Alraune ist eine Menschennäherin

Dauer

Stefanie Alraune Siebert aus Haigerloch näht sich ihre eigene Welt. Sie umgibt sich lieber mit Puppen als mit Menschen - für sie denkt sie sich Rollen aus und kann so über sie bestimmen.

„Auf Schönheit kommt es mir nicht an. In der Hässlichkeit liegt der Charakter verborgen.“

Alraune, 66, Textilkünstlerin aus Haigerloch

„Ich habe meinen Beruf selbst gewählt und was Eigenes kreiert. Ich habe aus dem, was ich konnte, das Beste gemacht – und das war zufälligerweise Nähen. Man könnte sagen, dass ich Textilkünstlerin bin – aber dem haftet auch irgendwo so was Bastelartiges an, was ich überhaupt nicht ausstehen kann. Deswegen ist es mir am liebsten, wenn die Leute zu mir ins Museum kommen und es sich anschauen."

Eine eigene Welt als Museum

„Mein Museum ist ein Ort, in dem man in eine ganz andere Welt eintaucht. Eine Welt, die ich mir geschaffen habe. Das heißt, ich bin nicht darauf angewiesen, dass ich Menschen um mich habe, sondern ich mache sie mir selbst.“

„Ich bin Menschennäherin."

„Mein Museum war ursprünglich ein Zweisternelokal mit Hotel, und wer das Museum besucht, hat das Gefühl, er sei tatsächlich in einem Hotel und geht von Raum zu Raum, und in jedem Zimmer sieht er andere Spinner, die irgendwas machen, auf das die Leute nicht so kommen. Ich schaffe hier meine eigene Gesellschaft und ich habe Personen um mich, die das machen, was ich mir ausdenke.“

„Und mir widerspricht niemand."

„Wenn jemand in eine andere Rolle schlüpfen soll, dann denke ich mir die aus und dann kriegt der einen neuen Namen. Ich bin der Regisseur und das ist meine Welt, in der bestimme nur ich.“ Stefanie Alraune lächelt. „Ich war schon immer ein sehr freiheitsliebender Mensch."

Schläge in der Kindheit

„Ich hatte einen sehr strengen Vater und habe leider sehr viele Schläge bekommen. Von daher habe ich etwas zutiefst Anarchisches in mir und ich lasse mich nicht gerne von Leuten in eine bestimmte Richtung leiten. Ich möchte selbst bestimmen über mein Leben, und da ist das mit den Figuren ganz angenehm.“

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