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Titisee-Neustadt: Inklusion auf Rädern Herzenssache hilft nach der Brandkatastrophe

Am 26.11.2012 explodiert ein Gasofen in einer Werkstatt für Behinderte in Titisee-Neustadt. 14 Menschen kommen ums Leben, darunter auch eine Betreuerin. 97 Menschen können sich aus dem Werkstattgebäude retten.

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Nach dem Brand in Titisee-Neustadt

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Mittwochmorgen 10:30 vor dem SWR Funkhaus in Baden-Baden: Der Herzenssache-Bus wartet darauf, seinem neuen Besitzer übergeben zu werden.

Mittwochmorgen 10:30 vor dem SWR Funkhaus in Baden-Baden: Der Herzenssache-Bus wartet darauf, seinem neuen Besitzer übergeben zu werden.

Bei so einem erfreulichen Anlass kann auch das regnerische Wetter die Stimmung nicht trüben: Gerhard Wienandts (Gruppenleiter im Arbeitsbereich der Werkstatt für Behinderte Titisee-Neustadt), Ingrid Felgenträger (Landessendedirektorin des SWR BW und stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Herzenssache e. V.), Rainer Suchan (Redaktionsleiter, Studio Freiburg) und Oliver Meihofer (stellvertretender Abteilungsleiter des Caritas Bildungszentrum Freiburg) bei der Busübergabe.

Ingrid Felgenträger übergibt den Schlüssel zum Herzenssache-Bus an Gerhard Wienandts.

Gerhard Wienandts mit dem Schlüssel zum neuen Bus. Dem behindertengerechten Transport der Werkstattmitarbeiter steht jetzt nichts mehr im Weg.

Ein Gasofen hatte am 26.11.2012 einen Brand in der Behindertenwerkstätte ausgelöst. 14 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben.

Die Rettungsarbeiten gingen bis tief in die Nacht. Nach der Katastrophe ruhte die Arbeit in der Behindertenwerkstatt sechs Wochen lang. Mittlerweile wird langsam wieder zum Arbeitsalltag übergegangen.

Nach der Katastrophe ruht der Betrieb sechs Wochen lang. Die behinderten Beschäftigten müssen tagsüber von ihren Angehörigen oder in ihren Wohnheimen beschäftigt und betreut werden – ein Kraftakt für alle Beteiligten. Mittlerweile hat die Werkstatt ihren Arbeitsalltag wieder aufgenommen, allerdings in Ausweichquartieren in der Umgebung. Die kilometerlangen Transportwege dorthin stellen die Caritas vor ein logistisches Problem.

Inklusion auf Rädern

Herzenssache hilft mit einem behindertengerechten Kleinbus, der die Beschäftigten unter Beibehaltung ihrer gewohnten Gruppen zu den Arbeitsplätzen bringt. Außerdem wird er zur Inklusion beitragen: Einige Betriebe aus der Region haben Praktikumsplätze zur beruflichen Qualifizierung von behinderten Beschäftigten angeboten. Mit dem Bus, der am 20. März offiziell übergeben wurde, können diese Chancen nun genutzt werden.

Mann packt einen Karton, Menschen sitzen um einen Tisch

Annäherung an den Arbeitsalltag

Rückkehr zur Normalität

In der Caritas Werkstatt in Titisee-Neustadt arbeiten etwa 120 Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Die Mitarbeiter erledigen Aufträge für Unternehmen aus der Region. Sie sollen so in ein normales Arbeitsleben und damit auch in die Gesellschaft integriert werden. Träger der Einrichtung ist die Caritas Freiburg.
Von dem Brand am 26.11. war auch der "Berufsbildungsbereich" betroffen. Hier arbeiten fünf Beschäftigte, die nicht in den Produktionsprozess eingebunden sind. Stattdessen haben sie 24 Monate lang die Chance herauszufinden, für welchen Beruf sie geeignet sind. Sie könnten von den angebotenen Praktikumsplätzen der Firmen in der Region profitieren und erleben, wie Inklusion im Arbeitsleben verwirklicht wird.