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Karlsruhe: Gegen Hetze und Fremdenfeindlichkeit im Netz Wenn man auf Facebook als "Scheiß-Bimbo" beschimpft wird

Tenisha hat Hetze im Netz erlebt. Wegen Ihrer Hautfarbe wurde sie beschimpft und beleidigt. Irgendwann hielt sie den Druck nicht mehr aus – und versuchte, sich das Leben zu nehmen.

Junges Mädchen mit dunkler Hautfarbe schaut in die Kamera

Tenisha (16): "Ich wurde beschimpft, geschlagen und ausgegrenzt."

Mit 14 postet Tenisha einmal ein Bild von sich auf Facebook. Die Kommentare dazu? "Iiiieh! Die is‘ schwarz!, scheiß Niggah!" oder "Ausländer raus!" Am nächsten Tag wird sie von einer Gruppe Jugendlicher, die von diesen Kommentaren angestachelt wurden, abgefangen, beschimpft und gedemütigt. "Scheiß-Bimbo" und "dreckige Niggahure" rufen sie. Tenisha ist Halbamerikanerin mit dunkler Hautfarbe. "Ich wurde beschimpft, geschlagen und ausgegrenzt weil ich nicht so aussehe, wie es anderen passt."

Handgelenk mit Tattoo und Narben

Die Narben an Tenishas Unterarm sind stumme Zeugen Ihres Leidenswegs.

Irgendwann hat Tenisha Angst, sich unter Menschen zu begeben. Sie wird mehr und mehr ausgegrenzt, will nichts mehr essen und fängt an, sich zu ritzen. Tenisha fällt in ein tiefes, tiefes Loch. Sie versucht, sich das Leben zu nehmen, die Pulsadern aufschneiden, damit es endlich vorbei ist. In der anschließenden Therapie lernt sie Ihre beste Freundin Diana kennen. Sie hilft Tenisha, solche Angriffe zu ignorieren und nicht an sich heranzulassen. Heute ist sie über alles hinweg, sagt Tenisha. Manchmal aber kann man die Tränen erahnen, die sie unterdrückt. Und die Narben an ihrem Unterarm sind stumme Zeugen Ihres Leidenswegs.

Wir müssen mehr gegen Cybermobbing tun

Die Fakten zum Projekt:
Laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest gibt jeder sechste Jugendliche (17 %) zwischen 12 und 19 an, dass im Netz schon einmal etwas Falsches oder Boshaftes über ihn verbreitet wurde.
Der Verein "Bündnis gegen Cybermobbing" hat mit Hilfe von Herzenssache seit 2014 bereits 292 Lehrer, 1.176 Schüler und 451 Eltern über die Gefahren von Cybermobbing informiert und sensibilisiert.

Durch die aktuelle Flüchtlingskrise verschärft sich die Situation spürbar weiter. Im Schutz eines scheinbar anonymen Internets kann man unbeobachtet gegen andere hetzen, Fremdenfeindlichkeit verbreiten und sich unter Gleichgesinnten stark fühlen. Der Verein "Bündnis gegen Cybermobbing" macht sich zusammen mit Herzenssache gegen diese Lästereien im Netz stark. Dank der Förderung durch Herzenssache konnten seit 2014 weit über 1.000 Schüler sowie hunderte Lehrer und Eltern im Umgang mit Cybermobbing geschult werden. Die übereistimmende Rückmeldung war: Wir brauchen MEHR davon!

Hier setzt das Folgeprojekt Gegen Fremdenfeindlichkeit im Netz an, in dem Schüler mit Migrationshintergrund eine Schlüsselrolle einnehmen. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass diese Schüler, ihre Eltern und Lehrer, eine Vorbildfunktion haben. Es ist nämlich nicht mehr so einfach, gegen Ausländer und Flüchtlinge zu hetzen, wenn ein Mitschüler mit Migrationshintergrund vor einem steht.
Die Umsetzung des Projekts ist an jeweils drei Brennpunktschulen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland geplant.

Cybermobbing - was ist denn das?
Mit den aus dem Englischen kommenden Begriffen Cybermobbing (auch Internet-Mobbing, Cyber-Bullying sowie Cyber-Stalking) werden verschiedene Formen der Diffamierung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen oder Firmen mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel über das Internet, in Chatrooms, beim Instant Messaging und/oder auch mittels Mobiltelefonen bezeichnet. Dazu gehört auch der Diebstahl von (virtuellen) Identitäten, um in fremden Namen Beleidigungen auszustoßen oder Geschäfte zu tätigen usw. (Quelle: Wikipedia).