STAND
AUTOR/IN

Auf Michaelas Station liegen die kleinen Patienten. Sie ist Oberärztin am Universitätsklinikum Tübingen und kämpft täglich um das Leben von Kindern und Jugendlichen.

Dauer

„Ich ärgere mich über gar keine Lappalien mehr im Leben. Ich sehe ja ständig, wie grausam das Leben sein kann. Durch meinen Job bin ich dankbar für jedes Frühstück, sogar für jeden Atemzug geworden.“

Michaela, 39, Oberärztin aus Tübingen

Ein TV-Moment verändert ihr Leben

„Als Jugendliche hatte ich gerade mein Abi gemacht. Ich saß abends vor dem Fernseher und habe die Sendung ‚Stern TV‘ gesehen. Damals war der Kinderarzt und Onkologe Dr. Dietrich Niethammer aus Tübingen zu Gast. Michaela war beeindruckt wie er über sein Buch sprach, in dem er den offenen Umgang mit schwer kranken und sterbenden Kindern in Deutschland praktisch revolutionierte.

„Ich war von seinem Auftritt so begeistert, dass ich daraufhin unbedingt Medizin studieren wollte. Tatsächlich war ich dann eine seiner letzten Doktorandinnen. Er hat mir alles beigebracht.“


Schmaler Grat zwischen Freude und Trauer

Seit 12 Jahren ist Michaela Oberärztin im Universitätsklinikum. Auf ihrer Station werden jährlich ca. 50 Kindern und Jugendlichen eine Stammzellentransplantation unterzogen. Leider schlägt nicht bei allen die Therapie an.


„Kindern bei denen ich weiß, dass sie es nicht schaffen werden, sage ich offen: ‚Wir können jetzt nur noch Zeit gewinnen'. Für sie ist dann das Allerwichtigste, dass sie von ihren Eltern wissen, dass sie niemals in Vergessenheit geraten. Dass sie immer einen Platz im Herzen haben werden. Dass ihr Stuhl in der Küche für immer ihrer bleibt.“

Trauer und Hilflosigkeit gehören zu Michaelas Berufsalltag. Es sind aber die Erfolgserlebnisse, die sie immer wieder beflügeln. „Kinder und Jugendliche, die wir heilen können, beginnen meistens ein neues Leben. Sie sind auch besser in der Schule und es kommt nicht selten vor, dass sie später sogar selbst Medizin studieren. Das macht mich dann unheimlich stolz und glücklich.“