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Heilbronn: Häusliche Gewalt verarbeiten Wenn Papa zuschlägt

Levin ist erst zwei Jahre alt, hat aber schon viel Gewalt in seiner Familie erfahren. Jetzt hat er im Frauen- und Kinderschutzhaus der Diakonie Heilbronn einen Ort gefunden, an dem er das Erlebte verarbeiten kann.

Levin ist zwei, sein Bruder grade mal ein Jahr alt. Die beiden Jungs haben aber schon Schlimmes erleben müssen: Levins Mama und sein kleiner Bruder wurden regelmäßig von Vater und Großmutter der Kinder beschimpft und geschlagen. Das hat auch bei Levin Spuren hinterlassen. Levins Erlebnisse haben ihn geprägt, er spuckt andere Menschen an, schreit plötzlich laut los und beißt zu – egal, ob bei anderen Kindern oder Erwachsenen. In der Diakonie möchte man Kindern wie Levin nicht bloß Obhut bieten, sondern helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Das hat bei Levin schnell Wirkung gezeigt. Mit dem Beißen hat er ganz aufgehört. Er ist viel ruhiger geworden und spielt jetzt friedlich mit anderen Kindern. Trotzdem ist es für Levin noch ein weiter Weg. Wird er trotz seiner schlimmen Erfahrungen später einmal in der Lage sein, Konflikte gewaltfrei zu lösen und Frust auszuhalten?

Einen Rückzugsort schaffen

Das geplante Projekt der Diakonie Heilbronn ist in zweierlei Hinsicht präventiv: Um Sorge zu tragen, dass die Kinder nicht erneut Opfer von Gewalt werden und um zu verhindern, dass sie später selbst zu Tätern werden. Im Frauen- und Kinderschutzhaus der Diakonie gibt es im Moment 20 Plätze für Frauen und ihre Kinder, die aus Gewaltsituationen fliehen mussten. Alle Kinder zwischen zwei und dreizehn Jahren sollen professionell begleitet und in Einzelterminen betreut werden. Dafür sind sozial- und heilpädagogische Fachkräfte zuständig, die auf häusliche Gewalt und Traumatisierung spezialisiert sind. In der Gruppenarbeit können sich gewaltbetroffene Kinder austauschen, Rückhalt in der Gruppe erleben und so ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Zur Stärkung des Wir-Gefühls soll eine Blockhütte im Garten in ein Kinderhaus umgebaut werden. Herzenssache hilft mit einer anteiligen Stellenfinanzierung und bei Umbau und Ausstattung des Kinderhauses.