben weiter eingeschränkt ist.

Glück empfinden in der Coronazeit

Ich erlebe aber auch weiterhin Situationen, die mich glücklich machen und die es erleichtern, mit der Situation umzugehen. Die vielen Hilfsaktionen, von denen es auch im Südwesten eine Menge gibt, zeugen von einer Solidarität, wie ich sie vorher nicht erkannt habe. Dazu kommen die kleinen Dinge: Beim Italiener um die Ecke kann man die Pizza jetzt abholen, auf dem Karton steht handschriftlich „Bleib‘ gesund! Grazie, Vito!“. Ich war ernsthaft gerührt, als ich das zum ersten Mal las.

Vor einigen Tagen hatte ein Freund 40. Geburtstag. Wegen der Kontaktbeschränkungen hatte er nichts geplant. Wir überraschten ihn gemeinsam mit seinen Nachbarn und stießen nach einem Distanz-Ständchen im Hinterhof „kontaktlos“ an. Anschließend plauderten wir noch über eine Stunde quer durch den Hof und hatten alle einen tollen Abend. Persönliche Treffen sind eben durch nichts zu ersetzen - auch mit Sicherheitsabstand. Obwohl auch die vielen Video-Chats mit Freunden und der Familie gut tun. So hält man den Kontakt etwas persönlicher als „nur“ per Telefon. Wir alle sehen die uns wichtigen Menschen eben am liebsten, statt sie nur zu hören.

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Am Ende bleibt vor allem …

Hoffnung! So sehr ich morgens mit Sorgen aufstehe, so hoffnungsvoll gehe ich abends ins Bett. Der Alltag tut mir gut. Das Arbeiten im Homeoffice, die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, der Sonnenschein beim kurzen Spaziergang, der Austausch mit meiner Verlobten am Abend. Wir wollen im Mai heiraten, möglicherweise werden nur wir zwei dabei sein. Die Feier ist aufs nächste Jahr verschoben. Aber hey, so kann sie das Hochzeitskleid sogar zwei Mal tragen! Man muss die Dinge konstruktiv angehen.

Und es bleibt die Hoffnung, dass vieles von dem, was wir in der Vergangenheit als Problem angesehen haben, nach dem Ende der Pandemie in Relation betrachtet wird. Was ist denn wirklich problematisch? Im letzten Jahr gab es endlose Debatten darüber, ob die Uhren weiter von Normal- auf Sommerzeit umgestellt werden sollen. Es erscheint mittlerweile so nichtig.

Lassen Sie uns also weiter Abstand halten, denn nichts zeugt aktuell mehr von menschlicher Nähe als das. Umso inniger werden die Umarmungen ausfallen, wenn wir das alles erst überstanden haben. Bleiben Sie gesund!

Wie geht es Ihnen in Zeiten der Coronakrise? Schreiben Sie uns gerne unten in den Kommentaren!

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