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Ulm: Begleiteter Umgang nach häuslicher Gewalt Mehr als ein Kind ertragen kann

Carlos ist während der Trennung seiner Eltern zwischen die Fronten geraten. Der Kinderschutzbund Ulm gibt ihm die Möglichkeit, seinen Papa unter Aufsicht weiter zu sehen, ohne dass er die Situation alleine im Griff haben muss.

Als Carlos Eltern sich getrennt haben, war er grade fünf Jahre alt. Eine sehr schwere Zeit für ihn, denn Mama und Papa haben sich vor ihm oft und heftig gestritten. Nach der gewaltreichen Trennung kam sein Vater eines nachts nach Hause und trat die Tür ein. Er wollte Carlos sehen. Seine Mutter rief die Polizei. Nach einem halben Jahr kam ein Brief ins Haus, ein Vater hatte "Umgang" beantragt. Seine Mutter wollte das nicht, aber der Richter hatte entschieden, dass Carlos seinen Vater sehen sollte. Carlos war es nicht wohl dabei: Einerseits fand er die Idee gut, andererseits machte er sich Sorgen.

"Klaro" hilft dank Herzenssache

In Ulm gilt der Kinderschutzbund seit dem Projekt "Klaro", das 2011 durch die Förderung von Herzenssache realisiert werden konnte, als Vorreiter im Bereich Hilfe für Kinder, die Opfer von Gewalt geworden sind. Seit langem wird dort auch sogenannter "begleiteter Umgang" angeboten, wenn es zu massiver Gewalt in der Familie kam. Dabei dürfen die Mutter oder der Vater ihr Kind in Anwesenheit einer neutralen, psychologisch geschulten Person treffen. Für viele Kinder ist das eine gute Möglichkeit. Haben sie aber selbst Gewalt erlebt, dann kann ihnen der Umgang mit den Eltern auch schaden.

Das Wohl des Kindes steht im Mittelpunkt

2014 stieg der Anteil der begleiteten Familien in Ulm, bei denen es zu Gewaltanwendung kam, auf 43 Prozent.
In Zukunft sollen deswegen schon in der ersten Kontaktphase sowohl die Eltern als auch die Kinder gezielt von Fachkräften beraten werden. In begleitenden Gesprächen steht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt. Wie erlebt es den Kontakt? Belasten die Besuche das Kind zusätzlich? Abschließend sprechen die Berater Empfehlungen für das weitere Vorgehen aus. Die Gesamtkosten für das Modellprojekt belaufen sich auf rund 80.000 Euro. Dank 30.000 Euro Spendengeldern von Herzenssache kann es nun umgesetzt werden.