Didi lebt von seiner Leidenschaft, aber zuvor hat er mit etwas ganz anderem Geld verdient

Dauer

Es gibt Dinge, die müssen ausgesprochen werden, aber es gibt keine Worte dafür. Didi macht das mit seiner Mundharmonika.

„Jemand, der sein Leben lang fremdbestimmt wurde, der wird das Musikmachen wahrscheinlich nicht verstehen.“

Didi, 69, Bluesmusiker und Mundharmonikalehrer in Stuttgart

Didi Neumann bringt Anfängern zwischen Kassel und Klagenfurt Mundharmonikaspielen bei. Er selbst bekam seine erste Mundharmonika von seinem Großvater geschenkt.

Revolution und Aufbruch

„Aber das war gar nicht so interessant für mich. Die Begeisterung kam erst später. Und zwar in den 70er Jahren, der Zeit von Aufbruch und Revolution – zumindest am Anfang."

„Wir wollten was verändern."

"Aber wir mussten erkennen, dass das nur in ganz langsamen Schritten geht. Das war die Zeit, da sind Tageszeitungen entstanden, da sind die Grünen entstanden. Und manche Leute haben dann eben im kreativen Bereich gearbeitet. Und da gehöre ich dazu."

Didis Leben davor

Vor der Mundharmonika hat Didi zwar auch kreativ gearbeitet, aber in einer völlig anderen Richtung: "Ich hab 12 Jahre lang Modeschmuck gemacht. Das Gute daran war: Ich konnte das selber machen. Es gibt wenige Sachen, die du am Küchentisch ohne Aufwand produzieren kannst. Aber wenn du eine Firma hast, die nur aus einer Tasche besteht und da ist Material und Werkzeug drin, dann ist das doch ein interessanter Gedanke. Aber Schmuck interessiert mich einfach nicht besonders."

Die Mundharmonika oder „Harp“ und der Blues, die interessieren Didi. Und seit gut 30 Jahren ernährt er seine Familie damit.

Business Mundharmonikaspielen

"Das geht, wenn man seine eigenen Lehrbücher hat, seine eigenen Instrumente verkauft und unterrichtet. Alle drei Sachen zusammen funktionieren. Meine Kinder sind immer noch nicht mit der Ausbildung fertig", sagt er und lacht schelmisch.

Die Wege der Kinder

Didis Kinder seien aber eher „bürgerlich“ unterwegs, seine eine Tochter hat gerade einen Bachelor in Chemie gemacht. "Eine Generation kreativ, die nächste ist dann ganz brav und die Enkel werden wieder Rebellen, hoffe ich doch."