Unruhe, Flucht und Frieden: Mulugeta verarbeitet sein Schicksal in der Kunst

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Mulugeta musste seine Heimat Eritrea verlassen und lebt seit drei Jahren im schwäbischen Balingen. Seine Fluchterlebnisse bringt er mit Farbe und Formen kunstvoll zu Papier.

„Bei der Flucht hatte ich jeden Tag Angst um mein Leben.“

Mulugeta Tekle, 34, aus Balingen

Mulugeta kam vor drei Jahren nach Deutschland, ins schwäbische Balingen. Er floh aus seinem Heimatland Eritrea. „Ich musste meine Frau und mein Kind zurücklassen und habe sie seither nicht gesehen. Das ist nicht einfach.“ Der 34-Jährige war mehrere Tage zu Fuß und auf einem Schiff unterwegs.

„Die ganzen Unruhen in meinem Heimatland, die Flucht aber auch das Gefühl von Frieden, verarbeite ich in meiner Kunst.“

Künstler ist er seit er 14 Jahre alt war. Über seine Malerei sagt er: „Ich liebe das Malen mit Aquarellfarben. Wenn es schnell gehen muss, so wie für euch, reicht aber auch der Wasserfarbkasten.“ Bevor er loslegt, macht er sich keine Gedanken darüber, was er malen wird.

„Das bricht aus mir heraus, meine Gefühle nehmen Farbe und Form an und ich lasse all dem freien Lauf.“

Das kleine Gemälde für SWR Heimat birgt Großes in sich. „Die nackte Frau greift nach der strahlenden Sonne und übersieht dabei das echte Licht hinter ihrem Rücken. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass viele von uns nach den falschen Werten streben und sich oft zu schnell blenden lassen.“ Das Pferd ist sein Symbol für Freiheit und Frieden. „Wenn es nicht mehr vor die Kutsche gespannt wird, kann es sich frei bewegen, das Fluchttier, das nur eines im Sinn hat: friedlich leben.“ Mulugeta hat viel vor. Nach einigen erfolgreichen Ausstellungen gestaltet er zurzeit die bunten Stromkästen in der Nachbargemeinde Bisingen mit.

Auch wenn er schon einige Gemälde verkauft hat, leben kann er von seiner Kunst nicht.

„Das Verkaufen fällt mir sowieso schwer. Du verewigst das Tiefste aus deinem Herzen auf Leinwand und musst es dann abgeben. Aber das lerne ich noch. Weil weißt du, wenn ich nicht loslasse, kann ich nicht wachsen.“

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