Von der JVA aufs Urkornfeld

Dauer

Helga lebt ein bewegtes Leben. Gegen den Wunsch ihres Vaters verlässt sie das kleine Brunzenbach bei Schwäbisch-Hall und geht nach Stuttgart. Sie wird Krankenschwester. Arbeit findet sie in der JVA Stammheim. Genau zu der Zeit, als dort die RAF sitzt: Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin.

„Gudrun Ensslin hat leidenschaftlich gerne moderne Kirchenmusik gehört, das weiß ich heute noch. Aber um dreiviertel elf wurde der Strom ausgeschaltet, dann hat sie immer sehr viel geschimpft.“

Helga, 63, ehemalige Krankenschwester in der JVA Stammheim, heute Urkornbäuerin

Wenn Helga sich an die Zeit als Krankenschwester erinnert, dann weiß sie vor allem eins: „Es war ein Beruf, der mir wirklich Spaß gemacht hat.“ Deswegen hat sie sich auch gegen ihren Vater gestellt und ist erstmal nicht Bäuerin geworden, sondern eben Krankenschwester.

Allerdings darf Helga über die Zeit in der JVA nicht viel erzählen. Sie musste damals eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. „Eine Sache, die mich berührt hat, war, als ich vom Tod von Ulrike Meinhof erfahren habe.“

Von der JVA zum Getreideanbau

Nach der Zeit in der JVA beschließt Helga nach Hause zurückzukehren – der Liebe wegen. Sie heiratet einen Bauern und fängt an, sich mit alten Getreidesorten zu beschäftigen: Emmer, Kamut und Einkorn. „Weltweit haben wir an zweiter Stelle das meiste Urgetreide angebaut und haben angefangen damit Brot zu backen.“

Neben ihrer Arbeit als Bäckerin, Cafébetreiberin und Bäuerin kümmert sie sich auch noch um unzählige Pflegekinder: „Es ist nochmal was ganz anderes, seelenpflegebedürftige Menschen aufzunehmen. Wenn man sie annimmt, die spüren das. Da kommt so viel Liebe entgegen.“

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