Sehnsucht nach der Wagenburg

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Verena Ecker
Verena Ecker (Foto: SWR)
Stefanie Molitor
Stefanie Molitor (Foto: SWR)

Radja Juschka wuchs in einer Wagenburg in Tübingen auf und hat die Freiheit geliebt. Heute lebt sie in einer WG, sehnt sich aber nach dem Leben im Bauwagen.

„Ich wünsch‘ mir einfach, dass wir wieder kleine Stämme bilden. Das ist ja eigentlich Familie.“

Radja Juschka wuchs in einer Wagenburg in Tübingen auf. „Meine Mutter, mein Bruder und ich haben zu dritt in einem Wagen gewohnt. Mein Papa hatte noch einen anderen Wagen.“ Bis sie zwölf war, lebte sie mit ihrer Familie auf engstem Raum. Für Radja Juschka war das aber alles andere als einengend.

Kinderfoto von Radja Juschka in der Wagenburg Tübingen (Foto: SWR)

„Als Kind war es toll, immer bei allem dabei zu sein. Abends, wenn meine Mutter abgewaschen hat und Musik gehört hat, sind wir eingeschlafen. Es war alles nah und geborgen. Und wenn man alleine sein wollte, ist man halt rausgegangen.“

Radja Juschka in der Wagenburg Tübingen (Foto: SWR)

Ihr Wagenburg-Leben war immer auch ein Leben mit der Natur. „Unten dran an unserem Wagen war ein Staukasten. Das war wie eine Art Keller. Da hatten wir Hühner drin und immer frische Eier. Außerdem gab es eine Kuh, die Milch gegeben hat.“ Radja Juschka war die meisten Zeit draußen – zog mit ihren Freunden als echte Räuberbande durch die Gegend. „Wir haben zum Beispiel die Telefonkasse geplündert. Jeden Tag einmal, um uns Süßigkeiten zu kaufen. Oder wir haben Leute mit Kletten beworfen. Bei alten Schießständen haben wir im Sand Patronen gefunden und sie ins Feuer geworfen. Das gab einen Riesenknall und eine Menge Ärger.“

Für eine Tanzausbildung ging Radja schließlich nach Berlin, kam später aber wieder nach Tübingen zurück. Sie zog in eine WG, aber die Sehnsucht nach der Wagenburg lässt sie bis heute nicht los.

„Ende des Jahres möchte ich wieder in einen Wagen ziehen. Die Geräusche der Wiederholung, das Zuhören, wie jemand wäscht. Wie das Feuer knackt. Wie der Regen auf das Dach prasselt. Diese Idylle des Zusammenseins. Das ist so eine gewisse Ruhe und Vertrautheit. Diese Vertrautheit vermisse ich.“

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