Bitte warten...

Mainz: Weitergehen nach dem Unvorstellbaren Ein Luftballon für Leonard

Wenn das eigene Kind stirbt, braucht die ganze Familie Hilfe, um diesen Schicksalsschlag zu bewältigen. Herzenssache unterstützt erneut den Verein Trauernde Eltern und Kinder.

Zwei Kinder am Strand

Der Verlust von Leonard hat Rafael schwer getroffen.

Warum Leonard im April 2014 auf dem Weg zur Schule mit dem Fahrrad stürzte, konnte nie geklärt werden. Der 13-jährige Junge starb knapp eine Woche später an seinen schweren Kopfverletzungen. Noch in der Uniklinik empfohlen die Ärzte den Eltern und dem damals zehnjährigen Bruder, sich helfen zu lassen. Rafael und seine Eltern fanden Unterstützung beim Verein Trauernde Eltern und Kinder. Der Junge besuchte ein Jahr lang die Kindertrauergruppe und konnte hier seine Trauer kreativ ausdrücken und mit Gleichaltrigen teilen. Das hat alle sehr entlastet. Heute geht die ganze Familie noch immer gerne zu den Jahrestreffen mit anderen Familien, die Ähnliches erlebt haben. Dort lassen sie gemeinsam einen Luftballon für Leonard steigen. "So eingebunden ist das Weitergehen leichter", sagen die Eltern.

Nachfrage nach Beratungen hat sich verdreifacht

Der Verein Trauernde Eltern und Kinder Rhein-Main konnte sein Angebot durch die Unterstützung von Herzenssache in den letzten fünf Jahren kindgerecht ausbauen. Die Qualität der Arbeit hat sich herumgesprochen, die Nachfrage in der Zwischenzeit verdreifacht. Der Verein muss erneut erweitern, doch die finanziellen Mittel sind knapp, das Angebot ist fast ausschließlich spendenfinanziert. Deshalb hilft Herzenssache nun ein weiteres Mal.
Durch die Fördermittel wird das Angebot für trauernde Kinder und Jugendliche im Großraum Mainz für drei Jahre gesichert und erweitert. Dadurch kann eine zusätzliche Trauerbegleiterin ihre Arbeit aufnehmen, sie wird die gestiegene Nachfrage nach Einzel- und Gruppenberatungen abdecken. Für die Gruppenangebote wird ein neuer, größerer Raum angemietet. Dank der zweiten Trauerbegleiterin kann jetzt auch eine Aufgabe übernommen werden, die neu hinzukommt: Immer häufiger wenden sich Schulen, Kindergärten und Horte an den Verein, die nach dem Tod eines Angehörigen Unterstützung brauchen, um das Thema Trauer und Verlust kindgerecht in der Einrichtung zu vermitteln.


Die vier Phasen der Trauer nach Verena Kast
In der ersten Phase, dem „Nicht-wahrhaben-Wollen“ sind viele erstarrt, verstört und apathisch, andere geraten außer Kontrolle und brechen zusammen. In der zweiten Phase, den „Aufbrechenden Emotionen“ bahnen sich Leid, Wut, Schmerz, Trauer, Zorn ihren Weg. Die dritte Phase „Suchen und sich trennen“ ist durch Suchen gekennzeichnet. Der Trauernde sucht die geliebten Gesichtszüge, gemeinsame Orte, übernimmt Gewohnheiten und führt innere Gespräche mit dem Verstorbenen. In der vierten Phase „Neuer Selbst- und Weltbezug“ erkennt man, dass das Leben weitergeht. Man schmiedet neue Pläne, auch wenn der Trauerprozess Spuren hinterlassen hat.