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Karlsruhe: Gegen Lästereien im Netz Wie Melanies Leben zur Hölle wurde

Mit ein paar erotischen Bildern, die sie ihrem damaligen Freund geschickt hatte, fing alles an. Nachdem die 15jährige Melanie sich von ihm getrennt hatte, kursierten diese vertraulichen Bilder im Internet und über den Kurznachrichtendienst Whatsapp. Einige Wochen später waren die Fotos Teil eines gefälschten Facebook-Profils, versehen mit einschlägigen Kommentaren und Angeboten.

Mädchen verbirgt ihr Gesicht vor Computermonitor

Gefälschtes Facebook-Profil: Wenn soziale Netzwerke zum Alptraum werden.

Melanie vermutet, dass die neue Freundin ihres Ex die Fotos auf dessen Handy gefunden hat und diese nun dazu verwendet, um sie fertig zu machen. Als sie die neue Freundin darauf anspricht, wird diese gewalttätig. In der Schule wird Melanie häufig wegen des gefälschten Profils angepöbelt, beleidigt und ausgelacht. Außerdem wird sie von ihrer eigenen Schwester erpresst, es den Eltern zu erzählen, die davon auf keinen Fall erfahren sollen. Die Schulleitung wurde über alles informiert. Deren Rat bestand darin, Melanie müsse das aushalten. Die 15jährige ist verzweifelt und weiß nicht, was sie tun soll.

Cybermobbing ist trauriger Alltag an der Schule

Jeder fünfte Schüler hat schon einmal andere im Netz runtergemacht – aus Langeweile, aus Spaß oder weil er sich selbst geärgert hat und sich wehren wollte. An fast jeder dritten Schule gibt es mindestens einmal in der Woche einen Fall von Cybermobbing. Jedes zweite Mobbingopfer wünscht sich mehr Unterstützung. Dies ist das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage unter mehreren tausend Eltern, Lehrern und Schülern, die der Verein Bündnis gegen Cybermobbing im Mai 2013 veröffentlichte.

Gemeinsam gegen Lästereien im Netz

Das Projekt "Gegen Lästereien im Netz" wird an jeweils drei Brennpunktschulen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland in der Jahrgangsstufe 8 oder 9 durchgeführt. Zuerst werden die Lehrer geschult. Dann besprechen sie das Thema mit den Schülern anhand von Arbeitsmaterial, das in Zusammenarbeit mit der Opferschutzorganisation "Weißer Ring" entwickelt wurde. Schließlich tauschen sich Lehrer, Schüler und Eltern über die Erfahrungen in den Workshops aus. Am Ende erarbeiten die Teilnehmer eine Art "Kodex" für ihren Umgang mit sozialen Netzwerken, der dann für alle Schüler gelten soll.